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Knigge im Beruf: Öffentliche Lästerattacken gegen den Ex-Chef sind tabu

Philipp Lahm machte vor, was Mitarbeiter in Unternehmen am besten unterlassen sollten: schlecht über den Ex-Chef reden. Grund: Das sei nicht nur eine Frage des Anstands, sondern vor allem auch der Vernunft. Letztendlich schade man sich dadurch nur selbst, betont Knigge-Expertin Carolin Lüdemann.

Zu erzählen gäbe es jedoch mehr als genug, glaubt man einer aktuellen Studie des Geva-Instituts. Demnach halten 88 Prozent der Mitarbeiter ihren (Ex-)Chef für schwierig. Jeder fünfte Befragte gibt sogar an, seinen Chef zu hassen. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich der durchschnittliche Mitarbeiter jede Woche vier Stunden Zeit dafür nimmt, gründlich über den Chef zu lästern. Unangenehme Folgen bleiben dabei nicht aus: Wo Philipp Lahm mit Entschuldigungen und Bußgeld Wiedergutmachung zu leisten versucht, können Angestellte im schlimmsten Fall ihren Job verlieren.

 

Lästereien fallen früher oder später immer auf einen zurück

Dabei macht es einen großen Unterschied, wo genau unzufriedene Mitarbeiter ihren Frust hinausposaunen. Besonders brisant ist, dies im Internet zu tun. Nicht selten teilen gelangweilte Mitarbeiter in Blogs oder in sozialen Netzwerken sorglos ihren Jobfrust mit der halben Welt. Fatal daran: Sie vergessen dabei nicht nur das Risiko, „von oben“ entdeckt zu werden, sondern schaden in letzter Konsequenz auch sich selbst: "Wer schlecht über seine Firma und seinen Chef spricht, redet dadurch auch schlecht über sich selbst", sagt Carolin Lüdemann, Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. "Langfristig betrachtet gefährdet man den Erfolg des Unternehmens, wenn man an einem miesen Image des Arbeitgebers feilt. Dabei sägt man ganz nebenbei auch am eigenen Stuhl – und am eigenen Arbeitsplatz."

 

Rufmord am Ex-Chef: Im Vorstellungsgespräch ein absolutes Tabu

Den Königsfehler begehen jedoch Bewerber, die sich in Vorstellungsgesprächen schlecht über ihren ehemaligen Brötchengeber äußern: "Wer über seinen früheren Chef herzieht, macht sich bei potenziellen Arbeitgeber äußerst unbeliebt und schmälert dadurch seine Jobchancen", so die Knigge-Expertin.

 

Ernst gemeinte Kritik ist aber durchaus erlaubt

Von Lästerattacken zu unterscheiden, ist ernst gemeinte Kritik am Vorgesetzten. Diese sollte jedoch stets nur unter vier Augen geäußert werden. Nicht nur, dass man mit dem öffentlichen Austeilen von Kritik wenig Aussicht auf Erfolg hat. "Letztlich ist ein solches Gespräch eine Frage des Anstands", sagt Lüdemann. Genau das ist dann wohl der "feine Unterschied" – der auch rund um den Fußballplatz gelten sollte.

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