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| IFRS 4 und IFRS 9

IASB veröffentlich Entwurf mit Änderungen an IFRS 4 wegen des Inkrafttretens von IFRS 9

Der IASB reagierte mit seinem Entwurf ED/2015/11 auf die Diskussionen und Bedenken bzgl. der unterschiedlichen Erstanwendungszeitpunkte von IFRS 9 und IFRS 4.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der IASB schlägt im jüngsten Entwurf ED/2015/11 Änderungen an IFRS 4 vor, die mittels zwei verschiedener Ansätze die divergierenden Zeitpunkte des Inkrafttretens von IFRS 9 und dem erwarteten Nachfolger von IFRS 4 beheben sollen.

Das beabsichtigte Ziel des IASB war es, die Überarbeitung der Vorgaben zur bilanziellen Abbildung von Versicherungsverträgen so frühzeitig abzuschließen, dass der überarbeitete IFRS 4 zeitgleich mit den reformierten Vorgaben zur bilanziellen Abbildung von Finanzinstrumenten angewendet werden kann. Allerdings war bereits frühzeitig absehbar, dass dieses Ziel wohl zu ambitioniert war, die Komplexität der Versicherungsindustrie also eine Verzögerung des Abschlusses der Arbeiten an IFRS 4 bedingt.

Unterschiedliche Auffassungen über die divergierende Erstanwendungszeitpunkte von IFRS 9 und IFRS 4

Hinsichtlich des zeitlichen Auseinanderfallens der Erstanwendungszeitpunkte von IFRS 9 und IFRS 4 gab es in der jüngeren Vergangenheit diverse Auffassungen. Zur Vermeidung von möglichen Bilanzierungsanomalien und Volatilität in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie noch nicht absehbare Bilanzierungsfolgen für Versicherungsunternehmen, die nun IFRS 9 anwenden müssten, ohne zu wissen, welche (korrespondierenden) Anforderung der Nachfolger von IFRS 4 verlangt, wurde eine Verschiebung der verpflichtenden Anwendung von IFRS 9 für Versicherungsaktivitäten diskutiert.

Während die EFRAG im Mai 2015 das Zusammenwirken mit den jetzigen Regelungen für Versicherungsunternehmen angesprochen hat und empfahl, das Inkrafttreten von IFRS 9 für Versicherungsunternehmen aufzuschieben und mit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Standards für Versicherungsverträge zusammenzulegen, bezog nicht wenig später im Juni 2015 die ESMA eine andere Position. So sprach sich die ESMA gegen die Empfehlung für eine partielle Verschiebung für Versicherungsunternehmen aus (auch kein europäisches carve out).

Reaktion der IASB

Der IASB hat nun auf die diversen Diskussionen und Bedenken reagiert und Anfang Dezember 2015 den Entwurf ED/2015/11 Applying IFRS 9 Financial Instruments with IFRS 4 Insurance Contracts Proposed amendments to IFRS 4 veröffentlicht. Der Entwurf räumt Unternehmen, die Versicherungsverträge im Anwendungsbereich von IFRS 4 begeben, zwei Optionen ein:

  • Overlay approach: Unternehmen, die Versicherungsverträge i. S. d. IFRS 4 ausreichen, dürfen einige der Aufwendungen und Erträge von sog. qualifizierenden Vermögenswerten aus der Gewinn- und Verlustrechnung in das sonstige Gesamtergebnis (other comprehensive income) umklassifizieren. Erfasst werden die Differenzen aus solchen Vermögenswerten, die nach der bisherigen Anwendung von IAS 39 (entweder at amortised cost oder erfolgsneutral als available for sale) und der erstmaligen Anwendung von IFRS 9 (erfolgswirksam) entstehen würden (IFRS 9.35A).
  • Deferral approach: Sofern ein Unternehmen als vorrangige Geschäftstätigkeit das Begeben von Versicherungsverträgen i. S. v. IFRS 4 hat, besteht die Möglichkeit eines begrenzten Aufschubs der Anwendung von IFRS 9. IAS 39 wäre demnach anstatt von IFRS 9 für Berichtsperioden anzuwenden, die vor dem 1. Januar 2021 beginnen. Voraussetzung ist jedoch, dass nicht zuvor schon einer der Versionen von IFRS 9 angewendet wurde und die vorrangige Geschäftstätigkeit (predominant activity) das Begeben von Versicherungsverträgen (IFRS 4) ist (IFRS 9.20A). Als möglicher Schwellenwert für predominant wird in den Basis for Conclusions Folgendes angeführt (IFRS 9.BC65): „predominance is intended to be a high threshold. For example, if three-quarters of an entity’s liabilities are liabilities arising from contracts within the scope of IFRS 4 and one-quarter are liabilities arising from other activities, that entity would not, for the purposes of the Exposure Draft, meet the predominance condition.” Der deferral approach würde ab Berichtsperioden gelten, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen und ist auf drei Jahre beschränkt.

Beide Optionen sind freiwillig (Festlegung einer accounting policy). ED/2015/11 selbst unterliegt lediglich einer Kommentierungsfrist von 60 Tagen, die bereits am 8. Februar 2016 endet. Diese verkürzte Frist zur Stellungnahme wird vorgegeben, da der Sachverhalt seitens des IASB als dringend angesehen wird. Ein Abschluss der Arbeiten wird für 2016 erwartet.

Praxis-Tipp: Eine Auseinandersetzung mit der Auslegung der „predominant activity“ ist sinnvoll

Das Nebeneinander von IFRS 4 bzw. dessen Nachfolger und IFRS 9 wird durch den ED/2015/11 nun für bestimmte Versicherungsunternehmen zumindest absehbar kalkulierbarer. Versicherungsunternehmen sollten, sofern der deferral Ansatz von Interesse ist, sich mit der Auslegung der „predominant activity“ auseinandersetzen.

Quelle:

> Press Release: IASB proposes amendements to the current Insurance Contracts Standard to provide temporary reliefs for insurers

> ED/2015/11: Applying IFRS 9 Financial Instruments with IFRS 4 Insurance Contracts

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