17.06.2013 | Top-Thema Zeitnahe Betriebsprüfung

Ein Überblick

Kapitel
Zeitnahe Betriebsprüfung: Ein Überblick
Bild: PhotoAlto

Großbetriebe bekommen alle drei bis fünf Jahre für mehrere Wochen Besuch vom Betriebsprüfer. Er verlangt Platz, IT-Zugang und vor allem Antworten. Diskutiert werden sehr alte Buchungen. Das belastet nicht nur die Buchhaltung, sondern auch der Betriebsprüfer muss sich immer wieder neu einarbeiten. Die zeitnahe Betriebsprüfung schafft Abhilfe.

Jährliche Betriebsprüfung statt alle fünf Jahre
Die zeitnahe Betriebsprüfung ist seit dem 1.1.2012 bundeseinheitlich in § 4a Betriebsprüfungsordnung (BpO) geregelt. In diese Vorgaben werden alle bisherigen Pilotprojekte überführt (auch die in NRW oft als „abschlussbegleitende Betriebsprüfung“ bezeichnete Variante). Die BpO sieht einen maximalen Zeitraum von zwei Jahren vor, der möglichst zeitnah an der Steuererklärung geprüft werden soll. Praxis ist jedoch eine jährliche Prüfung.

Zeitnahe Abgabe der Steuererklärung erforderlich
Voraussetzung für die Prüfung ist die Abgabe einer Steuererklärung. Das Unternehmen gibt diese möglichst frühzeitig ab. Zeitnah erlässt die Finanzbehörde die Prüfungsanordnung. Dabei bedeutet „zeitnah“ auch, dass ein Zeitraum von zwei Jahren geprüft werden kann. In der Praxis ist allerdings meist ein Prüfungszeitraum zu finden, der das gerade abgeschlossene Jahr umfasst.

Prüfung nur eines Jahres
Die Betriebsprüfung selbst läuft ab wie bisher auch. Sie ist lediglich wesentlich kürzer, weil nur ein Jahr geprüft wird. In einer Abschlussbesprechung werden die Ergebnisse diskutiert und festgestellt. Ein Prüfungsbericht wird erstellt, der bei Einvernehmen zwischen den Parteien auch sehr kurz ausfallen kann. Die vorliegende Steuererklärung wird um die vereinbarten Anpassungen verändert und festgestellt.

Ablauf einer zeitnahen Betriebsprüfung
In den folgenden sieben Schritten läuft eine zeitnahe Betriebsprüfung ab:

  1. Aufstellen des Jahresabschlusses
  2. Abgabe der Steuererklärung
  3. Prüfungsanordnung durch die Großbetriebsprüfung
  4. Durchführung der Betriebsprüfung
  5. Einigung auf die Ergebnisse der Prüfung
  6. Anpassung der Steuererklärung
  7. Feststellung

Großbetriebe profitieren von der zeitnahen Betriebsprüfung
Für die zeitnahe Betriebsprüfung kommen nicht alle Steuerpflichtigen in Frage. Geeignet sind Großbetriebe, die Anschlussprüfungen erhalten. Die Strukturen dieser Großunternehmen und Konzerne sollten möglichst einfach sein. Für die Finanzbehörden interessant sind Unternehmen mit hohen Gewinnen, also auch hohen Steuerzahlungen. Geeignet ist ein Unternehmen, wenn es sich in der Vergangenheit steuerloyal verhalten hat, also keine hohen Risiken bezüglich der Bilanzgestaltung eingegangen ist.

Praxis-Hinweis: Trotz der Forderung nach Steuerloyalität wird die zeitnahe Betriebsprüfung auch bei Unternehmen angewandt, bei denen die Finanzbehörden ein hohes Risiko und eine geringe Steuerloyalität erwarten. So wird sichergestellt, dass Fehler im Abschluss frühzeitig erkannt und die Steuerzahlungen gesichert werden können.

Unternehmen müssen digitalen Zugriff auf ihre Daten gewähren
Unternehmen, die an der zeitnahen Betriebsprüfung teilnehmen wollen, müssen sich verpflichten,

  • den digitalen Zugriff nach GDPdU bis zum aktuellen Prüfungstag zu gewähren, nicht nur für den Prüfungszeitraum,
  • eine steuerliche Selbstauskunft abzugeben, in der alle steuerlich relevanten Änderungen unaufgefordert mitgeteilt werden,
  • einen entscheidungsbefugten Ansprechpartner zu benennen, um auch beim Steuerpflichtigen eine Beschleunigung zu erreichen.

Diese Pflichten des Unternehmens werden oft als Nachteile der zeitnahen Betriebsprüfung angeführt. Im Normalfall dürften sich daraus keine Nachteile ergeben.

Schlagworte zum Thema:  Betriebsprüfung, Steuererklärung

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