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Re-Exposure Draft zu ED Revenue Recognition veröffentlicht

Seit Juni 2010 liegt der ED Revenue from Contracts with Customers vor. Eine Übernahme des Standards war zunächst für Juni 2011 vorgesehen. Aufgrund der zahlreichen Kritiken hat der IASB nun nach inhaltlichen Klarstellungen ein Re-Exposure Draft veröffentlicht.

Der ursprüngliche ED (ED/2010/6) wurde bereits am 24. Juni 2010 als Ergebnis des gemeinsamen Projekts des FASB und IASB mit Vorschlägen zur Bilanzierung von Umsatzerlösen aus Verträgen mit Kunden veröffentlicht. Mit 972 Comment Letter zum Standardentwurf ging allerdings erhebliche Kritik einher.

Auch die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hatte in Abstimmung mit dem IASB zu Feldversuchen für die Erprobung der überarbeiteten Vorschläge des IASB zur Erlöserfassung eingeladen. Hierbei sollten Umsetzungs- und Anwendungsprobleme identifiziert werden.

Zwar ist die wiederholte Vorlage eines Entwurfs zur Überarbeitung im Rahmen des Due Process eigentlich nicht zwingend, zur Vermeidung unbeabsichtigter Folgewirkungen wurde dieser Schritt allerdings dennoch gewählt und am 14. November 2011 der Re-Exposure veröffentlicht. Nach Finalisierung werden die bisherigen Standards IAS 18, IAS 11 sowie zugehörige Interpretationen (z.B. IFRIC 15) ersetzt.

Der Anwendungsbereich hat sich im Vergleich zum ursprünglichen ED nicht geändert. Die Regelungen sind weiterhin branchenunabhängig grundsätzlich von sämtlichen Unternehmen anzuwenden, wenn vertragliche Vereinbarungen mit Kunden die Lieferung von Gütern oder die Erbringung von Dienstleistungen vorsehen. Auch der „5-Stufen Ansatz“ ist als Grundstruktur erhalten geblieben. Jedoch findet sich im bislang erheblich kritisierten Schritt 5 die wesentlichste Neuerung.

Der vorgelegte Re-Exposure Draft sieht für die Beurteilung des Kontrollübergangs nun zwei - bereits aus jetzigem Recht bekannte - Ansätze vor: Kontrolle kann zu einem Zeitpunkt (zeitpunktbezogen) oder über einen kontinuierlichen Fortschritt (zeitraumbezogen) übergehen. In der Abgrenzung welche Art der Leistung vorliegt, werden Leitlinien i.S. von Kriterien vorgegeben. Eine Leistung wird als zeitraumbezogen erfüllt angesehen wenn durch die Leistung des Unternehmens:

  • Ein Vermögenswert geschaffen oder verbessert wird, über den der Kunde Kontrolle hat;
  • Kein oder aber ein Vermögenswert geschaffen wird, für den der Verkäufer keine alternative Verwendung hat und eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
  1. Dem Kunden fließt Nutzen während der Leistungserbringung zu.
  2. Die Leistung müsste bei Übertragung an einen Dritten nicht neu erbracht werden.
  3. Der Leistungserbringer besitzt einen Vergütungsanspruch.

Weitere Neuerungen des Re-Exposure im Überblick:

  • Explizite Regelungen zur Separierung bzw. Zusammenfassung von Teilleistungen bei Mehrkomponentengeschäften;
  • Der Transaktionspreis bei mehreren Leistungsverpflichtungen ist zukünftig anhand der relativen stand-alone-Verkaufspreise zu ermitteln;
  • Vereinfachung der Regeln zur Bestimmung des Transaktionspreises (Berücksichtigung variabler Preisbestandteile);
  • Drohende Verluste sind nur bezogen auf einzelne Leistungsverpflichtungen eines Vertrags, nicht auf das gesamte Vertragswerk zu bestimmen;
  • Regelungen zur Aktivierung von Kosten, die mit der Erlangung von Verträgen im Zusammenhang stehen bzw. wann Vertragsanbahnungskosten als Aufwand zu erfassen sind;
  • Wertminderungen (inkl. Ausfallsrisiken auf Kundenforderungen) sind gesondert direkt unterhalb der Umsatzerlöse zu zeigen;
  • Ausweitung der Anhangangaben zu u.a. Unsicherheiten bei Umsatzerlösen und umsatzbedingten Einzahlungen sowie Spezifizierung der Anhangangaben für die Zwischenberichterstattung.

Stellungnahmen können bis zum 13. März 2012 beim IASB eingereicht werden.

www.ifrs.org/Revenue+Recognition

www.efrag.org/EFRAG-invites-companies-to-participate

Praxistipp

Nach dem neuen Re-Exposure Draft werden Auftragnehmer von langfristigen Fertigungsaufträgen die neuen Leitlinien genauestens untersuchen müssen, inwiefern diese eine Abkehr von den bisherigen Bilanzierungsmaßnahmen bedeuten oder nicht. Nach den weiteren Verbesserungen/Klarstellungen des Re-Exposure Draft ist der intendierte finale Standard nun bereits klar abzusehen. Daher ist anzuraten, sich mit den möglichen Auswirkungen frühzeitig auseinandersetzen und evtl. einen Experten hinzuzuziehen.

 

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