23.07.2012 | Serie Dienstwagen in einer GmbH nutzen

Privatnutzung durch Gesellschafter als verdeckte Gewinnausschüttung

Serienelemente
Wann die private Nutzung des GmbH-Geschäftsführers als vGA gilt
Bild: Haufe Online Redaktion

Nutzt ein GmbH-Gesellschafter einen Firmenwagen privat und besteht kein Überlassungsvertrag oder kann die Versteuerung nicht als Arbeitslohn vorgenommen werden, muss die Nutzung als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet werden.

Nutzt der GmbH-Gesellschafter den Firmenwagen seiner GmbH für private Fahrten und erfolgt die private Nutzung

  • außerhalb eines Arbeitsverhältnisses und

  • außerhalb eines entgeltlichen Überlassungsvertrags,

dann ist von einer verdeckten Gewinnausschüttung auszugehen, die der Gesellschafter als Einnahmen aus Kapitalvermögen zu versteuern hat. Die verdeckte Gewinnausschüttung ist bei der GmbH mit der Vergütung anzusetzen, die bei einer Vermietung üblicherweise erzielbar ist. Aus Vereinfachungsgründen kann die private Nutzung (Gewinnkorrektur) mithilfe der 1%-Methode ermittelt werden.

Auf der Ebene der GmbH gilt: Ausschüttungen sind grundsätzlich als Maßnahmen der Gewinnverwendung einzustufen, die den Gewinn der GmbH nicht verändern. Wenn aber eine verdeckte Gewinnausschüttung zu einer Vermögensminderung oder zu einer verhinderten Vermögensmehrung führt, ist das Einkommen der GmbH zu erhöhen. D. h., das Einkommen ist zu erhöhen, wenn eine Minderung des steuerlichen Gewinns eingetreten ist (§ 8 Abs. 3 KStG).

Gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG dürfen verdeckte Gewinnausschüttung nicht das Einkommen der GmbH mindern. Die Hinzurechnung erfolgt außerhalb der Steuerbilanz, weil § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG keine Bilanzierungsvorschrift ist, sondern allein der steuerlichen Einkommensermittlung dient. Die Umsatzsteuer ist eine betriebliche Steuer. Steuerschuldner ist die GmbH. Konsequenz ist, dass die Umsatzsteuer in der Steuerbilanz auszuweisen ist (d. h., die Umsatzsteuer muss innerhalb der Buchführung ausgewiesen werden).

Praxis-Beispiel (Berechnung nach der 1%-Methode):

Ein Gesellschafter ist für seine GmbH tätig, ohne dass ein Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der GmbH vereinbart worden ist. Die GmbH stellt ihm einen Firmenwagen zur Verfügung, den er für betriebliche und private Fahrten nutzt. Ein entgeltlichen Überlassungsvertrags ist nicht abgeschlossen worden. Die GmbH gestattet die Nutzung des Fahrzeugs für private Zwecke nur wegen der Gesellschafterstellung. Bei der privaten Nutzung handelt es sich um eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist der Betrag, den die GmbH bei einer Fremdvermietung erzielen könnte. Führt der GmbH-Gesellschafter kein Fahrtenbuch und auch ansonsten keine Aufzeichnungen, ist es schwierig, die Vergütung zu ermitteln, die bei einer Vermietung üblicherweise erzielbar ist. Es ist dann sinnvoll und zweckmäßig, das Nutzungsentgelt aus Vereinfachungsgründen mit 1% vom Bruttolistenpreis anzusetzen. Bei einem Bruttolistenpreis des Fahrzeugs von 32.000 € ist von folgenden Werten auszugehen:

 

Monatsbetrag

Jahresbetrag

Gewinnerhöhung: 32.000 € x 1%

320,00 €

3.840,00 €

Umsatzsteuer

  60,80 €

   729,60 €

Gesamtbetrag

380,80 €

4.569,60 €

SKR 03

1381

Forderungen gegen GmbH-Gesellschafter

729,60

an

1776

Umsatzsteuer 19%

729,60

SKR 04

1307

Forderungen gegen GmbH-Gesellschafter

729,60

an

3806

Umsatzsteuer 19%

729,60

Bei der Umsatzsteuer bestehen dann zwei Möglichkeiten. Der GmbH-Gesellschafter zahlt die Umsatzsteuer an die GmbH, sodass dadurch die Forderung der GmbH ausgeglichen ist. Zahlt der GmbH-Gesellschafter die Umsatzsteuer nicht, verzichtet die GmbH auf eine Forderung gegenüber dem Gesellschafter, was insoweit zu einer Gewinnausschüttung führt.

Die Erhöhung des GmbH-Einkommens beträgt dann 3.840,00 €. Das heißt, dass Einkommen der GmbH muss in der Körperschaftsteuererklärung um 3.840,00 € höher ausgewiesen werden.

Einkünfte aus Kapitalvermögen: Die Einkünfte aus Kapitalvermögen sind beim Gesellschafter nach dem Teileinkünfteverfahren anzusetzen und unterliegen grundsätzlich der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25% (Abgeltungssteuersatz).

Der Gesellschafter-Geschäftsführer kauft einen Pkw, den er an seine GmbH vermietet

Denkbar ist auch, dass der Gesellschafter einen Pkw erwirbt und an die GmbH vermietet. Die Miete, die die GmbH an den Gesellschafter zahlt, muss marktüblich sein. Bei einer umsatzsteuerpflichtigen Überlassung an die GmbH ist der Gesellschafter umsatzsteuerlicher Unternehmer. Der Gesellschafter kann aus der Anschaffung den Vorsteuerabzug beanspruchen. Die GmbH kann den Vorsteuerabzug aus den Mietzahlungen geltend machen. Diese Situation ist mit einer Leasingvereinbarung vergleichbar. Der Leasingvertrag mit einem Leasingunternehmen ist ebenso zu behandeln wie der Mietvertrag mit dem Gesellschafter, vorausgesetzt, dass die Vereinbarungen wie unter fremden Dritten getroffen wurden.

Damit ist aber die private Nutzung des überlassenen (geleasten) Fahrzeugs noch nicht geklärt. Nutzt der Gesellschafter seinen Pkw, den er an die GmbH vermietet hat, auch für private Zwecke, dann hängt die steuerliche Beurteilung davon ab, ob die Überlassung zur privaten Nutzung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses, im Rahmen eines entgeltlichen Überlassungsvertrags oder im Rahmen des Gesellschaftsverhältnisses (als verdeckte Gewinnausschüttung) erfolgt.

Ergebnis: Es sind dieselben Konsequenzen zu ziehen wie bei einem Fahrzeug, das die GmbH erworben hat. Das heißt, die vorstehenden Ausführungen gelten auch, wenn die GmbH ein Fahrzeug least oder mietet.

Schlagworte zum Thema:  Private Pkw-Nutzung, Dienstwagen, Verdeckte Gewinnausschüttung, GmbH-Gesellschafter, GmbH

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