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Vorläufiges EFRAG-Konsultationsdokument zur Übernahme von IFRS 16 veröffentlicht

Endorsement-Verfahren zu IFRS 16: EFRAG spricht noch keine Übernahmeempfehlung aus und veröffentlicht Konsultationsdokument.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die EFRAG hat noch keine endgültige Meinung dazu, ob IFRS 16 alle formal notwendigen Kriterien für ein Endorsement erfüllt.

Endorsement-Verfahren

Die Europäische Beratungsgruppe für Rechnungslegung (EFRAG) ist im System der Übernahme von IFRS-Standards in europäisches Recht (Endorsement) eine entscheidende Instanz. Jeder vom IASB verabschiedete neue Standard, wie hier IFRS 16, muss zunächst nach dem in der IAS-Verordnung festgelegten Verfahren, dem Endorsement- bzw. Komitologieverfahren, durch einen separaten Rechtssetzungsakt auf EU-Ebene legitimiert werden.

Das Endorsement-Verfahren beginnt mit der Verabschiedung des neuen Standards durch den IASB. EFRAG prüft dann in den Folgemonaten, ob der verabschiedete IFRS die Beurteilungskriterien der IAS-Verordnung erfüllt. Erst nach Durchlauf dieses formellen Prozesses gibt EFRAG eine Übernahmeempfehlung an die Europäische Kommission. Die Entscheidung, ob ein Standard von „öffentlichem europäischem Interesse“ ist, wird anhand der Ausgewogenheit der qualitativen Anforderungen sowie einer Abwägung von Kosten und Nutzen beurteilt.

IAS 17 wird durch IFRS 16 ersetzt: Jedes zweite Unternehmen betroffen

Vor dem Hintergrund der Ablösung des fast 20 Jahre alten IAS 17 durch IFRS 16, ist der Übernahmeprozess für EFRAG daher von besonderer Bedeutung. Insbesondere, da nach Erhebungen des IASB gut jedes zweite nach IFRS bilanzierende Unternehmen von den Änderungen betroffen ist und auf Leasingnehmerseite durch den Wegfall der Unterscheidung von finance und operating lease für börsennotierte Handelsunternehmen eine Ausweitung der Bilanzsumme von ca. 21,4 % und eine Erhöhung des Verschuldungsgrades von 48 % auf 126 % geschätzt wurde.

Vorläufig: Qualitative Anforderungen erfüllt, Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich

Am 12.10.2016 hat nun EFRAG ein vorläufiges Konsultationsdokument in Bezug auf die Übernahme von IFRS 16 für die Anwendung in Europa herausgegeben. In der begleitenden Pressemitteilung kommt EFRAG zwar zum (vorläufigen) Schluss, dass die qualitativen Anforderungen erfüllt sind und europäischen Unternehmen kein Wettbewerbsnachteil durch die nicht volle Konvergenz mit den Vorschriften nach US-GAAP droht. Hinsichtlich des angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses (cost-benefit) wird jedoch eine sehr zurückhaltende Stellung bezogen.

DRSC bittet interessierte deutsche Unternehmen um Kommentare

Dieses – sonst häufig obligatorische - Kriterium sei nach Ansicht von EFRAG noch nicht erfüllt bzw. EFRAG hat sich hierzu noch keine abschließende Meinung bilden können („However, EFRAG has not yet assessed whether it would reach an acceptable cost-benefit trade-off.“). Es kann somit erwartet werden, dass die weiteren Arbeiten von EFRAG noch Einfluss auf die Beurteilung zur Übernahme haben können. Im Fragebogen sollen daher alle Anwender EFRAG über Sachverhalte informieren, die für eine Übernahmeempfehlung relevant sein können. Für interessierte deutsche Unternehmen bittet das DRSC Kommentare über sein Gremium bei EFRAG einzureichen.

Kommentare werden bis zum 8.12.2016 erbeten.

Praxistipp

Die Erfüllung des Kriteriums eines angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses von IFRS 16 ist eine wichtige Hürde, die es zu überspringen gilt. Auch wenn die bislang offene Stellung von EFRAG zu diesem Punkt etwas überrascht, mag bezweifelt werden, ob es letztendlich hier zu einem europäischem carve-out für IFRS 16 kommen kann. Dafür ist das Projekt auf europäischer Ebene – ähnlich IFRS 9 – von zu hoher Tragweite.

Quellen:

EFRAG requests comments on its Preliminary Consultation Document regarding the endorsement of IFRS 16 Leases

IASB shines light on leases by bringing them onto the balance sheet 

Gary Kabureck - Little to fear in new world of lease accounting

Schlagworte zum Thema:  EFRAG, IFRS

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