13.12.2011 | IFRS 8

Schwächen des Standards und Mängel der Umsetzung

Die Europäische Wertpapieraufsicht (European Securities and Markets Authority, kurz ESMA) hat am 10. November 2011 in ihrem Bericht Stellung zur Überprüfung von IFRS 8 Operating Segments nach dessen Einführung genommen.

Im November 2006 verabschiedete das IASB den IFRS 8 Operating Segments als Bestandteil des gemeinsamen Konvergenzprojekts mit dem FASB.

Im Gegensatz zur Vorgängerregelung, IAS 14, setzt IFRS 8 den management approach weitestgehend um. Hiernach sollen die zentralen Schlüsselgrößen der Unternehmenssegmente in der Form aufbereitet werden, wie diese einem zentralen Entscheidungsträger im Unternehmen bzw. Konzern in der externen Rechnungslegung präsentiert werden (looking through the eyes of management). Unmittelbare Folgen ergeben sich für die Abgrenzung der berichtspflichtigen Segmente, den offenlegungspflichtigen Segmentinformationen und den in der Segmentberichterstattung verwendeten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden.

IFRS 8 ist sowohl für Einzel- als auch Konzernabschlüsse verpflichtend anzuwenden, sofern die Schuldtitel oder Eigenkapitalinstrumente dieser Bilanzierenden in einem öffentlichen Markt gehandelt werden oder letztere ihre Abschlüsse bei einer Aufsichtsbehörde einreichen, um eigene Instrumente in einem öffentlichen Markt auszugeben.

Auf EU-Ebene ist IFRS 8 verpflichtend spätestens seit dem 1.1.2009 (Geschäftsjahr=Kalenderjahr) anzuwenden.

In dem nunmehr veröffentlichten Bericht stellt die ESMA die Ergebnisse der Überprüfung zur Umsetzung von IFRS 8 auf europäischer Ebene vor und gibt vorläufige Empfehlungen zur Verbesserung der Anwendung.

Es wurde untersucht, inwieweit sich die Anwendung der Vorschriften von IFRS 8 durch europäische Unternehmen unterscheidet (z.B. häufiges Unterlassen bzw. „Vergessen“ der Anhangangaben zu Major Customers). Weiterhin wurden in die Überprüfung (Reporting-)Bereiche einbezogen, die Anleger, Ersteller und/oder die Enforcementstellen mutmaßlich vor erhebliche Herausforderungen stellen (so. z.B die Auslegung von „similar economic characteristics“ bei der Aggregation von Segmenten nach IFRS 8.12). Der Bericht enthält ebenso vorläufige Empfehlungen der ESMA zur Verbesserung der Anwendung des Standards.

Insgesamt kommen die Europäischen Enforcementstellen zu folgenden - teils eher unbefriedigenden - Schlussfolgerungen:

  • Die Umsetzung von IFRS 8 soll insgesamt zu einem ähnlichen Informationsniveau wie dessen Vorgängerversion IAS 14 führen;
  • die Sachverhalte, denen sich europäische Enforcementstellen bei der Durchsetzung von IFRS 8 ausgesetzt sehen, sollen homogener Natur seien, somit regelmäßig die gleichen Fehler gemacht werden.

Letzteres resultiert nach Auffassung der ESMA aus der Kombination von Schwächen in dem Standard selbst und einem Mangel auf Seiten der Ersteller, die Vorschriften des IFRS 8 vollends zu erfüllen.

 

Praxistipp

Die Regelungen des IFRS 8 sind bereits verpflichtend anzuwenden, sodass sich durch den Bericht der ESMA nur mittelfristige Änderungen ergeben können, wenn das IASB beschließen sollte einzelne identifizierte Problemebereiche zu verbessern.

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