11.01.2012 | Jahresabschluss & Bilanzierung

Kapitalmarkt für Mittelständler: Motive und Erfolgskriterien

Eine diversifizierte Kapitalgeberbasis gehört zu den wichtigsten Motiven für Mittelständler, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren. Die Qualität des Angebots und eine professionelle Vermarktung sind die zentralen Kriterien einer erfolgreichen Emission.

Mittelständler erfolgreich bei Emissionen am Kapitalmarkt

Insgesamt zeigen sich die Mittelständler sehr zufrieden mit ihren Emissionen am Kapitalmarkt. 100 % der Befragten würde sich wieder für den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle entscheiden. Bei über der Hälfte der Unternehmen verlief die Emission nach Plan. Andere haben Abweichungen hinnehmen müssen. Diese sind gerade in jungen, schwer einzuschätzenden Märkten nicht ungewöhnlich und können durchaus positive Überraschungen mit sich bringen. Einige Mittelständler konnten ihr Emissionsvolumen in kurzer Zeit an den Mann bringen und hätten durchaus mehr Kapital aufnehmen können (s. Abb. 1).

 

 

Abb. 1: Planabweichungen bei der Emission von Anleihen. Quelle: Deloitte & Touche , FH Münster und Börse Düsseldorf, „Mittelstandsfinanzierung über den Kapitalmarkt!? – Eine Umfrage bei erfolgreichen Emittenten und bei Mittelständlern“, 2011, S. 6. (vergrößern)

Diversifizierung der Finanzierungsbasis ist wichtigstes Emissionsmotiv für Mittelständler

Der Nutzen der kapitalmarktbasierten Finanzierung steht für deutsche Mittelständler eindeutig im Vordergrund im Vergleich zu den möglichen Risiken. Die drei wichtigsten Emissionsmotive mit mehr als zwei Drittel Zustimmung sind:

  1. Verbreiterung der Finanzierungsbasis und somit Reduzierung der Abhängigkeit von Banken
  2. Limitierter Zugang zu Bankfinanzierung
  3. Größere Flexibilität bei der Kapitalverwendung

Weitere vier Gründe waren immerhin für mindestens 25 % der befragten Mittelständler relevant. Einige schätzen die geringeren Kreditsicherungsklauseln bei der Emission von Anleihen, andere die Reduzierung der Stellung dinglicher Sicherheiten. Ferner erfordert eine Anleihen-Emission im Vergleich zum klassischen Bankenkredit nach Meinung der Befragten oft weniger Aufwand für Dokumentation und Reporting. Schließlich erhöht die Platzierung einer Anleihe auch den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens bei potenziellen Investoren.

Als kostengünstige Alternative zu Bankkrediten werden Anleihen hingegen nicht gesehen. Denn die Emission ist mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. Die Mehrheit der Emittenten gibt Gesamtkosten von über 4 % des emittierten Volumens an. Dies schien die Mittelständler aber nicht grundsätzlich zu überraschen, da sich alle im Vorfeld auf unterschiedlichste Weise mit dem Prozedere auseinander gesetzt hatten. Einige verfügen über eigene Erfahrungen bei der Kapitalbeschaffung, andere konnten auf ein Beraternetzwerk zurückgreifen. Rund 80 % der Unternehmen haben die Emission in sechs Monaten abgeschlossen, einige waren sogar schneller.

Erfolgreiche Emission = Angebot + Vermarktung

Eine Mischung aus qualitativ hochwertigem Angebot und guter Marketing-Strategie gehören zu den Erfolgskriterien einer Anleihenplatzierung. Die Qualität der Emission wird vor allem über eine überzeugende Investitionsstrategie, den Bekanntheitsgrad der Marke und die Zukunftsträchtigkeit der Branche bestimmt. Das Rating oder vertragliche Absprachen stehen weniger im Vordergrund. Zielgruppengerechtes Marketing bei Investoren und ein professioneller Ablauf der Emission sind wichtig für die Vermarktung. Der Bekanntheitsgrad des Börsenplatzes scheint hingegen kaum relevant zu sein (s. Abb. 2).

 

Abb. 2: „Sehr wichtige“ Kriterien für eine erfolgreiche Anleihen-Emission aus Sicht der Emittenten. Quelle: Deloitte & Touche , FH Münster, Börse Düsseldorf, „Mittelstandsfinanzierung über den Kapitalmarkt!? – Eine Umfrage bei erfolgreichen Emittenten und bei Mittelständlern“, 2011, S. 8. (vergrößern)

Grundlagen

Die Studie „Mittelstandsfinanzierung über den Kapitalmarkt!? – Eine Umfrage bei erfolgreichen Emittenten und bei Mittelständlern“ wurde im Dezember 2011 publiziert. Zu den Mitwirkenden zählen die Service Line „Reorganisation Services“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche, die Fachhochschule Münster und die Börse Düsseldorf. Über 170 mittelständische Unternehmen gaben Auskunft über ihre Finanzierungssituation und Einstellung zum Kapitalmarkt. 16 Mittelständler berichteten über ihre bereits erfolgten Anleihen-Emissionen.

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