| Stellungnahme

DRSC nimmt Stellung zu ED/2015/1

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der IFRS-Fachausschuss des DRSC hat Zweifel, inwiefern die angedachte Änderung an IAS 1 zur Unterscheidung des Ausweises finanzieller Verbindlichkeiten als lang- oder kurzfristig in der Praxis Klarheit schaffen kann.

Der Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) hat durch seinen IFRS-Fachausschuss (IFRS-FA) am 9. Juni 2015 Stellung genommen zum ED/2015/1 - Classification of Liabilities. ED/2015/1 war am 10. Februar 2015 vom IASB betreffend Änderungen an IAS 1 veröffentlicht worden. Inhaltlich ist eine  Anpassung des Wortlauts der Paragraphen IAS 1.69d und IAS 1.73 vorgesehen:

  • Bislang gilt: Ein Unternehmen hat eine Schuld als kurzfristig einzustufen, wenn es kein uneingeschränktes Recht (unconditional right) hat, die Erfüllung der Schuld um mindestens zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag zu verschieben (IAS 1.69d).
  • Wenn das Unternehmen erwartet und verlangen kann (has the discretion), dass eine Verpflichtung im Rahmen einer bestehenden Kreditvereinbarung für mindestens zwölf Monate nach dem Abschlussstichtag refinanziert oder verlängert wird, gilt die Verpflichtung trotzdem selbst dann als langfristig, wenn sie sonst innerhalb eines kürzeren Zeitraums fällig wäre (IAS 1.73).

In IAS 1.69d soll der Begriff „unconditional“ und in IAS 1.73 der Begriff „discretion“ gestrichen und im letzteren Fall durch „right“ ersetzt werden. In beiden Fällen haben nach Änderung somit ausschließlich „Rechte“, die zum Ende der Berichterstattungsperiode bestehen, Auswirkungen auf die Klassifizierung einer Schuld.

Diesen Punkt greift der DRSC auf, indem er zwar einerseits die Bemühungen einer Klarstellung begrüßt (u. a. durch Streichung von „unconditional“), andererseits aber auch Zweifel hat, inwiefern die neue Begrifflichkeit „right“ nicht auch zu Auslegungsfragen führen könnte. So sei nach Ansicht des DRSC klarzustellen, inwieweit nicht nur allein auf die rechtliche Form eines Rechts abzustellen sei, sondern auch die wirtschaftliche Position bzw. Absicht hinsichtlich der Möglichkeit einer Ausübung einer Verlängerung zu berücksichtigen sei. Auch ist unklar, wie die Situation zu beurteilen sei, wenn eine Partei gleichzeitig ein Recht zur Verlängerung aber auch zur Rückführung einer Verbindlichkeit habe (early settlement).

Praxistipp

Die bestehenden Regelungen zur Einstufung einer Verbindlichkeit als lang- oder kurzfristig nach IAS 1 sind nicht eindeutig bzw. teils auslegungsbedürftig. Durch die Anpassung der Begrifflichkeiten durch den IASB wird diesem nun entgegengewirkt. Jedoch bleibt es abzuwarten, inwiefern die Klarstellung (Ersatz der Begrifflichkeit unconditional durch right) nicht auch wieder zu ermessensbehafteten Auslegungen führen kann.

Quelle:

http://www.drsc.de/docs/press_releases/2015/150609_CL_ASCG_IASB_amendIAS1.pdf?date=2015-5-2

Schlagworte zum Thema:  DRSC, IAS

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