09.12.2015 | Top-Thema Jahreswechsel 2015/2016: Wichtige Informationen für das Rechnungswesen

Bilanzierung und Jahresabschluss

Kapitel
Wichtige Änderungen zum Jahreswechsel beim Jahresabschluss und Bilanzierung.
Bild: Haufe Online Redaktion

Neben wichtigen Änderungen durch das BilRUG, gibt es u.a. Änderungen bei der Rückstellungsbildung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen und beim Investitionsabzugsbetrag.

Neuerungen aufgrund des BilRUG

Der Gesetzgeber hat mit dem BilRUG vom 17.7.2015 die EU-Bilanzrichtlinie 2013/34/EU in deutsches Recht umgesetzt Das BilRUG ist am 23.7.2015 in Kraft getreten (BGBl I 2015, S. 1245ff.).

Die neuen Schwellenwerte gem. § 267 HGB gelten für den Einzelabschluss für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften ab dem handelsrechtlichen Jahresabschluss 2014, aber nur unter gleichzeitiger Beachtung der Neudefinition der Umsatzerlöse nach § 277 Abs. 1 HGB n. F. (siehe unten). Ab 2016 ist die Beachtung der Schwellenwerte verpflichtend.

Maßgebend für die Einstufung in die jeweilige Größenklasse sind wie bisher die Daten von 2 aufeinander folgenden Geschäftsjahren, wobei 2 der 3 Merkmale zutreffen müssen (§ 267 Abs. 4 HGB n.F.).

Praxis-Hinweis: Bilanzsumme ist gesetzlich geregelt

Der Begriff der Bilanzsumme ist nun gesetzlich geregelt in § 267 Abs. 4a HGB n.F. Die für die Schwellenwertbestimmung maßgebliche Bilanzsumme ist die Summe der Buchst. A bis E der Aktivseite (§ 266 Abs. 2 HGB) abzüglich eines auf der Aktivseite ausgewiesenen Fehlbetrags („nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag).

Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen Angaben über

  • die Anschaffungs- und Herstellungskosten,
  • Zu- und Abgänge und
  • Abschreibungen zu den einzelnen Posten des Anlagevermögens

im Anhang darstellen (§ 268 Abs. 2 HGB wurde aufgehoben).

Für kleine Kapitalgesellschaften gilt, dass diese Angaben weiterhin freiwillig sind.

Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von 2 aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als jeweils 500.000 EUR Umsatzerlöse und jeweils 50. 000 EUR Jahresüberschuss aufweisen, brauchen die §§ 238 bis 241 HGB nicht anzuwenden. Für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen, gelten erhöhte Schwellenwerte von 600.000 EUR Umsatzerlöse und 60.000 EUR Jahresüberschuss (§ 241a S. 1 HGB n. F.).

Die AfA-Dauer bei aktivierten Geschäfts-/Firmenwerten und selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen, bei denen die Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden kann, muss mit mindestens 10 Jahren angesetzt werden (§ 253 Abs. 3 S. 3 und 4 HGB n. F.).

Wichtig: Neudefinition der Umsatzerlöse

Zu den Umsatzerlösen (§ 277 Abs. 1 HGB n. F.) zählen die Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen (z. B. gelegentliche Wartung, Instandhaltung, kurzfristige Überlassung von Mitarbeitern) nach Abzug von Erlösschmälerungen und der USt sowie sonstiger direkt mit dem Umsatz verbundener Steuern, also auch Erlöse, die nicht für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit typisch sind.

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Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen in Papier- oder digitaler Form

Für die zu erwartenden Aufwendungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen ist eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden, weil dafür eine öffentlich-rechtliche Aufbewahrungspflicht besteht. Die Passivierungspflicht besteht sowohl in der Handelsbilanz als auch (über den Maßgeblichkeitsgrundsatz) in der Steuerbilanz. Bei der Bildung dieser Rückstellung ist zu berücksichtigen, welche Unterlagen tatsächlich aufbewahrungspflichtig sind und wie lange die Aufbewahrungspflicht für einzelne Unterlagen noch besteht.

Praxis-Hinweis: Einzubeziehende Kosten

Die OFD Niedersachsen hat mit Verfügung v. 05.10.2015, S 2137 - 106 - St 221/St 222, Regeln zu berücksichtigungsfähigen Kosten und zur Berechnung der Kosten aufgestellt.

Reinvestition des Veräußerungsgewinns gem. § 6b Abs. 2a EStG – Gesetzesänderung

Der EuGH hatte mit Urteil v. 16.4.2015 (C-591/13) entschieden, dass die bestehenden Regelungen zur Rücklagenübertragung nach § 6b EStG gegen die Niederlassungsfreiheit verstoßen.

Deshalb wurde durch das Steueränderungsgesetz 2016 v. 2.11.2015 (BGBl 2015 I S. 1834) ein neuer § 6b Abs. 2a EStG geschaffen. Auf Antrag hin ermöglicht es dieser, die auf eine Reinvestition des Veräußerungsgewinns im EU-/EWR-Raum zu zahlenden Steuern über einen Zeitraum von 5 Jahren zu verteilen.

Neuerungen beim Investitionsabzugsbetrag gem. § 7g EStG – Gesetzesänderung

Steuerpflichtige müssen für Investitionsabzüge gem. § 7g EStG, die sie erstmals für nach dem 31.12.2015 endende Wirtschaftsjahre bilden, keine konkrete Investitionsabsicht mehr haben und auch nicht nachweisen. Daher entfällt auch das Erfordernis, das ggf. anzuschaffende Wirtschaftsgut hinsichtlich seiner Funktion zu benennen (Steueränderungsgesetz 2016 v. 2.11.2015 (BGBl 2015 I S. 1834). Nach der Neuregelung kann der Steuerpflichtige – nunmehr ohne weitere Angaben – Abzugsbeträge für künftige Investitionen in bewegliches Anlagevermögen bis zu einem Höchstbetrag (200.000  EUR) gewinnmindernd abziehen. Allerdings muss er die Summe aller Abzugsbeträge bzw. der rückgängig gemachten oder hinzugerechneten Beträge nach amtlich vorgeschriebenen Datensätzen durch Datenfernübertragung übermitteln.

Praxis-Hinweis: Was für Investitionsabzugsbeträge vor dem 1.1.2016 gilt

Bei Investitionsabzugsbeträgen, die der Steuerpflichtige in vor dem 1.1.2016 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen hat, gilt § 7g Abs. 1 bis 4 EStG in der am 31.12.2015 geltenden Fassung weiter. So sind in diesen Fällen lediglich funktionsgleiche Wirtschaftsgüter begünstigt.

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Schlagworte zum Thema:  Jahreswechsel, Rechnungswesen, Bilanzierung, Jahresabschluss, BilRUG, Sozialversicherung

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