06.01.2012 | IFRS

Griechische Staatsanleihen im Abschluss: Wertminderung zum 30.6.2011 objektiv absehbar

Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat in einer Verlautbarung zur bilanziellen Behandlung von Risiken aus Staatsanleihen vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklungen Stellung genommen.

Die ESMA hat am 25. November 2011 eine Verlautbarung zur bilanziellen Abbildung von Risiken aus Staatsanleihen im Rahmen der Schuldenkrise veröffentlicht (Sovereign debt in IFRS Financial Statements). Im Mittelpunkt steht dabei die bilanzielle Behandlung von griechischen Staatsanleihen.

Dem vorausgegangen war eine öffentliche Erklärung der ESMA vom 29. Juli 2011 zu Angaben in IFRS-Abschlüssen in Bezug auf Staatsanleihen (Public statement - ESMA Statement on disclosures related to sovereign debt to be included in IFRS financial statements. Hiernach wies die ESMA auf die Notwendigkeit einer erhöhten Transparenz in IFRS-Zwischen- und Jahresabschlüssen europäischer börsennotierter Unternehmen hin. Die ESMA war dabei der Auffassung, dass eine sachgerechte Anwendung der maßgeblichen IFRS entscheidend ist, um angemessene Angaben börsennotierter Unternehmen im Hinblick auf deren Risikoposition in Staatsanleihen und der damit in Beziehung stehenden Instrumente sicherzustellen. Diese Angaben sollten dabei je Land erfolgen.

Die dann später von der ESMA veröffentlichte Verlautbarung enthält eine Untersuchung der bilanziellen Behandlung von griechischen Staatsanleihen in den Zwischenberichten von an einem regulierten europäischen Markt notierten Finanzinstituten.

Die Verlautbarung ist dabei in zwei Gliederungspunkte aufgeteilt:

  1. Im ersten Abschnitt werden Jahresabschlüsse, deren Berichtsperioden am 31. Dezember 2011 enden beleuchtet. Dabei werden Empfehlungen genannt, die von Erstellern und ihren Prüfern in Bezug auf Risiken aus Staatsanleihen berücksichtigt werden sollten (z.B. genaue Berücksichtigung der Impairment-Regelungen aus IAS 39.59, Auffassung des IASB Expert Advisory Panels zu Bewertungsvorgaben innerhalb der Fair Value-Hierarchie bei angeblich inaktiven Märkten, ausgeweitete Angabepflichten nach IFRS 7 bei DCF-basierten Bewertungen). Diese sollen eine einheitliche Anwendung der IFRS-Vorschriften auf europäischer Ebene gewährleisten. Die Daten setzen sich zusammen aus den Ergebnissen der Untersuchung der bilanziellen Behandlung von griechischen Staatsanleihen in den Zwischenberichten zum 30. Juni 2011. In Bezug auf griechische Staatsanleihen wird ein Netto-Barwertverlust von 21% festgestellt.
  2. Im zweiten Abschnitt stellt die ESMA ihre Ergebnisse der Untersuchung der bilanziellen Behandlung von griechischen Staatsanleihen in den Zwischenberichten und ihre Bewertung durch die ESMA genauer dar. Danach lag in Bezug auf griechische Staatsanleihen ein objektiver Anhaltspunkt (objective evidence) einer Wertminderung zum 30. Juni 2011 vor, da mindestens einer der Wertminderungsindikatoren des IAS 39.59 erfüllt waren (entweder significant oder prolonged). Außerdem werden Felder beleuchtet, die sowohl von Erstellern als auch Prüfern in Bezug auf Risiken aus Staatsanleihen in diesen Abschlüssen hätten berücksichtigt werden müssen (u.a. Angabe der Bewertungsprämisse der Fair Value- Hierarchie wie in IFRS 7.27A gefordert). Da die Untersuchung auf dem Zwischenabschluss 2011 abstellt, sollen unter Berücksichtigung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen die Empfehlungen  für kommende Jahresabschlüsse berücksichtigt werden.

Praxistipp

Die Verlautbarung der ESMA stellt in Bezug auf die Bilanzierung von, insbesondere griechischer, Staatsanleihen in EU-IFRS-Abschlüssen klar, dass ein Impairment-Indikator bereits zum Zwischenabschluss 30. Juni 2011 vorlag. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Regelungen von IAS 39.59 sowie den notwendigen Anhangangaben von IFRS 7 ist für den (Konzern-)Jahresabschluss daher angezeigt.

www.esma.europa.eu/id=7685

www.esma.europa.eu/id=8073

Aktuell

Meistgelesen