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Rohstoffrisiken: Unvorhersehbar, aber beherrschbar

Rohstoffrisiken gehören inzwischen zum Alltag von Unternehmen. Experten erwarten, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Für Unternehmen besteht deshalb dringend Handlungsbedarf.

Wie volatil die Rohstoffmärkte sind, zeigt sich sehr gut an der Preisentwicklung für ein Fass Rohöl. Im Krisenjahr 2008 stieg der Preis auf fast 150 US-Dollar. Bald darauf stürzte er um knapp 75 Prozent ab auf 40 US-Dollar. Dann ging es in einer Schaukelbewegung wieder aufwärts. Derzeit liegt der Preis für ein Fass der Sorte Brent wieder über 100 Dollar. Wer wollte diese Preisentwicklung vorhersagen? Ähnliche Schwankungen gibt es bei den Preisen für Aluminium, Blei, Nickel und bei Agrargütern wie Baumwolle, Weizen oder Soja. Für die Finanzindustrie sind diese Preisschwankungen durchaus interessant. Sie spekuliert mit den hohen Volatilitäten und fährt – wenn es gut läuft – enorme Gewinne ein.

Starke Preisschwankungen auch in Zukunft

Die Realwirtschaft sollte sich nicht aufs Spekulieren verlegen. Sie sollte aber Finanzinstrumente nutzen, um die Risiken zu minimieren und um Planungssicherheit für das Unternehmen herzustellen. Denn in einem sind sich fast alle Experten einig: An den Preisschwankungen wird sich mittelfristig nichts ändern.

Eine zunehmende Verknappung der Rohstoffe und die häufig instabile politische Lage in den Ländern, die die größten Rohstoffexporteure sind, sind der ideale Nährboden für ein erratisches Auf und Ab der Rohstoffmärkte. „Der Rohstoffmarkt bleibt volatil, die Risiken steigen“, meint auch Steffen Reisch-Meissner, Rohstoffexperte der KPMG, in einer hauseigenen Analyse. Er weist darauf hin, dass zum Preisrisiko ja noch das Wechselkursrisiko hinzukommt, da der Kauf und die Absicherung von Rohstoffen ja meist in ausländischen Währungen erfolge.

Einsatz von Termingeschäften

Unternehmen können sich einen festen Einkaufspreis per Termingeschäft sichern. Liegt der Einkaufspreis beispielsweise in sechs Monaten über dem vereinbarten Fixpreis, erhält der Kunde die Preisdifferenz von der Bank in bar erstattet. Sind die Preise dagegen unter den Fixpreis gefallen, muss das Unternehmen die Differenz an die Bank zahlen. Dafür profitiert das Unternehmen von den gefallenen Einkaufspreisen.

Swaps – so funktionieren sie

Auch bei Swaps wird ein Festpreis vereinbart und die Differenz am Laufzeitende ausgeglichen. Als Referenzwert gilt allerdings nicht der tatsächliche Preis an einem Stichtag, so wie beim Termingeschäft, sondern der durchschnittliche Preis über die ganze Laufzeit.

Unterschätztes Finanzhedging

Beim Thema Hedging schrecken viele Mittelständler instinktiv zurück. Doch das sollte so nicht sein, meint Einkaufsberater Kiebler von der Inverto AG. Finanzhedging gibt es hauptsächlich für Nichteisenmetalle, Edelmetalle, Strom und Weizen. Dass Unternehmen, die Hedging betreiben, häufig nur 20 Prozent ihres Rohstoffeinkaufs absichern, hält er für einen Fehler. Genauso wie die Tatsache, dass der Absicherungshorizont meist unter einem Jahr liegt. So falle der Gewinn an Planungssicherheit gering aus und die Möglichkeiten des Hedging würden nicht richtig ausgenutzt.

Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, sollten die bestehenden Absicherungsmöglichkeiten nutzen. Das gilt nicht nur für Großunternehmen. Auch für Mittelständler mit einem Einkaufsvolumen von mindestens 200.000 Euro pro Jahr gibt es vielfältige Absicherungsstrategien.

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