20.04.2017 | Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde

ESMA-Bericht zu Aktivitäten der EU-Enforcementstellen 2016 veröffentlicht

Die ESMA identifiziert in ihrem Bericht Problembereiche, die verbesserungswürdig sind.
Bild: Michael Bamberger

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sieht in ihrem Bericht Verbesserungsbedarf (mal wieder oder immer noch) im Bereich des Wertminderungstests nach IAS 36 und bei der Darstellung im Abschluss, speziell bei Finanzinstrumenten.

ESMA-Bericht informiert über Daten zu durchgeführten Enforcements

Der Bericht der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) vom 10.4.2017 (Enforcement and Regulatory Activities of Accounting Enforcers in 2016) enthält quantitative Daten zu durchgeführten Enforcements innerhalb von Europa im Jahr 2016. Daneben enthält dieser auch die Ergebnisse der Überprüfung von Zwischen- und Jahresabschlüssen von Emittenten in der EU, die den gemeinsamen Prüfungsschwerpunkten im Jahr 2015 gelten (common enforcement priorities).

Prüfung von über 1.200 Emittenten legt Verbesserungsbedarf offen

Es wurden mehr als 1.200 IFRS-Emittenten geprüft. Dies entspricht ca. 21 % aller IFRS-Emittenten, deren Aktien in regulierten Märkten gehandelt werden und ist ein leichter Anstieg zum Vorjahr (2015: 20 %). Diese Überprüfungen führten zu 311 Durchsetzungsmaßnahmen, bei denen wesentliche Abweichungen von den IFRS festgestellt wurden. Dies entspricht einer Steigerung von ca. 10 % zum Vorjahr (2015: 273). Betroffen waren 206 Abschlüsse aus der Grundgesamtheit.

Im Fokus standen die Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds in Europa auf die wesentlichen Annahmen und Schätzungen sowie deren (angemessene) Offenlegung im Anhang. Anwendungsgebiete sind z. B. der Werthaltigkeitstest nach IAS 36 aber insbesondere auch die Bewertung von Pensionsrückstellungen nach IAS 19. Ein weiteres Prüffeld war die Konsistenz der Klassifizierung von Zuordnungen innerhalb der Kapitalflussrechnung nach IAS 7 zu der Darstellung im Anhang. Die Offenlegung von Prämissen und Inputparametern bei der Bemessung des fair value bei nicht-finanziellen Posten, also IFRS 13, ist Teil einer separaten Erhebung und wird im Report nicht angesprochen.

Kritikpunkte der ESMA

Als verbesserungswürdig sind insbesondere folgende Themen identifiziert worden:

  1. Werthaltigkeitsprüfung von nicht-finanziellen Vermögenswerten (IAS 36): 11 % veröffentlichten entweder keine oder nur eine einheitliche Diskontierungsrate für jede wesentliche zahlungsmittelgenerierende Einheit (CGU). Hierzu wurden mind. drei Fehler durch Enforcer festgestellt (zwei Verfahren ausstehend). Ca. 30 % aller Abschlüsse enthielten bei den Sensitivitätsanalysen nur allg. Ausführungen (boiler plate) und keine unternehmensspezifischen. Allein in 9 % der Fälle kamen die nationalen Enforcer zum Entschluss, dass die Ausführungen nicht sinnhaftig (not reasonable) sind. Besonders auffällig waren Werthaltigkeitstests, bei denen Rohstoffe (commodities) zwar als wesentliche (Wert-)Annahmen genannt wurden, jedoch wurden in nur 50 % der Fälle hierzu Sensitivitäten gerechnet.
  2. Leistungen an Arbeitnehmer (IAS 19): Nur in einem Fall wurden die (Sensitivitäts-)Angaben nach IAS 19 als nicht im Einklang mit dem Standard angesehen. Die Anwendung und Offenlegung nach IAS 19 wurde – im Gegensatz zu IAS 36 – überwiegend als standardkonform eingeschätzt.
  3. Darstellung von Finanzinstrumenten (IAS 39): Auch bei der Abbildung von Zins- und Währungskursrisiken ist ein besseres Bild vorzufinden als nach IAS 36. Nur 5 % der geprüften Abschlüsse enthielten keine oder nicht ausreichende Angaben zu Markt-/Zinsrisiken. Anders verhält es sich bei der Darstellung von Kapitaltransferbeschränkungen. In 40 % der Fälle, bei denen für ein Land, in dem eine Geschäftsaktivität vollzogen wird aber eine Transferbeschränkung vorlag (z. B. Algerien, Angola, Griechenland, Iran oder Argentinien), wurden keine bis nicht ausreichende Erläuterungen getätigt.
  4. Darstellung der Kapitalflussrechnung (IAS 7): Die Prüfung der Kapitalflussrechnung führte in den meisten Fällen zu Hinweisen, die eine Änderung in späteren Abschlüssen nach sich zieht. Betroffen waren vor allem die Darstellung von Kontrollverlusten innerhalb der Kapitalflussrechnung (6 % zeigten diese nicht als operativ) oder auch die separate Darstellung von Dividenden und Zinsen („nur“ 77 % erfüllten die Norm). Ein fehleranfälliges Feld war die Darstellung der Kapitalflussrechnung in Zwischenabschlüssen, hier war allein in 12 % der Fälle nur eine „3-line-item“ Darstellung vorzufinden.

Der Bericht enthält zudem noch Ausführungen zur aktiven Mitarbeit der ESMA an einer einheitlichen Regelanwendung in Europa (Single Rule Book), u. a. der Stellungnahmen der ESMA zur Implementierung von IFRS 9 und IFRS 15, der Studie zu IFRS 13 und der Guideline zu den Anforderungen an die Umsetzung der Alternative Performance Measures (APMs) in Abschlüssen.

Praxis-Tipp: Aufgezeigte Problembereiche in der Berichterstattung berücksichtigen

Die Zusammenarbeit der nationalen Durchsetzungs- bzw. Aufsichtsbehörden auf europäischer Ebene ist unstrittig notwendig, letztlich auch um allen EU-Unternehmen gleiche Rahmenbedingungen in Bezug auf die Durchsetzungsaktivitäten zu schaffen. Die Darstellung der überprüften Themen in der Rechnungslegung zeigt hierbei Problembereiche auf, die Unternehmen bei ihrer Berichterstattung zwingend berücksichtigen sollten.

Schlagworte zum Thema:  IAS, ESMA, Berichterstattung

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