17.03.2016 | European Financial Reporting Advisory Group

EFRAG-Stellungnahme zu vorgeschlagenem Leitliniendokument (ED/2015/8)

Welchen Stellenwert das Leitliniendokument in Zukunft haben wird ist noch unklar.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das Leitliniendokument zur Wesentlichkeit des IASB (ED/2015/8) wird von EFRAG als gute Hilfestellung unterstützt, es fehlt nach Auffassung von EFRAG jedoch noch am praktischem „Feinschliff“.

Das IASB hat Ende Oktober 2015 als Entwurf ein IFRS Practice Statement: Application of Materiality to Financial Statements veröffentlicht (ED/2015/8). Der Änderungsentwurf soll selbst kein offizieller Standard werden, sondern ein unverbindliches (non-mandatory) Leitliniendokument, welches Anwendungsbeispiele im Umgang mit Wesentlichkeit auf Abschlüsse geben soll. Die Klassifizierung als Leitliniendokument führt allerdings dazu, dass die Ausführungen in das Bound Volume aufgenommen werden.

Leitliniendokument kann Hilfestellung bei Entscheidungen über relevante Informationen sein

EFRAG hat am 8. März 2016 seine Stellungnahme zum ED an das IASB gesendet und dabei herausgestellt, dass die vorgeschlagenen Leitlinien eine Hilfestellung bei der Entscheidung über relevante Informationen sein könnten. Insbesondere die Veröffentlichung als Practice Statement sei von Vorteil, da die Einbettung in konkreten Standards ggf. in unterschiedlichen Rechtskreisen/Jurisdiktionen schwer durchsetzbar sei. Die „Kritik“ fällt dabei sanfter aus, als dies z. B. das DRSC in seiner Stellungnahme vom 17.2.2016 zum Ausdruck gebracht hatte. Nach Ansicht des DRSC sei der ED nämlich nur von eigenschränktem Nutzen („benefits of the proposed guidance are limited“).

Verbesserung bei der Anwendung von Wesentlichkeit sinnvoll

Gleichwohl findet auch EFRAG Verbesserungspotenzial. Hilfreich wären konkrete Leitlinien zur Anwendung von Wesentlichkeit, insbesondere durch Illustrative Examples. Dabei sei es von besonderem Nutzen, wenn die Entscheidungen herausgestellt würden, die zu einer Angabe geführt hätten. Um den praktischen Aspekt der Leitlinien zu steigern, sind nach Ansicht der EFRAG einzelne, noch offene Fragen zu klären. Besondere Relevanz hätten dabei die Fragen, wann Pflichtangaben im konkreten Unternehmenskontext weggelassen werden könnten (mangels Aussagekraft) bzw. zusätzliche Informationen gerade notwendig wären, um z. B. ein Geschäftsmodell zu verstehen. Am Ende müsse der Abschluss als Ganzes hinterfragt werden, ob dieser alle relevanten und notwendigen Informationen wiederspiegelt, um das Unternehmen zu verstehen („…review the financial statements as a whole, ensuring that each piece of information presented or disclosed is given appropriate emphasis and prominence, relative to its importance.“).

Praxis-Tipp: Stellenwert des Leitliniendokuments noch unklar

Das Leitliniendokument des IASB versucht eins der schwierigsten Felder der Berichterstattung klarzustellen. Die Kritik an dem Leitliniendokument war daher abzusehen. Fraglich dürfte jedoch sein, welchen Stellenwert das Leitliniendokument ‒ nach Finalisierung ‒ ggü. den „normalen“ IFRS (mandatory) hat, insbesondere, ob man es beachten kann oder faktisch muss.

Quelle:
EFRAG: Exposure Draft ED/2015/8 IFRS Practice Statement: Application of Materiality to Financial Statements

Schlagworte zum Thema:  EFRAG, IASB, Leitlinien, IFRS

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