Eine Treuhandstiftung ist keine juristische Person, sondern ein Rechtsverhältnis zwischen Stifter und Treuhänder - dies führt zu bilanziellen Herausforderungen.

Praxis-Tipp: Ausweisfrage klären

Nach Klärung des wirtschaftlichen Eigentums der Treuhandstiftung gilt es für den Bilanzierenden der Treuhandstiftung die Ausweisfrage zu beantworten. Wenn das wirtschaftliche Eigentum beim Treuhänder liegt, so empfiehlt sich die Integration in der Bilanz. Wenn dagegen das wirtschaftlichen Eigentum bei Treugeber und Stifter verbleibt, so empfiehlt sich beim Treuhänder die Angabe unterhalb der Bilanz oder im Anhang.

Hilfestellung bei der Frage nach den bilanziellen Folgen für das Treuhandvermögen leistet die IDW-Stellungnahme zur Rechnungslegung: Rechnungslegung von Stiftungen (IDW RS HFA 5). 

Rahmenbedingungen

Das Rechtsverhältnis umschreibt die „Übertragung von Vermögenswerten auf eine natürliche oder juristische Person mit der Maßgabe, diese als ein vom übrigen Vermögen des Empfängers getrenntes wirtschaftliches Sondervermögen zu verwalten und dauerhaft zur Verfolgung der vom Stifter gesetzten Zwecke zu verwenden“ (BGH Urt. v. 12. März. 2009).

Bei der Entäußerung von Vermögensgegenständen zu Gunsten eines uneigennützigen auf Dauer angelegten Zwecks entsteht keine eigene Rechtspersönlichkeit. Da die Treuhandstiftung keine Stiftung i. S. d. §§ 80ff. BGB ist, ergeben sich keine eigenen Rechnungslegungspflichten aus dem BGB bzw. aus den Landesstiftungsgesetzen. Aufgrund fehlender Rechtspersönlichkeit entfällt eine Verpflichtung zur handelsrechtlichen Rechnungslegung. 

Ansatz bei der juristischen Person, die über das Treuhandvermögen als wirtschaftliches Eigentum verfügt

Der Ansatz erfolgt grundsätzlich bei der juristischen Person, die über das Treuhandvermögen als wirtschaftliches Eigentum verfügt und damit die Treuhandstiftung in ihre Rechnungslegung integriert. Grundsätzlich geht durch das Treuhandverhältnis das zivilrechtliche Eigentum auf den Treuhänder über.

Bei der Schenkung unter Auflage

  • geht zudem das wirtschaftliche Eigentum über und
  • der Treuhänder hat die unselbstständige Stiftung in seine Rechnungslegung zu integrieren.

Dagegen könnte ein Treuhandvertrag

  • die theoretische Möglichkeit eines Anspruchs auf Rückübertragung enthalten,
  • so dass das wirtschaftliche Eigentum beim Stifter verbleibt und
  • dieser für die Integration der Rechnungslegung verantwortlich ist.

Bewertung Anwendung der Bewertungsmethoden des Trägers

Die Bewertung der einzelnen Bilanzposten der unselbstständigen Stiftung sollte aufgrund des engen Bezugs zum Träger in entsprechender Anwendung der Bewertungsmethoden des Trägers erfolgen.

Ausweis: Empfehlung des IDW RS HFA 5

Nach IDW RS HFA 5 empfiehlt sich der Ausweis in der Bilanz des Trägers als jeweils letzter Posten in der Bilanz („Sondervermögen“ und „Sonderverpflichtung“) – alternativ unter der Bilanz. Bei einem Ausweis in der Bilanz sind die Erträge und Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung ebenfalls gesondert zu erfassen. Erstellt der Träger einen Anhang, so kann der Ausweis als weitere Alternative dort erfolgen. Werden mehrere Treuhandstiftungen durch den Träger verwaltet, so können die Posten in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung zusammengefasst werden.

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