Küting/Weber, Handbuch der ... / 1. Auswirkungen auf das betriebliche Rechnungswesen
 

Rn. 560

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Während die elektronische Übermittlung der Finanzverwaltung neue Möglichkeiten im Hinblick auf das Risikomanagement eröffnet (vgl. HdR-E, Kap 6, Rn. 554), resultieren für die Stpfl. aus dem definierten Mindestumfang ein erheblicher Anpassungsbedarf für das betriebliche Rechnungswesen sowie eine Erweiterung der Berichtspflichten. Die Finanzverwaltung vertritt jedoch die Meinung, dass die E-Bilanz nicht unmittelbar in die individuelle Bufü des Stpfl. eingreift, sondern lediglich Auswirkungen auf deren Organisation hat. Der Stpfl. wird durch die E-Bilanz dazu verpflichtet, die vorhandenen Konten der jeweiligen Taxonomieposition zuzuordnen und elektronisch – nach den Vorgaben der Finanzverwaltung – zu übermitteln, während das Buchungsverhalten weitgehend unangetastet bleibt. Sollten sich Eingriffe in die Bufü ergeben, so sind diese auf die notwendige Standardisierung zurückzuführen (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 4). Auch die in der Taxonomie eingefügten Auffangpositionen haben zum Ziel, Eingriffe in das Buchungsverhalten zu vermeiden (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 11).

Hieraus folgt u. E., dass der Stpfl. nicht zur Erweiterung seines Kontenrahmens verpflichtet ist und sein bisheriges Buchungsverhalten beibehalten darf. In diesem Fall muss der Stpfl. vermehrt auf Auffangpositionen zurückgreifen, um die rechnerische Richtigkeit des Datensatzes zu gewährleisten. Diese "Minimalstrategie" (vgl. Herzig, N./Briesemeister, S./Schäperclaus, J. 2011a, S. 2515) ist u. E. bei Auslegung des § 5b EStG als reine Verfahrensvorschrift mit den Mitwirkungspflichten des Stpfl. vereinbar, da er seiner Verpflichtung, den Mindestumfang zu übermitteln, nachkommt. Folglich ist die Erweiterung des Kontenrahmens und die damit verbundene Änderung des Buchungsverhaltens eine Frage des sog. Tax Compliance-Levels. Unter dem Begriff "Tax Compliance" wird – aus Sicht des Stpfl. – die Einhaltung und Erfüllung stl. Pflichten verstanden (vgl. Seer, R. 2003, S. 50). Bei der "Neutralstrategie" werden hingegen nur die Anforderungen umgesetzt und freiwillige Informationen der Finanzbehörde zur Verfügung gestellt, wenn sie mit keinem oder nur geringem Aufwand verbunden sind (vgl. Herzig, N./Briesemeister, S./Schäperclaus, J. 2011a, S. 2515). Im Hinblick auf den Kontenrahmen bedeutet dies, dass nur die Konten erweitert werden, die zur Erfüllung des Mindestumfangs notwendig sind, wohingegen Auffangpositionen lediglich in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen. Entscheidet sich der Stpfl. jedoch für die "Maximalstragie" (vgl. Herzig, N./Briesemeister, S./Schäperclaus, J. 2011a, S. 2515), so muss er den Kontenrahmen entsprechend erweitern, um sowohl Mussfelder als auch rechnerisch notwendige Positionen befüllen zu können. Der hierdurch entstehende Mehraufwand kann nur gering gehalten werden, wenn stl. gesondert auszuweisende Sachverhalte bereits unterjährig bei der Erfassung der lfd. Geschäftsvorfälle Berücksichtigung finden. Die Notwendigkeit der differenzierten Erfassung wird durch die Gültigkeit der Steuertaxonomie für die HB verstärkt, auch wenn die Finanzverwaltung es nicht beanstandet, wenn der Stpfl. die Mussfeldtiefe noch nicht in der übermittelten HB abbildet (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 14f.). Eine solche Vorgehensweise ist aufgrund der Verpflichtung der Abbildung der Mussfeldtiefe, die in diesem Fall i. R. d. Umgliederungsrechnung erfolgt, und des daraufs resultierenden Mehraufwands abzulehnen.

Die bisherige Bearbeitungsreihenfolge, erst nach Ablauf des WJ die stl. Überleitungen zu erstellen, wird künftig nicht mehr möglich sein (vgl. Koch, S./Nagel, C. 2010, S. 1344). Voraussetzung für die unterjährige Erfassung stl. Sachverhalte ist die Anpassung der derzeit überwiegend an den handelsrechtl. Gliederungsschemata der §§ 266 und 275 ausgerichteten Kontenrahmen an die Anforderungen der Steuertaxonomie. Angesichts der erheblichen Gliederungstiefe der Bilanz und der GuV ist – soweit sich der Stpfl. für die Maximalstrategie entscheidet – eine Erweiterung um mehr als 100 Konten erforderlich (vgl. Dehler, M. 2010, S. 41), wobei die genaue Anzahl sicherlich vom verwendeten Kontenrahmen abhängt. Deren Erweiterung um die aus stl. Sicht erforderlichen Konten erweist sich insbes. bei international operierenden UN als schwierig, da die globalen Kontenrahmen an internationalen RL-Standards ausgerichtet sind, d. h. im Regelfall erfolgt das Kontenmapping von IFRS auf HGB als lokalen RL-Standard. Steuergesetze des jeweiligen Landes können insoweit keine Berücksichtigung finden (vgl. Zentraler Kreditausschuss 2010, S. 5).

Die Pilotierung zeigte, dass die Zuordnung der Konten zu den einzelnen Positionen der Taxonomie, das sog. Kontenmapping, eine große Herausforderung darstellt (vgl. Bericht über die Auswertung der Pilotphase, S. 14). Bei der Kontenzuordnung ist grds. zu beachten, dass diese stets auf Mussfeld-Ebene erfolgen sollte und nicht auf Ebene der handelsrechtl. Posten (§§ 266 und 275) oder der S...

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