09.12.2014 | Top-Thema Jahreswechsel: Wichtige Informationen für das Rechnungswesen

Lohnbuchhaltung

Kapitel
Bild: Michael Bamberger

Alles Wichtige zur Entgeltabrechnung auf einen Blick.

Änderungen ab 2015 für Betriebsveranstaltungen in Sicht

Leistungen eines Arbeitgebers aus Anlass einer Betriebsveranstaltung (R 19.5 Abs. 2 LStR) sind bei Überschreiten einer Freigrenze (110 EUR) als Arbeitslohn zu werten. In die Ermittlung, ob die Freigrenze überschritten ist, können vom Arbeitgeber gezahlten Gesamtkosten der Veranstaltung einbezogen und zu gleichen Teilen auf die Gäste aufgeteilt werden, sofern diese Kosten Lohncharakter haben und nicht individualisierbar sind. Aufzuteilen ist der Gesamtbetrag auch auf Familienangehörige der Arbeitnehmer, sofern diese an der Veranstaltung teilgenommen haben. Der auf die Familienangehörigen entfallende Aufwand ist den Arbeitnehmern bei der Berechnung, ob die Freigrenze überschritten ist, grundsätzlich nicht zuzurechnen (BFH, Urteil v. 16.5.2013, VI R 7/11).

Praxis-Tipp: Nach § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 % erheben, wenn er Arbeitslohn aus Anlass von Betriebsveranstaltungen zahlt.

Hinweis: Der Gesetzgeber plant für 2015 eine Anhebung der Freigrenze auf 150 EUR inkl. USt. Im Gegenzug sollen aber für die Prüfung der 150-EUR-Freigrenze künftig sämtliche Kosten berücksichtigt werden inkl. der anteiligen Kosten einer Begleitperson des Arbeitnehmers.

> Zum Beitrag "Die geplante Erhöhung des Grenzwerts von 110 EUR auf 150 EUR bringt nicht nur Vorteile"

Mindestlohn ab 1.1.2015 – Folgen beim Mini-Job

Durch den Mindestlohn steigt der Verdienst des Minijobbers bei gleichbleibender Arbeitszeit, sodass in vielen Fällen die 450-EUR-Grenze überschritten wird. Dann muss zur Vermeidung der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung die Anzahl der Stunden reduziert werden, was aber arbeitsrechtlich nur einvernehmlich mit dem Arbeitnehmer möglich ist. Alternativ kommt der Midijob in Betracht.

Hinweis: Arbeitgeber müssen aufgrund des § 17 Abs. 1 MiLoG für Minijobber detaillierte Stundenaufzeichnungen (mindestens wöchentlich) führen (siehe auch www.minijob-zentrale.de).

> Zum Beitrag "Mindestlohn: Sind Praktikanten noch bezahlbar"

> Zum Beitrag "Jahreswechsel-Zeitgrenze ab 2015 für kurzfristig Beschäftigte"

Lohnsteuerbescheinigungen 2014 und 2015

Arbeitgeber müssen grundsätzlich der Finanzverwaltung bis zum 28. Februar des Folgejahres eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung übermitteln (§ 41 b Abs. 1 Satz 2 EStG). Die Datenübermittlung muss nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz nach Maßgabe der Steuerdaten-Übermittlungsverordnung authentifiziert erfolgen.

Dem Arbeitnehmer ist ein nach amtlich vorgeschriebenem Muster gefertigter Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung mit Angabe der Identifikationsnummer (IdNr.) auszuhändigen oder elektronisch bereitzustellen (§ 41 b Abs. 1 Satz 3 EStG; BMF, Schreiben v. 15.9.2014, IV C 5 – S 2378/14/10001).

> Mehr zum Thema Lohnsteuerbescheinigungen 2015

Sachbezugswerte Mahlzeiten und Unterkunft

Der Wert für verbilligte oder unentgeltliche Mahlzeiten für ein Mittag- oder Abendessen beträgt wie bisher 3,00 EUR. Für ein Frühstück gilt der Wert von 1,63 EUR.

Obiges gilt gem. § 8 Abs. 2 Satz 8 EStG auch für Mahlzeiten, die dem Arbeitnehmer während einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit oder im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung von einem Dritten zur Verfügung gestellt werden, wenn der Preis der Mahlzeit 60 EUR nicht übersteigt.

Praxis-Tipp: „Belohnungsessen“ (R 8.1 Abs. 8 Nr. 3 LStR 2015), d. h Mahlzeiten mit einem Preis von über 60 EUR sind mit dem tatsächlichen Preis als Arbeitslohn (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) anzusetzen.

Der Sachbezugswert für freie Unterkunft wurde ab 2015 bundeseinheitlich auf 223 EUR erhöht.

> Mehr zum Thema "Sachbezugswerte"

Pauschbeträge für Auslandsreisen in 2014 und 2015

Bei Reisen vom Inland in das Ausland bestimmt sich der Pauschbetrag nach dem Ort, den der Steuerpflichtige vor 24 Uhr Ortszeit erreicht hat. Für eintägige Reisen in das Ausland und für Rückreisetage aus dem Ausland in das Inland ist der Pauschbetrag des letzten Tätigkeitsortes im Ausland maßgebend.

Die Pauschbeträge für Übernachtungskosten sind ausschließlich in den Fällen der Arbeitgebererstattung anwendbar (R 9.7 Abs. 3 LStR 2015). Für den Werbungskostenabzug sind nur die tatsächlichen Übernachtungskosten maßgebend (R 9.7 Abs. 2 LStR 2015); dies gilt entsprechend für den Betriebsausgabenabzug (R 4.12 Abs. 2 und 3 EStR 2012).

Hinweis: Das BMF- Schreiben v. 11.11.2013, IV C 5 – S 2353/08/10006:004, betr. Reisekostenvergütungen bei betrieblich und beruflich veranlassten Auslandsreisen wird wohl auch ab 1.1.2015 weiter gelten.

Umzugsbedingte Unterrichtskosten und sonstige Auslagen

Der Höchstbetrag, der für die Anerkennung umzugsbedingter Unterrichtskosten für ein Kind nach § 9 Abs. 2 BUKG maßgebend ist, beträgt bis 28.2.2014 1.752 EUR (ab 1.3.2014: 1.802 EUR; ab 1.3.2015: 1.841 EUR).

Der Pauschbetrag für sonstige Umzugsauslagen nach § 10 Abs. 1 BUKG beträgt für Verheiratete/Lebenspartner bis 28.2.2014 1.390 EUR (ab 1.3.2014: 1.429 EUR; ab 1.3.2015: 1.460 EUR). Für Ledige gilt bis 20.2.2014 der Betrag von 695 EUR (ab 1.3.2014: 715 EUR; ab 1.3.2015: 730 EUR). Der Pauschbetrag erhöht sich für jede in § 6 Abs. 3 Sätze 2 und 3 BUKG bezeichnete weitere Person mit Ausnahme des Ehegatten bis zum 28.2.2014 um 306 EUR (ab 1.3.2014: 315 EUR; ab 1.3.2015: 322 EUR; BMF, Schreiben v. 6.10.2014, IV C 5 - S 2353/08/10007).

Höhe der Entfernungspauschale

Die Entfernungspauschale ist grundsätzlich unabhängig vom Verkehrsmittel zu gewähren. Es kommt grundsätzlich nicht auf die Höhe der tatsächlichen Aufwendungen an. Unfallkosten können als außergewöhnliche Aufwendungen (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG) jedoch neben der Entfernungspauschale berücksichtigt werden.

Bei sog. „Park & Ride-Fällen“ ist die Höhe der pauschalierbaren Sachbezüge und Zuschüsse des Arbeitgebers auf die Höhe der als Werbungskosten abziehbaren Entfernungspauschale beschränkt. Eine Pauschalierung i. H. der tatsächlichen Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kommt erst dann in Betracht, wenn diese die insgesamt im Kalenderjahr anzusetzende Entfernungspauschale, ggf. begrenzt auf den Höchstbetrag von 4.500 EUR übersteigen (BMF, Schreiben v.31.10.2013, IV C 5 - S 2351/09/10002:002).

Praxis-Tipp: Laut BFH, Urteil v. 12.12.2013, VI R 49/13, kann für die Bestimmung der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG keine andere als die kürzeste Straßenverbindung zugrunde gelegt werden kann, auch wenn der Steuerpflichtige Mautkosten für die kürzeste Straßenverbindung bezahlen muss.

Reisekosten 2014 und 2015

Änderungen und Vereinfachungen beim steuerlichen Reisekostenrecht gelten ausnahmslos ab 2014. Der Arbeitgeber kann Reisekosten aus Anlass einer Auswärtstätigkeit nach § 3 Nr. 16 EStG steuerfrei erstatten, soweit der Arbeitnehmer diese auch als Werbungskosten abziehen kann. Zentraler Punkt der Neuregelungen ist die gesetzliche Definition der ersten Tätigkeitsstätte. Der Arbeitnehmer kann je Dienstverhältnis höchstens eine erste Tätigkeitsstätte, ggf. aber auch keine erste, sondern nur auswärtige Tätigkeitsstätten haben (§ 9 Abs. 4 Satz 5 EStG).

Die Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte erfolgt vorrangig anhand der dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen durch den Arbeitgeber. Sind solche nicht vorhanden oder sind die getroffenen Festlegungen nicht eindeutig, werden hilfsweise quantitative Kriterien herangezogen (BMF, Schreiben v. 24.10.2014, IV C 5 – S 2353/14/10002, zur Reform des steuerlichen Reisekostenrechts ab 1.1.2014).

Hinweis: Zur Verfassungsmäßigkeit der Dreimonatsfrist bei einer längerfristigen vorübergehenden Auswärtstätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte für einen Unternehmensberater ist ein Verfahren vor den BVerfG anhängig, Az. 2 BvR 2251/13 (BFH, Urteil v.28.2.2013, III R 94/10).

> Mehr zum Thema "Ergänztes Einführungsschreiben zur Reisekostenreform 2014"

Die neue Lohnsteuer-Nachschau

Die Lohnsteuer-Nachschau (§ 42g EStG) ist ein besonderes Verfahren zur zeitnahen Aufklärung möglicher steuererheblicher Sachverhalte. Steuererheblich sind Sachverhalte, die eine Lohnsteuerpflicht begründen oder zu einer Änderung der Höhe der Lohnsteuer oder der Zuschlagsteuern führen können.

Hinweis: Das BMF-Schreiben v. 16.10.2014, IV C 5 - S 2386/09/10002:00, regelt u. a. die Durchführung der Lohnsteuer-Nachschau und die Mitwirkungspflicht des Arbeitgebers.

Aufmerksamkeiten an Arbeitnehmer und Kunden

§ 37 b EStG ermöglicht es dem Unternehmer die Einkommensteuer auf Sachzuwendungen aus betrieblicher Veranlassung an Arbeitnehmer und Nichtarbeitnehmer pauschal mit 30 % (zzgl. Annexsteuern) zu erheben.

Im Rahmen des § 37b EStG gilt die für Arbeitnehmer für Aufmerksamkeiten unter 40 EUR (ab 2015: 60 EUR) geltende Begünstigung (R 19.6 LStR 2015) auch für Zuwendungen des Steuerpflichtigen an Dritte. Mit einer Rundverfügung vom 13.3.2014 hat die OFD Frankfurt, S 2297b A-1St 222, über Zweifelsfragen zur Pauschalierung der Einkommensteuer gem. § 37b EStG somit eine Erleichterung für die Praxis geschaffen.

Hinweis. Der BFH hat entschieden, dass § 37b Abs. 2 EStG die betrieblich veranlassten, nicht in Geld bestehenden Zuwendungen an Arbeitnehmer erfasst , soweit die Zuwendungen grundsätzlich einkommensteuerbar und einkommensteuerpflichtig sind und zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. § 37b Abs. 1 i. V. m. § 37b Abs. 2 EStG erweitert nicht den einkommensteuerrechtlichen Lohnbegriff, sondern stellt lediglich eine besondere pauschalierende Erhebungsform der Einkommensteuer zur Wahl (BFH, Urteil v. 16.10.2013, VI 78/12).

Entschieden ist, dass § 37b EStG auf Sachzuwendungen, die vom geschäftsführenden Mehrheitsgesellschafter den Mitarbeitern der von ihm beherrschten AG gewährt werden, keine Anwendung findet (BFH, Urteil v. 12.12.2013, VI R 47/12).

Zukunftssicherungsleistungen und 44-EUR-Freigrenze

Zum Arbeitslohn (§ 19 EStG, § 2 Abs. 1 LStDV) gehören auch Ausgaben, die ein Arbeitgeber leistet, um einen Arbeitnehmer oder diesem nahestehende Personen für den Fall der Krankheit, des Unfalls, der Invalidität, des Alters oder des Todes abzusichern – Zukunftssicherung – (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 Satz 1 LStDV). Dem Arbeitnehmer fließt Arbeitslohn in Form von Barlohn zu, wenn er Versicherungsnehmer ist und der Arbeitgeber die Beiträge des Arbeitnehmers übernimmt. Auch wenn der Arbeitgeber Versicherungsnehmer ist und die versicherte Person der Arbeitnehmer, führt die Beitragszahlung des Arbeitgebers in der Regel zum Zufluss von Barlohn.

Die 44-EUR-Grenze ist damit nicht anzuwenden (BMF, Schreiben v. 10.10.2013, IV C 5 – S 2334/13/10001).

Schlagworte zum Thema:  Lohnsteuer, Lohnbuchhaltung, Rechnungswesen, Jahreswechsel

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