16.04.2015 | Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde

ESMA-Bericht zu den Aktivitäten der EU-Enforcementstellen 2014 veröffentlicht

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sieht in ihrem Bericht Verbesserungsbedarf im Bereich der Offenlegung zu IAS 36 und IFRS 13.

Der Bericht der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) vom 31. März 2015 (ESMA Report on Enforcement and Regulatory Activities of Accounting Enforcers in 2014) enthält quantitative Daten zu durchgeführten Enforcements innerhalb von Europa. Daneben enthält dieser auch die Ergebnisse der Überprüfung von Zwischen- und Jahresabschlüssen 2013 von Emittenten in der EU, die den gemeinsamen Prüfungsschwerpunkten aus 2014 gelten (common enforcement priorities).

In Bezug auf die durchgeführten Enforcementaktivitäten wurden etwa 24 % der Zwischen- oder Jahresabschlüsse der 6400 Emittenten, die an regulierten Märkten in der EU gelistet sind, in 2014 durch nationale Enforcementstellen überprüft. Dabei führte insgesamt in 306 Fällen ein Enforcement zu einer Korrektur eines Fehlers.

Nach Schwerpunkten sortiert wurden folgende Themenbereiche mit der jeweiligen Häufigkeit von den nationalen Enforcern am meisten überprüft:

  1. Darstellung des Jahresabschlusses (19 %)
  2. Werthaltigkeitsprüfung von nicht-finanziellen Vermögenswerten (15 %)
  3. Bilanzierung von Finanzinstrumenten (15 %)
  4. Bewertungen zum beizulegenden Zeitwert (9 %)
  5. Aufstellung von Konzernabschlüssen (7 %)
  6. Ansatz von (latenten) Steuern (6 %)
  7. Segmentberichterstattung/ operative Segmente (3 %)
  8. Leistungen an Arbeitnehmer (3 %)

In Bezug auf die Ergebnisse der Überprüfung von Zwischen- und Jahresabschlüssen 2013 von Emittenten in der EU, die den gemeinsamen Prüfungsschwerpunkten 2014 gelten, wird von der ESMA ein positives Resümee gezogen (verbesserte Transparenz).In ausgewählten Punkten sieht die ESMA jedoch Verbesserungsbedarf:

  • Angabe von wesentlichen Annahmen bei der Durchführung von Werthaltigkeitsprüfungen für nichtfinanzielle Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer (IAS 36): Anhand der Auswertung von Abschlüssen von 103 Emittenten wurde bei den Offenlegungsvorgaben von IAS 36, speziell IAS 36.134 teils eine inadäquate Berichterstattung aufgefunden. Insbesondere zu den Angaben zu den wesentlichen Annahmen, auf den die Cash-Flow Prognosen für den Impairment-Test nach IAS 36 beruhen sind in 17 % der Fälle gar keine und in 10 % nur inhaltsleere (boiler plate) Angaben zu finden. Bzgl. der geforderten Sensitivitätsanalyse nehmen ca. ein Drittel der untersuchten Emittenten keinen Bezug auf die wesentlichen Annahmen, sondern nur auf den zugrundeliegenden Diskontierungszins.
  •  Angaben zu Bewertungen zum beizulegenden Zeitwert (IFRS 13): Aus einer Grundgesamtheit von 100 Abschlüssen gaben ca. 25 % der Emittenten nur unzureichende Informationen zu den Bewertungsmethoden an, wenn die Bemessung des Fair Value auf vergleichbaren Daten (Level 2) oder eigenen Berechnungen (Level 3) beruhte. Häufig wurde nur der Standardtext wiedergegeben. Zu credit valuation adjustments (CVA) für Anpassungen hinsichtlich des Kontrahentenrisikos und zu debt valuation adjustments (DVA) für Anpassungen auf das eigene Risiko konnte nur in der Hälfte der Fälle eine Beschreibung im Anhang gefunden werden.
  • Angaben zu Stundungsvereinbarungen und Wertminderungen von Finanzinstrumenten bei Finanzinstituten: In den Abschlüssen von 36 Finanzinstituten wurde nur in der Hälfte der Fälle überhaupt über Stundungsmaßnahmen (forbearance) eine Beschreibung/Erläuterung eingebaut. Ebenfalls wurde nur in 50 % der Fälle ein vorgenommenes Impairment auf Finanzinstrumente auch inhaltlich erläutert.  

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichts wurde auch eine Tabelle erarbeitet, in der die jeweiligen Enforcementstellen nach  Jurisdiktion innerhalb der EU dargestellt werden aufgelistet nach Einhaltung/Nichteinhaltung der Leitlinien der ESMA unter Angabe der Gründe. So sind u. a. formelle Verstöße gegen die ESMA Leitlinien in Bezug auf nicht ausreichend personelle oder finanzielle Ressourcen einer Enforcementstelle angeführt. Explizit angeführt ist auch die BaFin, da aufgrund der Vorgaben von § 37q Abs. 2 WpHG hierzulande eine Fehlerveröffentlichung nur die Darstellung wesentlicher Teile der Begründung beinhaltet, während die ESMA in ihren Auszügen aus Enforcemententscheidungen (extracts) den Sachverhalt und die Begründung umfangreich darstellt.

Praxistipp

Die Zusammenarbeit der nationalen Durchsetzungs- bzw. Aufsichtsbehörden auf europäischer Ebene ist unstrittig notwendig, letztlich auch um allen EU-Unternehmen gleiche Rahmenbedingungen in Bezug auf die Durchsetzungsaktivitäten zu schaffen. Die Darstellung der überprüften Themen in der Rechnungslegung zeigt hierbei Problembereiche auf, die Unternehmen bei ihrer Berichterstattung zwingend berücksichtigen sollten.

Quellen:

http://www.esma.europa.eu/system/files/2015-659_activity_report_on_accounting_enforcers_in_europe_in_2014.pdf

http://www.esma.europa.eu/system/files/2015-203_compliance_table_-_guidelines_on_the_enforcement_of_financial_information_0.pdf

Schlagworte zum Thema:  ESMA

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