18.08.2016 | ESMA

Aktuelle Europäische Enforcemententscheidungen veröffentlicht (19. Auszug)

Die ESMA hat Enforcemententscheidungen u.a. zu IAS 38, IFRS 13, IAS 18 und IFRS 8 veröffentlicht.
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Die ESMA hat Ende Juli ihren 19. Auszug mit insgesamt zwölf Enforcemententscheidungen veröffentlicht.

Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat am 27.7.2016 ihren mittlerweile 19. Auszug zu Enforcemententscheidungen betreffend die Überprüfung der (Konzern-)Jahresabschlüsse aus der eigenen, vertraulichen Datenbank, an der sich allerdings nicht alle nationalen Enforcer – Deutschland etwa nicht – beteiligen, veröffentlicht. Die veröffentlichten Entscheidungen decken eine Vielzahl von IFRS ab, u.a. IAS 8, IAS 12, IAS 18, IAS 19, IAS 21 aber auch IFRS 3, IFRS 8 und IFRS 13. Aktuell wurden 12 Entscheidungen, die von Februar 2014 bis April 2016 von nationalen Enforcern getroffen wurden, zur Veröffentlichung ausgewählt. Nachfolgend werden einige der Entscheidungen dargestellt:

IAS 38 - Ausweis von Gewinnen aus der Veräußerung eines immateriellen Vermögenswerts

Ein Biotechnologieunternehmen, dessen hauptsächlicher Geschäftszweck Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten im Auftrag von anderen pharmazeutischen Unternehmen sind und nicht die Herstellung von diesen Produkten, hatte im Rahmen einer business combination einen immateriellen Vermögenswert in signifikantem Umfang erworben. Der Zufluss aus dem späteren Verkauf dieses immateriellen Vermögenswerts wurde als Umsatzerlös gezeigt. Dies widersprach nach Ansicht des Enforcers aber IAS 38.113, der explizit Gewinne aus dem Verkauf von intangibles von den Erlösen ausnimmt. Auch die Begründung des Unternehmens, dass das intangible im „normalen“ Geschäftsverlauf veräußert wurde und daher gem. IAS 18.7 Umsatzerlös darstellen müsse, wurde abgelehnt. Einerseits nimmt IAS 38.3a) immaterielle Vermögenswerte, die von einem Unternehmen zum Verkauf im normalen Geschäftsgang gehalten werden explizit aus dem scope des IAS 38 aus, andererseits konnte das Unternehmen nicht belegen, dass es in der Vergangenheit ähnliche Verkäufe getätigt hatte (eigentlicher Geschäftszweck ist FuE, nicht Verkauf).

IFRS 13 - Identifizierung nicht beobachtbarer Inputfaktoren

Eine Immobilien-/REIT-Gesellschaft (Real Estate Investment Trust) hat den Kapitalisierungszinssatz und einen sog. „stabilisierten Nettomietertrag“ (Nettomietertrag aus einem Portfolio, in dem alle Immobilien kontinuierlich während einer Berichtsperiode gehalten werden) als nicht beobachtbare wesentliche Inputfaktoren (key unobservable inputs) nach IFRS 13 angegeben. Für den Kapitalisierungszinssatz wurden alle von IFRS 13.93 (Bewertungsgrundlagen) angeforderten Informationen angegeben, hingegen für den „stabilisierten Nettomietertrag“ nicht. Begründung hierfür war, dass es aufgrund der (kumulierten) Portfoliobetrachtung keinen einzelnen Inputfaktor gebe. Der Enforcer stimmte dem nicht zu. Unter der Annahme einer nicht nur isoliert auftretenden Wertänderung bei einer Einheit ergeben sich gerade wesentliche Auswirkungen auf den kumulierten stabilisierten Nettomietertrag für das gesamte Immobilienportfolio. Deshalb war der nationale Enforcer der Meinung, dass der stabilisierte Nettomietertrag ein signifikanter nicht beobachtbarer Inputfaktor ist, für den die Angabepflichten des IFRS 13.93 zu erfüllen sind.

IAS 18, IFRS 8 – Angabe der Beträge von bedeutenden Kategorien von Erlösen

Nach den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden eines in die Untersuchung aufgenommenen Unternehmens werden die Umsatzerlöse in verschiedene Kategorien aufgeteilt, z.B. Maschinen, Ersatzteile, Einwegartikel und Dienstleistungen. Trotzdem wurden für die Berichterstattung nach IAS 18 die in der Periode erzielten (Umsatz-)Erlöse nur in zwei Kategorien, nämlich „revenue“ und „freight“ (Frachtgebühr) disaggregiert. Der Anteil von freight nahm dabei lediglich einen insignifikanten Umfang (weniger als 1%) ein. Nach Ansicht der Enforcers ist jedoch eine weitere Aufsplittung des Sammelpostens revenue im Einklang mit den dargestellten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden geboten. Gemäß IAS 18.35b) ist der Betrag jeder bedeutsamen Kategorie von Umsatzerlösen anzugeben. Gemäß IFRS 8.32 sind darüber hinaus die Umsatzerlöse von externen Kunden für jedes Produkt und jede Dienstleistung bzw. für jede Gruppe vergleichbarer Produkte und Dienstleistung auszuweisen. Durch die in den accounting policies getätigten Aussagen ist es nach Ansicht des Enforcers offensichtlich, dass es mehr bedeutsame Komponenten als die angegebenen gibt.

Praxis-Tipp: Unternehmen sollten individuelle Anwendungsfälle prüfen

Die aktuellen Veröffentlichungen zu Enforcemententscheidungen geben Aufschluss über die Anforderungen der europäischen Enforcementaufsicht ESMA. Unternehmen sind daher gefordert diese auf ihre individuellen Anwendungsfälle hin zu überprüfen und nachzuhalten.

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Schlagworte zum Thema:  ESMA, IAS, IFRS

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