Nachhaltigkeit: Ergebnisse und Trends beim CSR-Reporting

In einem aktuellen Ranking deutscher Nachhaltigkeitsberichte wurden unter den Großunternehmen Rewe, BMW und Telekom ausgezeichnet, bei den besten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) handelt es sich um Vaude, Lebensbaum und Memo. Gleichzeitig wurde auf bestehende Defizite der Berichterstattung hingewiesen.

Zahl der Nachhaltigkeitsberichte nimmt stetig zu

Die Verfasser des Nachhaltigkeitsrankings 2018 (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und future e.V. – verantwortung unternehmen) haben festgestellt, dass die Zahl der Nachhaltigkeitsberichte zunimmt. So haben von den 100 größten deutschen Unternehmen 69 einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht oder einen integrierten Geschäftsbericht veröffentlicht. Die 31 Großunternehmen ohne Nachhaltigkeitsbericht können größtenteils auf Berichterstattungen ihrer Mutterkonzerne oder auf andere Berichtsformate, wie z. B. nichtfinanzielle Erklärungen oder Umweltberichte, verweisen. Nur 8 Großunternehmen wurden als Nichtberichterstatter gewertet, da sie nur geringfügige Nachhaltigkeitsinformationen auf ihren Websites veröffentlichen.

Inhaltliche Bewertung der Berichterstattung fällt unterschiedlich aus

Inhaltlich konnte eine Verbesserung der durchschnittlichen Bewertung der Nachhaltigkeitsberichte der KMU gegenüber dem letzten Ranking festgestellt werden, wobei es die größten Fortschritte bei der Berichterstattung zur Lieferkettenverantwortung gab. Bei den Großunternehmen ist die Berichtsqualität gegenüber der letzten Auswertung 2015 minimal gesunken. Insbesondere bei den Anforderungen zur Mitarbeiterverantwortung sowie zum gesellschaftlichen Umfeld haben sich die Bewertungen gegenüber 2015 verschlechtert, wohingegen leichte Verbesserungen bei den Kriterien im Bereich Lieferkette erkennbar waren.

Die Berichtspflicht für bestimmte Großunternehmen mit der Umsetzung der CSR-Richtlinie scheint nach Auffassung der Verfasser der Studie zu wirken, konnte doch eine überdurchschnittliche Bewertung von den Großunternehmen festgestellt werden, die unter die CSR-Berichtspflicht fallen. Diese überzeugen vor allem mit ihrer Berichterstattung zu Managementsystemen und Compliance sowie mit ihrem Fokus auf wesentliche Themen, die gesetzlich zumindest durch die Berichterstattungspflicht über vorhandene Konzepte angeregt wird.

Berichterstattung wird zunehmend standardisierter und vermehrt geprüft

Schließlich wird eine Zunahme der Standardisierung der Berichterstattung konstatiert: Mit wenigen Ausnahmen richten die Großunternehmen ihre Berichterstattung an den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) aus und auch bei den KMU ist der Anteil der GRI-Berichterstatter auf 80 % angestiegen. Zunehmend werden die Berichte auch externen Prüfungen unterzogen. Diese Erkenntnis überrascht insofern, als die (nicht bindenden) Leitlinien der EU für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen aktuell unter besonderer Bezugnahme auf klimabezogene Informationen ergänzt werden sollen, wobei Empfehlungen der vom Finanzstabilitätsrat gegründeten Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) eingearbeitet werden.

Vergleichbarkeit und Abrufbarkeit der Berichte ausbaufähig

Auch andere Institutionen zweifeln an der Vergleichbarkeit der in den Nachhaltigkeitsberichten enthaltenen Angaben. So regt etwa die Non-profit-Organisation XBRL International Inc. die EU an, sich für eine höhere Vergleichbarkeit und digitale Auffindbarkeit der nichtfinanziellen Informationen einzusetzen. So könnten etwa klimabezogene Angaben nur wirklich effektiv sein, wenn sie nicht nur vergleichbar, sondern auch digital auffindbar und zugänglich sind. Um dies besser zu erreichen, wird insbesondere die Erweiterung des ESEF (European Single Electronic Format )-Rahmens für bestimmte nichtfinanzielle Angaben um eine XBRL-basierte Taxonomie empfohlen. Dies wäre wichtig, um sicherzustellen, dass die Berichterstattung in diesem wichtigen, aber derzeit verwirrenden Bereich vereinheitlicht wird. Eine Standardisierung ermöglichte den Adressaten durch besser nutzbare Daten und durch die Vergleichbarkeit echte Transparenz.

Nichtfinanzielle Berichterstattung bleibt eine Herausforderung

Auch die Herausgeber des Nachhaltigkeitsrankings sehen noch dringenden Verbesserungsbedarf, da den Erwartungen gesellschaftlicher Stakeholder an eine transparente Offenlegung kontroverser Themen und negativer Auswirkungen sowie eine Reflektion von Zielkonflikten und Misserfolgen in den meisten Berichten nur unzureichend entsprochen werde. Die zukünftige Berichterstattung stehe laut dem Bericht (S. 33) vor der Herausforderung, „den Anforderungen der Berichtspflicht und der GRI-Standards zu genügen und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit weiter zu stärken. Dabei geht es darum, die unterschiedlichen Ansprüche an Themen, Formate und textliche Gestaltung zu einem stimmigen Gesamtkonzept der Nachhaltigkeitskommunikation zusammenfügen – sei es durch eine weitgehende Integration aller Anforderungen innerhalb eines Berichts oder durch ein Plattformkonzept, das verschiedene Kommunikationsformate wie GRI-Bilanzen, Nachhaltigkeitsmagazine oder nichtfinanzielle Erklärungen verknüpft.“

Corporate Social Responsibility (CSR)-Berichterstattung: Was ist darunter zu verstehen?

Unternehmen sehen sich aus verschiedenen Gründen kontinuierlich steigenden Anforderungen hinsichtlich des Umfangs und der Qualität der Berichterstattung gegenüber. In den letzten Jahren hat dabei insbesondere die Berichterstattung über die Corporate Social Responsibility (CSR) einen regelrechten Boom erfahren. Inhaltlich geht es um die Berichterstattung über Aspekte der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, die über die rein ökonomische Sichtweise hinaus auch soziale und ökologische Wirkungen in den Blick nimmt. Häufig wird zusammenfassend auch von Nachhaltigkeit gesprochen.

Erstellung eines CSR-Reportings freiwillig möglich und teilweise gesetzlich vorgeschrieben

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird in Deutschland neben der stets bestehenden Möglichkeit der völlig freiwilligen Erstellung höchst unterschiedlich von Gesetzen gefordert. So wird zunehmend über die gesetzlichen Änderungen der Lageberichterstattung nach § 289 HGB die Berichterstattung über CSR auch in den für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften verpflichtenden Lageberichten verlangt. DRS 20 konkretisiert die gesetzlichen Pflichten hierbei eindeutig an verschiedenen Stellen mit Verweis auf Informationspflichten für soziale und ökologische Aspekte. Dies wird noch einmal verstärkt durch § 289 Abs. 3 HGB, nach dem große Kapitalgesellschaften explizit nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, wie Informationen über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, in der Lageberichterstattung zu benennen haben (gilt auch für den Konzernlagebericht nach § 315 HGB). Schließlich haben seit dem Geschäftsjahr 2017 kapitalmarktorientierte Unternehmen, die im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen und groß i. S. v. § 267 Abs. 3 Satz 1 HGB sind, nach § 289b HGB eine nichtfinanzielle Erklärung/einen nichtfinanziellen Bericht abzugeben (für den Konzern § 315b HGB).

Über das Gesetz hinaus gewinnen integrierte Berichte auch weiter an Bedeutung, die eine Verbindung der gesetzlichen Vorgaben mit dem Ziel einer überwiegend freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung herstellen wollen.

Die ausführlichen Ergebnisse und Trends im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2018 sind online verfügbar.

Schlagworte zum Thema:  CSR, Reporting, Nachhaltigkeitsmanagement