| Jahresabschluss & Bilanzierung

Mittelstand unterschätzt Risiken stark schwankender Rohstoffpreise

Die Rohstoffpreise sind seit Monaten auf Achterbahnfahrt. Die Preisausschläge sind enorm. Dennoch sichern sich viele Unternehmen nicht gegen die Risiken auf der Beschaffungsseite ab. Das kann richtig teuer werden.

Die Kurse an den Börsen schlagen Kapriolen. Das gilt nicht nur für Aktien, Anleihen und Währungen. Auch die Rohstoffpreise schwanken massiv. Die Volatilität ist extrem hoch. Das lässt sich schon am Rohstoffindex CRB ablesen, der einen Korb von vielen unterschiedlichen Rohstoffen vereint. Am 29. April 2011 stand er bei 370 Punkten, am 5. Oktober diesen Jahres lag er mit 293 Punkten um 21 Prozent niedriger. Noch extremer sind die Ausschläge bei einzelnen Rohstoffen wie Aluminium, Baumwolle oder Öl.

Absicherung von Rohstoffpreisen wird vernachlässigt

Die starken Preisschwankungen sind für Unternehmen äußerst gefährlich. Gerade bei einer geringen Fertigungstiefe schlagen erhöhte Preise für Grundstoffe extrem durch. Umso erstaunlicher, dass  viele deutsche Mittelständler die Absicherung von Rohstoffpreisen vernachlässigen. Nicht einmal jedes fünfte Unternehmen sichert professionell Rohstoffrisiken ab oder verfügt im Unternehmen über die nötige Expertise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der auf Einkaufsfragen spezialisierten Unternehmensberatung Inverto.

„Wären Rohstoffrisiken besser gesichert, könnten die Unternehmen einen Teil ihrer bilanziellen Schwankungen glätten. Sie wären schlichtweg unabhängiger vom Markt“, meint Klaus Gentner, Rohstoffexperte bei der Deutschen Bank. Was für viele Experten unerklärlich ist: Zins- und Währungsrisiken sichern die meisten Unternehmen in der Regel langfristig ab. Bei Rohstoffe dagegen, deren Preisschwankungen noch höher ausfallen, handeln viele dagegen nach dem Motto „Augen zu und durch“.

Langfristige Preisbindungen immer weniger durchsetzbar

Die Maßnahmen, die Unternehmen treffen, sind häufig wenig fantasievoll und nur bedingt tauglich. Immer noch versuchen die meisten, steigende Rohstoffpreise durch langfristige Preisfixierungen mit ihren Lieferanten abzufedern. Doch immer häufiger klappt das nicht, zeigt die Inverto-Studie. 60 Prozent der Befragten mussten zugeben, dass sich die akzeptierte Preisspanne für Festpreise verkürzt hat. „Bei Laufzeiten für Festpreise sind inzwischen drei Monate üblich“, sagt Inverto-Rohstoffexperte Jens Kiebler dem Fachmagazin „stahlmarkt“. „Wir haben es also fast mit einem Spotgeschäft zu tun.“

Steigende Einkaufpreise mit fatalen Folgen

Dass steigende Rohstoffpreise den Unternehmenserfolg wirklich gefährden können, musste auch der Mineral- und Fruchtsafthersteller Adelholzener bitter erfahren, ein Unternehmen, bei dem die wenigsten vermuten würden, dass es durch steigende Rohstoffpreise in die Bredouille gebracht werden könnte. Doch auch ein Wasser- und Safthersteller benötigt Strom, Zucker, Fruchtsaftkonzentrate oder Heizöl. Der Brunnenbetrieb ist ein grundsolider Unternehmen. Dennoch wurden 2007 erstmals in der Unternehmensgeschichte Verluste geschrieben. Eine schlechte Apfelernte und steigende Rohstoffpreise trieben die Einkaufspreise hoch. Die Preissteigerungen konnte das Unternehmen nicht weitergeben. Seit diesem einschneidenden Erlebnis sichert sich das Unternehmen konsequent gegen steigende Rohstoffpreise ab.

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