11.01.2012 | IFRS

Schwächen der Finanzberichterstattung

Die DPR hat in einer Stellungnahme an das IASB zum Konsultationspapier allgemeine Gründe für Schwächen in der derzeitigen Finanzberichterstattung aufgegriffen und warnt vor zu großen Bewertungsspielräumen

Im Zusammenhang mit dem am 26. Juli 2011 veröffentlichten Konsultationspapier des IASB hat auch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beim IASB eine Stellungnahme zu dessen künftigem Arbeitsprogramms eingereicht.

Nachdem der IASB in seinem Papier die Ansicht vertreten hatte, künftige Arbeiten in die Kategorien „Weiterentwicklung der Finanzberichterstattung“ (developing financial reporting) und „Pflege der bestehenden IFRS“ (maintaining the standards) einzuordnen hat die DPR eine klare Auffassung. Aus der Sicht eines (nationalen) Regulierers werde es höchst befürwortet der „Pflege der IFRS“ oberste Priorität zu geben (highly recommend that the IASB gives priority to “maintaining the standards“).

Im ersten Abschnitt der Stellungnahme der DPR wird dieser Punkt aufgegriffen und allgemeine Gründe für Schwächen in der derzeitigen Finanzberichterstattung genannt.

Nach der Meinung und Erfahrung aus der Durchsetzung der Standards in Deutschland seien insbesondere folgende Schwächen der Finanzberichterstattung zu nennen:

  • Mangel an Durchsetzbarkeit und Prüfbarkeit an einer Reihe von Standards aufgrund zu großer Spielräume in den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (reporting company can often choose from various recognition alternatives)
  • Ausweitung der Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert in Fällen, in denen kaum extern beobachtbare oder verifizierbare Maßzahlen in die Berechnung des Zeitwerts einfließen (many of the values determined based on subjective assumptions cannot fulfil the expectations of the capital markets), und
  • Zunehmende Vernachlässigung des Gewinns nach Steuern zugunsten im Eigenkapital erfasster Änderungen (certain changes in net assets increasingly presented in other comprehensive income) in der Vermögenslage eines Unternehmens durch den IASB (the IASB is increasingly placing less emphasis on the indicator "annual result" or "profit" for the financial reporting)

Im zweiten Teil bezieht die DPR konkret Stellung zu einzelnen Themenbereiche die ihres Erachtens nach als besonders mängelbehaftet anzusehen sind. Dabei werden die im allgemeinen Teil beobachteten allgemeinen Entwicklungen aufgegriffen. Dazu gehören:

  • Bewertung von Renditeimmobilen im Fair Value Model (IAS 40)
  • (Umgehung der) Aktivierung von Entwicklungskosten (IAS 38)
  • Kaufpreisallokation, insbesondere Separierung immaterieller Vermögenswerte vom Goodwill (IFRS 3, IAS 38)
  • Abschreibungen auf Goodwill / Goodwill-Impairment (IAS 36)
  • Bargain Purchase, Ermittlung eines negativen Unterschiedsbetrags (IFRS 3)
  • Segmentberichterstattung, insbesondere Abgrenzung von operativen Segmenten und segmentbezogene Angaben (IFRS 8)

 

Praxistipp

Die DPR hat in Ihrer Stellungnahme an das IASB Stellung bezogen und konkrete Themenbereiche genannt, die einer besonderen „Pflege“ bedürfen. Die genannten Themenbereiche sollten daher auch bei der Abschlusserstellung umso mehr - aber nicht ausschließlich - im Rahmen der Abschlusserstellung im Fokus stehen.

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