19.02.2014 | IFRS 14

Neuer Interims-Standard zu Preisregulierungen

Wo der Staat Preise regelt, werden auch die Standardsetter aktiv.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der IASB hat den finalen (Interims-)Standard IFRS 14 Regulatorische Abgrenzungsposten im Zusammenhang mit dem noch laufenden Projekt zu „Preisregulierungen“ im regulatorischen Umfeld veröffentlicht.

Dem finalen Standard vorausgegangen war der im September 2013 veröffentlichte Änderungsentwurf ED/2013/5, der Teil des IASB-Projekts zur Bilanzierung bei Unternehmen, die in einem preisregulierten Umfeld tätig sind (sog. „Rate-regulated Activities“), war.
Hintergrund des ED bzw. des nun finalen Standards sind spezifische Vorgaben nach lokalem Recht (also nicht IFRS) bzw. Leitlinien zum Ansatz von Vermögenswerten und Schulden für solchen Regelungen unterliegenden Unternehmen. Da die IFRS keine Vorgaben enthalten wie einzelne Bilanzpositionen infolge einer Preisregulierung abzubilden sind, wurde eine Lösung für die Bilanzierung bei Erstanwendern gesucht, die bislang regulatorische Vermögenswerte/Schulden erfasst haben.
Der IASB hat wegen der Notwendigkeit eines „quick fix“ das Gesamtprojekt „Bilanzierung bei regulatorischen Vorgaben“ in zwei Teilphasen getrennt, wobei der nun veröffentlichte IFRS 14 eine reine Übergangslösung für IFRS-Erstanwender (IFRS 1) darstellt. Der IASB hat auch erklärt, dass durch IFRS 14 keine Ergebnisse des Gesamtprojekts, das sich noch in der Anfangsphase befindet, vorausgenommen werden.

Nur für IFRS-Erstanwender relevant

Die vorgeschlagenen Regelungen haben nur Relevanz für IFRS-Erstanwender, d.h. diese können nur gleichzeitig mit IFRS 1 angewendet werden. Bestehende IFRS Bilanzierer, die ggf. auch in einem preisregulierten Umfeld tätig sind, können daher nicht die vorgeschlagenen Regelungen anwenden. Weitere Voraussetzung ist das Vorhandensein einer „Preisregulierung“ eines Unternehmens durch eine verantwortliche Behörde. Eine Behörde muss einen Preis begrenzen, den das Unternehmen seinen Kunden für Waren oder Dienstleistungen berechnet.
Die wesentlichen Regelungen des IFRS 14 sind:
• Auswirkungen der Preisregulierung werden in den (neuen) Bilanzpositionen „regulatory deferral account debit balances“ (aktivischer regulatorischer Abgrenzungsposten) sowie „regulatory deferral account credit balances“ (passivischer regulatorischer Abgrenzungsposten) gezeigt.
• Diese regulatorischen Abgrenzungsposten werden separat in der Bilanz sowie in der Gesamtergebnisrechnung mittels einer Zwischensumme sowohl auf der Aktivseite (z.B. „Gesamtvermögen vor regulatorischer Abgrenzung“) als auch auf der Passivseite ausgewiesen. Der Standard enthält hier Anwendungsbeispiele.
• In der Umsetzung wäre die Bilanz auf das „Gesamtvermögen nach regulatorischer Abgrenzung“ überzuleiten. Für die Gesamtergebnisrechnung würde eine analoge Darstellung gelten. Somit sind alle Vermögenswerte und Schulden erst nach den für sie einschlägigen IFRS zu bilanzieren, bevor eine Anwendung von IFRS 14 erfolgt.
• Für den Anhang werden Angaben gefordert, die das Preisregulierungssystem erläutern sollen sowie die damit verbundenen Risiken. Außerdem soll die Erfassung und Bewertung des betreffenden regulatorischen Abgrenzungspostens offengelegt werden.
IFRS 14 ist erstmalig anwendbar für Geschäftsjahre, die nach dem 1. Januar 2016 beginnen. Die Anwendung von IFRS 14 ist freiwillig. Entscheidet sich ein Unternehmen für die Anwendung müssen die Regelungen auch in allen Folgeperioden angewendet werden. Auf europäischer Ebene ist wiederum eine Übernahme in EU-Recht abzuwarten.

Praxistipp

IFRS 14 enthält Übergangsleitlinien, die eine Hilfe beim Übergang auf die IFRS für einen speziellen Anwenderkreis darstellen. Inwiefern die spezifischen Anhangsangaben die unterschiedlichen lokalen Vorgaben zu preisregulierten Geschäften auf ein vergleichbares Level heben können, wird wiederum die Anwendung in der Praxis zeigen

Schlagworte zum Thema:  IFRS, IASB, Aktive Abgrenzungsposten

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