| IAS 12

EFRAG sieht noch Verbesserungsbedarf

Bild: Haufe Online Redaktion

Noch Verbesserungsbedarf sieht die EFRAG beim Entwurf zu IAS 12, der sich dem Ansatz latenter Steueransprüche für nicht realisierte Verluste bei Vermögenswerten widmet, die mit dem beizulegenden Zeitwert bilanziert und im „other comprehensive income“ erfasst werden.

Schon im August 2014 wurde der Entwurf ED/2014/3 (Recognition of Deferred Tax Assets for Unrealised Losses - Proposed amendments to IAS 12) mit Klarstellungen zum Ansatz von aktiven latenten Steuern für nicht realisierte Verluste infolge von fair value-Änderungen von Schuldinstrumenten herausgegeben, die im sonstigen (Gesamt-)Ergebnis (other comprehensive income) erfasst werden.

Der Entwurf enthält insbesondere folgende Anpassungsvorschläge:

  • Ein zum Stichtag noch nicht realisierter Verlust bei einem festverzinslichen Finanzinstrument führt zu einer abzugsfähigen temporären Differenz, sofern eine Bewertung zum fair value erfolgt und der steuerliche Wert - ohne Berücksichtigung der Wertanpassung - weiterhin den fortgeführten Anschaffungskosten entspricht. Dies gilt unabhängig von der beabsichtigten (Halte-) Absicht bezogen auf das Finanzinstrument.
  • Unterscheidet das anwendbare (nationale) Steuerrecht zwischen verschiedenen Arten von steuerbaren Gewinnen, hat für jeden Teil des steuerpflichtigen Gewinns hinsichtlich der möglichen Steuerlatenzbildung eine eigenständige Beurteilung stattzufinden.
  • Bezogen auf die Schätzung des künftig zu versteuernden Gewinns, ist der Buchwert  nicht die Obergrenze.
  • Der zu versteuernde Gewinn, gegen den der Ansatz eines latenten Steueranspruchs geprüft wird, ist der Betrag vor Umkehr abzugsfähiger temporärer Differenzen.

Die Europäische Beratungsgruppe für Rechnungslegung (EFRAG) hat - durch ihr neues Gremium des EFRAG Boards - am 8. Januar 2015 ihre endgültige Stellungnahme hierzu eingereicht.

Wie bereits aus vorherigen Diskussionen ersichtlich, stimmt die EFRAG den vorgeschlagenen Änderungen dem Grunde nach zu. Im Detail wird jedoch zu einigen Formulierungen Verbesserungsbedarf angeregt. So wäre z.B. der Wortlaut im Beispiel, welches IAS 12.26d) anführt, auf die Anforderungen sowohl von IAS 39 als auch IFRS 9 anzupassen. Dies wäre auch konsistent mit den weiteren Beispielen des IAS 12, welche bereits auf beide Standards verweisen (z.B. Example IE6). Auch der neu hinzugefügte IAS 12.29A ist nach Ansicht der EFRAG anzupassen.

Weitere Diskussionen auf IASB-Ebene

Bezüglich der Schätzung des künftig zu versteuernden Gewinns darf nach IAS 12.29A die Annahme getroffen werden, dass die Realisierung eines Vermögenswerts über seinem Buchwert möglich ist, sofern dies auch wahrscheinlich ist. Bislang wäre nach dem Wortlaut des IAS 12.29A eine Einschätzung auf Vermögenswertebene zu treffen (on an asset by asset basis). Diese Herangehensweise empfindet die EFRAG als unpraktikabel. Daher sei der Wortlaut wie folgt anzupassen: “Estimating future taxable profit in future periods requires assessing whether and to what extent it is probable that the assets of the entity will be recovered … on an entity basis”.

Ein Veröffentlichungsdatum für die finalen Änderungen ist noch nicht bekannt. Im ersten Quartal 2015 werden weitere Diskussionen zum Thema auf IASB-Ebene gehalten. Auch ist ein Erstanwendungsdatum im IASB-Standard noch nicht vorgesehen.

Praxistipp

Der ED/2014/3 ist durch die EFRAG weitestgehend bestätigt worden. Mit partiellen Ausnahmen bzw. Anpassungsbedarf (z.B. zu IAS 12.29A) ist eine Übernahme in EU-Recht zu erwarten. Unternehmen mit zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Vermögenswerten, deren Änderungen im other comprehensive income erfasst werden, können sich aber anhand der Vorschläge bereits auf die künftige Steuerlatenzbildung vorbereiten.

Schlagworte zum Thema:  IAS, EFRAG, Latente Steuern

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