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Überarbeitung der EU-Rechnungslegungsrichtlinien und der EU-Transparenzrichtlinie

Bilanz Check-up, Teil 7: Entlastung der kleinen Gesellschaften und Stärken einer nachhaltigen, längerfristigen Unternehmensführung. Dies sind zwei der Effekte, die die EU-Kommission mit den Vorschlägen zu den Rechnungslegungsrichtlinien und zur Transparenzrichtlinie verbindet.

EU-Rechnungslegungsrichtlinien

Die 4. und 7. EU-Richtlinie sind die gemeinschaftsrechtliche Basis für den Jahres- und Konzernabschluss von Kapitalgesellschaften. Kleine Gesellschaften sind von der Abschlusserstellung besonders belastet, da für sie die Abschlussarbeiten im Vergleich zu mittleren/großen Gesellschaften einen im Vergleich übermäßigen Verwaltungsaufwand darstellen.

Am 25.10.2011 hat die EU-Kommission einen Vorschlag präsentiert, mit dem die beiden Rechnungslegungsrichtlinien zusammengeführt und kleine Unternehmen deutlich entlastet werden. Durch die Deregulierung soll die Erstellung von Jahresabschlüssen vergleichbarer, klarer und verständlicher werden. Folgende inhaltliche Eckpunkte werden vorgeschlagen:

  • Harmonisierung der Schwellenwerte, mit der gewährleistet werden soll, dass auch wirklich alle kleinen Gesellschaften in der EU profitieren.
  • Bei kleinen Gesellschaften sollen sich Anhangangaben zukünftig lediglich auf fünf zentrale Schlüsselbereiche beschränken.
  • Gleichzeitig wird von kleinen Gesellschaften keine Abschlussprüfung verlangt.
  • Kleine Konzerne werden von der Pflicht zur Erstellung eines konsolidierten Abschlusses befreit.
  • Einführung allgemeiner Grundsätze der „Wesentlichkeit“ und der „wirtschaftlichen Betrachtungsweise“.
  • Reduzierung der Zahl der den Mitgliedstaaten zur Verfügung stehenden Wahlrechte.

Die EU-Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass im Rahmen des Richtlinienvorschlags keine verbindliche Einführung des IFRS für SMEs beabsichtigt ist.

EU-Transparenzrichtlinie

Ebenfalls am 25.10.2011 hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der Transparenzrichtlinie veröffentlicht. Hiernach soll insbesondere der Zugang zu Kapital für kleine und mittlere Emittenten durch eine Verringerung des regulatorischen Verwaltungsaufwandes erleichtert werden. So wird ausgeführt, dass die Pflicht zur Veröffentlichung vierteljährlicher Finanzinformationen für alle börsennotierten Unternehmen entfallen soll. Die EU-Kommission sieht durch den Reformvorschlag den Anlegerschutz nicht beeinträchtigt, da die verbindliche Offenlegung der halbjährlichen und jährlichen Finanzergebnisse durch die Offenlegungspflichten der Marktmissbrauchs- und der Prospektrichtlinie bestehen bleibt. Die Kommission erhofft sich zudem eine Stärkung einer nachhaltige(re)n Unternehmensführung, die durch die quartalsweise Finanzberichterstattung bislang einem allzu kurzfristigen Gewinndenken weichen musste.

 

Dieser Bilanz Check-up ist Teil einer Serie, die die Entwicklungen der Rechnungslegung des Jahres 2011 in den Blick nimmt. Sie ist entnommen aus dem von WP/StB Prof. Dr. Peter Wollmert und WP/StB Prof. Dr. Peter Oser und einem Expertenteam von Ernst & Young verfassten Bilanz Check-up 2012, der am 20.1.2012 bei Haufe erschienen ist.

 

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