EY Global Fraud Survey 2016 - noch lange nicht am Ziel

Ernst & Young präsentiert im EY Global Fraud Survey 2016 die Erkenntnisse zu Wirtschaftskriminalität und Korruption weltweit.

Deutsche Unternehmen kommen beim Kampf gegen Wirtschaftskriminalität und Korruption voran – auf internationaler Ebene ist jedoch kaum Fortschritt zu erkennen.

Das ist eine der Kernaussagen des 14. EY Global Fraud Survey, für den EY über 2.800 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 62 Ländern befragt hat.

Die Kernergebnisse für Deutschland sehen wie folgt aus:

  • Die Zahl der entdeckten Betrugs- und Korruptionsfälle in Deutschland sind rückläufig.
  • Nur 6 % der Manager halten Korruption in Deutschland für verbreitet.
  • Weltweit geringes Vertrauen in Strafverfolgungsbehörden – v. a. in der Ukraine und in Südafrika.
  • 16 % der deutschen Manager sehen Wettbewerbsposition des Unternehmens durch Compliance-Regeln gefährdet.
  • Weltweite Spitzenreiter bei der Korruptionswahrnehmung: Brasilien, Ukraine, Thailand und Nigeria.

Es setzt sich der Trend fort, dass sich die Compliance- und Integritätskultur in deutschen Unternehmen stetig weiterentwickeln.

Trotz aller Regeln sind die Gefahren durch Betrug, Korruption, Kartelldelikte oder Cyberkriminalität noch lange nicht gebannt. Noch liegt ein weiter Weg vor den Unternehmen in Deutschland und dem Rest der Welt, wenn es darum geht, Wirtschaftskriminalität und Korruption nachhaltig wirksam zu bekämpfen.

Zweck heiligt immer noch viele Mittel – auf der ganzen Welt

Fast jeder 2. Manager in Deutschland würde Vorschriften umgehen, wenn nur so finanzielle Unternehmensziele erfüllt werden können. Immerhin 1/5 der befragten Führungskräfte (20 %) hält persönliche Geschenke an Dritte oder Angebote von "Unterhaltungsdienstleistungen" – z. B. Einladungen zu Fußballspielen – für gerechtfertigt, wenn hiermit eine veritable Ertragskrise des Arbeitsgebers abgewendet werden könnte.

Weltweit würde mehr als jeder 3. Manager (36 %) Unterhaltungsdienstleistungen oder persönliche Geschenke machen. 13 % würden sogar Bargeld zahlen und 4 % Finanzergebnisse absichtlich falsch darstellen. Vor beiden letztgenannten Methoden würden in Deutschland alle befragten Manager zurückschrecken. In China würde jeder 2. Manager mit Bargeld bestechen, in Spanien immerhin noch 28 % und in Indien 16 %.

Ukraine und Brasilien im Hochrisikobereich

Weltweiter Spitzenreiter bei entdeckten Betrugs- und Korruptionsfällen ist aktuell die Ukraine, wo in den vergangenen beiden Jahren immerhin 48 % der Unternehmen nach eigenen Angaben einen bedeutsamen Fall verzeichneten. Auf den Plätzen folgen Kenia (36 %) und Südafrika (26 %).

Während Deutschland bei den konkreten Fällen über dem weltweiten Durchschnitt liegt, ist die Eigenwahrnehmung deutlich besser. Nur 6 % der Manager halten Bestechung bzw. korrupte Methoden in Deutschland für weit verbreitet. Weltweit sagen 39 % der Manager, dass Korruption in ihrem jeweiligen Land weit verbreitet ist. Damit hat sich weder in Deutschland noch in der Welt die Eigeneinschätzung der Manager gegenüber der Umfrage 2014 verändert.

Trauriger Spitzenreiter ist Brasilien, wo 9 von 10 Managern Korruption für verbreitet halten. Knapp dahinter folgen die Ukraine (88 %) sowie Thailand und Nigeria (jeweils 86 %). Besonders gut schneiden die skandinavischen Länder ab. In Finnland hält kein einziger Manager Korruption für verbreitet, in Schweden und Dänemark nur 4 % – ebenso wie in Saudi Arabien.

Vertrauen in deutsche Strafverfolgungsbehörden

Bei der Einschätzung und Wahrnehmung von Korruption spielt v. a. die Gefahr eine Rolle, entdeckt und bestraft zu werden. Diese ist in Deutschland stark ausgeprägt.

60 % der befragten Manager sind der Ansicht, dass die deutschen Strafverfolgungsbehörden Fälle von Bestechung und Korruption verfolgen und zu einer Verurteilung bringen. Weltweit sind nur 33 % dieser Ansicht. Jeder 8. Manager weltweit sagt sogar, dass die Behörden nicht bereit oder in der Lage seien, solche Fälle zu verfolgen. In Deutschland glaubt das gerade mal jeder 25. Manager. Besonders gering ist das Vertrauen in die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden in der Ukraine, wo 44 % der Manager an der Fähigkeit oder Motivation der lokalen Behörden zweifeln, in Südafrika und Argentinien sind es 42 bzw. 40 %.

Compliance trotzdem mit Imageproblem

Dass nach wie vor ein bemerkenswert großer Anteil der befragten deutschen Manager von 16 % angibt, dass Compliance-Regeln die Wettbewerbsposition gefährden, muss in diesem Kontext bedenklich stimmen. Compliance befindet sich als vermeintliches Negativthema in einer veritablen Imagekrise.

Dabei zeigt die Praxis doch immer eindrucksvoller, dass risikospezifisch ausgerichtete Integritäts- und Compliance-Management-Systeme dem Geschäftserfolg und Wachstum eines Unternehmens keinesfalls im Wege stehen.

Im Gegenteil: Ethik und Integrität machen Unternehmen erfolgreicher, auch das lässt sich aus dem EY Global Fraud Survey 2016 herauslesen und ist eine Bestätigung unserer konsequenten Weiterentwicklung von Compliance in Richtung eines übergreifenden Integritätsmanagements, das auch Unternehmenskultur und Vergütungssysteme entlang dem Verständnis von Unternehmenswerten ausrichtet.

Die Unternehmen müssen klare Zeichen setzen, dass sie Korruption und Bestechung nicht tolerieren. Und wir dürfen eines nicht vergessen: Deutsche Unternehmen sind oft "Global Player". Die Länder mit den höchsten Korruptionsrisiken sind auch die Länder, in denen die deutsche Industrie tätig ist. Das Ziel kann nicht zweierlei Maß, sondern ein globaler Standard und ein gemeinsames Vorgehen i. S. v. "collective action" sein.

Diese Fachinformationen könnten Sie auch interessieren:

BilMoG-Unterschiedsbeträge beim Wechsel des Durchführungswegs einer Versorgungszusage

Schlagworte zum Thema:  Korruption, Wirtschaftskriminalität, Compliance