24.03.2015 | Top-Thema Tax Accounting: Integrierte Steuerbuchführung im Mittelstand

Anlagevermögen: Abschreibung wegen dauerhafter Wertminderung

Kapitel
Zum steuerrechtlichen Nachweis einer dauerhaften Wertminderung müssen Belege und Dokumente aufbewahrt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Handelsrechtlich besteht im Anlagevermögen eine Abschreibungspflicht bei dauerhafter Wertminderung auf den am Abschlussstichtag beizulegenden Wert des Vermögensgegenstands.

Sowohl der Begriff „beizulegender Wert“ als auch der Begriff „dauerhafte Wertminderung“ sind unbestimmte Rechtsbegriffe. Eine exakte gesetzliche Definition gibt es nicht. Es finden sich bestenfalls Literatur oder Praxismeinungen wie der beizulegende Wert ermittelt bzw. wann eine Wertminderung tatsächlich dauerhaft ist. Ein Wahlrecht zur Abschreibung bei dauerhafter Wertminderung besteht nur im Bereich des Finanzanlagevermögens unter Beachtung des Stetigkeitsgebots.

Praxis-Hinweis: Maßstäbe für die Ermittlung des beizulegenden Werts:

  • Wiederbeschaffungskosten (letzte Kaufpreise oder Alternativangebote auf der Beschaffungsseite)
  • Reproduktionskosten (bei Bestellungen von Sonderanfertigung oder sonstige Beschaffungen)
  • Retrograd aus den Verkaufserlösen ermittelte Werte
  • Durch Bewertungsverfahren ermittelte Ertragswerte

Dauerhafte Wertminderung

Eine Dauerhafte Wertminderung kann in der Praxis bei abnutzbaren Vermögensgegenständen des Anlagevermögens unterstellt werden, wenn die Wertminderung über ein wesentlichen Teil (>= 50 %) der Restnutzungsdauer des betreffenden Vermögensgegenstands besteht.

Dauerhafte Wertminderung steuerrechtlich

Steuerrechtlich besteht sowohl für das abnutzbare als auch für das nichtabnutzbare Anlagevermögen nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG ein Wahlrecht auf den Teilwert bei dauerhafter Wertminderung abzuschreiben. Der Begriff Teilwert ist in § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG legaldefiniert, wobei sich bei der Ermittlung immer wieder praktische Schwierigkeiten ergeben.

Wertminderung muss nachweisbar sein

Der Steuerpflichtige muss in der Lage sein nachzuweisen, dass eine dauerhafte Wertminderung vorliegt. Dafür müssen auch die entsprechenden Belege bzw. Dokumente aufbewahrt werden. Zu der Frage wann eine dauerhafte Wertminderung vorliegt hat sich die Finanzverwaltung in einem aktuellem BMF Schreiben vom 16.07.2014 geäußert (BMF-Schreiben vom 16.07.2014, BStBl 2014 I S. 1162.). Grundsätzlich müssen aus Sicht eines gewissenhaften Kaufmanns mehr Gründe für die Nachhaltigkeit der Wertminderung sprechen, als dagegen. Etwas konkreter verlangt die Finanzverwaltung, dass „der Wert des Wirtschaftsguts die Bewertungsobergrenze während eines erheblichen Teils der voraussichtlichen Verweildauer im Unternehmen nicht erreicht“ (Rz. 6 des BMF-Schreiben vom 16.07.2014).

Schlagworte zum Thema:  Anlagevermögen, Abschreibung, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Wertminderung dauernde, Vermögensgegenstand, Tax Accounting, BilMoG, E-Bilanz, Mittelstand, Latente Steuern

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