26.01.2012 | Jahresabschluss & Bilanzierung

Working Capital Management: Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Das Working Capital-Management ist in vielen Unternehmen noch ausbaufähig. Fachleute sehen Optimierungsmöglichkeiten bei Forderungen, Verbindlichkeiten und Vorräten.

Unternehmen, denen es nicht so gut geht, müssen aufpassen, dass bei schwierigen Kreditkonditionen oder kürzeren Kreditlinien aus Liquiditätsproblemen keine Solvenzprobleme werden, warnt die DIHK.

Ein wichtiger Aspekt, bei dem es bei vielen Unternehmen noch Verbesserungsbedarf gibt, ist das Thema Working Capital Management. Das Working Capital ist meist definiert als Differenz von Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Diese Differenz, so der Grundgedanke, sollte möglichst positiv sein: d.h. ein Teil des Umlaufvermögens wird mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital finanziert. Ist das Ergebnis dagegen negativ, heisst dies, dass das Umlaufvermögen nicht ausreicht, um die gesamten kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Ziel eines systematischen Working Capital Management ist es daher, die Kapitalbindung im Unternehmen zu senken und die Liquidität zu verbessern. Beispielsweise durch ein verändertes Mahnwesen, durch den Abbau der Lagerhaltung oder durch kürzere Zahlungsziele. Dadurch vermeiden Unternehmen Liquiditätsengpässe, steigern die Rendite und können die Verschuldung reduzieren.

Im Fokus: Strengeres Mahnwesen und reduzierte Lagerhaltung

Laut einer Umfrage der Deutschen Bank habt  über die Hälfte der Unternehmen auf diese Herausforderungen reagiert, indem sie ein strengeres Mahnwesen eingeführt (59 Prozent) oder die Lagerhaltung reduziert haben (45 Prozent). Auch wenn hier offensichtlich schon einiges passiert ist, sehen die Unternehmen in diesen Bereichen künftig noch sehr großes Potential.

Beim Thema Working Capital Management sind nicht nur die Finanzfachleute in Unternehmen gefordert, sondern auch die Produktionsleiter. „Neben einem guten Forderungsmanagement sollten insbesondere bei produktionsintensiven Unternehmen Bestände möglichst just in time geliefert und in Einklang mit der Liquiditätsplanung bestellt werden. So können Potentiale im Working Capital gehoben werden“, sagt Sebastian Schütz, Leiter des Referats Unternehmensnachfolge und Unternehmenssicherung vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin.

Treasury Management Systeme nutzen

Der Einsatz von Treasury Management Systemen sollte selbstverständlicher werden, meint Commerzbank-Experte Nagel. Ziel dieser Systeme sollte es sein, sämtliche Risiken, z.B. Liquiditäts-, Devisen- und Zinsrisiken möglichst auf Knopfdruck messbar zu machen, um sie so bewerten und steuern zu können. Die Deutsche Bank weist darauf hin, dass neue Cash-Management-Lösungen natürlich zum Geschäftsmodell des Unternehmens passen müssen, damit sich die technischen und personellen Investitionen lohnen.

Cash-Flow-basierte Liquiditätsplanung

Commerzbank-Fachmann Nagel empfiehlt zudem die Einführung einer cashflow-basierten, zeitnahen Liquiditätsplanung, um die Liquidität besser zu steuern. Gerade in volatilen Zeiten sei es ein großer Vorteil von Treasury-Management-Systemen, dass Unternehmen verschiedene Szenarien zum best-, worst- und average case simulieren können.

Unternehmen sollten darauf achten, dass sie Treasury Richtlinien haben und auch nutzen. Dies ist wichtig, um von der Unternehmensleitung vorgegebene Leitlinien zu Risiko, Finanzierung und Liquiditätshaltung für die Praxis aufzubereiten und klare Verantwortlichkeiten zu definieren.

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