| EFRAG-Umfrage zur Goodwill-Bilanzierung

Aussichten auf Überarbeitung der Bilanzierungsvorgaben gering

Bild: Haufe Online Redaktion

Die Europäische Beratungsgruppe für Rechnungslegung (EFRAG) die Ergebnisse aus dem gemeinsam mit anderen Standardsetter erstellten Fragebogen zur Folgebewertung von Goodwill veröffentlicht. Sie machen wenig Hoffnung auf eine Überarbeitung der Bilanzierungsvorgaben.

Im Juli 2012 veröffentlichten die EFRAG und der italienische Standardsetter Organismo Italiano di Contabilita (OIC) einen gemeinsamen Fragebogen, der die Folgebewertung von Goodwill nach den Regelungen der IFRS zum Thema hatte („Questionnaire on the subsequent Measurement of Goodwill“). Insgesamt gingen beim EFRAG 48 ausgefüllte Fragebögen ein. Dabei waren 20 Ersteller, zehn Prüfer, fünf Analysten, sechs akademische Vertreter und sieben Standardsetter vertreten.

Unterschiedliche Meinungen zu Einzelfragen
Aus den Antworten hat EFRAG nun folgende Schlussfolgerungen gezogen:

  • Eine der zentralen Fragen befasste sich mit der Entscheidungsnützlichkeit des Bilanzpostens „Goodwill“. Die Umfrage ergab mit einem Rücklauf von 23 Antworten ein geteiltes Bild. 15 Antworten zufolge soll der Goodwill einen entscheidungsrelevanten Posten darstellen. Die gegenteilige Auffassung berief sich insbesondere auf die unverlässlichen Annahmen, die in die Bemessung/Bewertung einfließen würden.
  • Die Ergebnisse der Befragung zeigten auch auf, dass es sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt, wie Goodwill nach dem erstmaligen Ansatz zu bewerten sei. Manche präferierten hier einen direkten Vergleich zwischen Market Value Equity und Book Value Equity. Andere waren mit der Bewertung zum aktuellen Status quo zufrieden, wollten aber noch mehr Angaben in den Notes, u.a. eine Angabe der Ergebnisse der letzten fünf Wertminderungstests.
  • Auch waren die Befragten unterschiedlicher Meinung in Bezug auf die Zusammensetzung von Goodwill. So war ein weites Feld von Antworten vertreten, welches unter anderem als Gründe „Überbezahlung“, „Synergien“ oder „Bewertungsfehler“ aufführte.
  • Viele der Befragten gaben auch an, den Bilanzposten Goodwill in ihrer eigenen Analyse mit bestimmten Kriterien der Höhe nach anzupassen, um so ein gewisses Maß an Gesamtglaubwürdigkeit der Informationen überhaupt herzustellen. Insofern werden für Analysezwecke - teilt man die Auffassung der Befragten - nicht selten die (Finanzkenn-)Zahlen bzgl. Goodwill korrigiert.
  • Auch hinsichtlich der Prüfung des Wertminderungstests wurden Fragen gestellt. Das Ergebnis der Befragung war allerdings eher ernüchternd. Eine Mehrheit der befragten Prüfer, aber auch Ersteller, gab an, die Anforderungen des Wertminderungstests seien zu schwer. Problemfelder seien u.a. die Identifizierung von sog. cash generating units (CGU), die Zusammensetzung des Buchwerts der CGU, die Schlüsselung von gemeinschaftlich genutzten Vermögenswerten oder die Bestimmung einer adäquaten Diskontierungsrate.

Die Ergebnisse dieser Umfrage dienen als Eingabe für die Überprüfung von IFRS 3 nach dessen Einführung. Hierzu startet das IASB ein Projekt zum Ende dieses Jahres.

Ergebnisse überraschen nicht
Die Umfrageergebnisse überraschen nicht wirklich. Nicht umsonst stehen die Anforderungen von IFRS 3 und IAS 36 auf der Liste der Enforcer und sind als fortlaufender „Dauergast“ bei den jährlichen Enforcemententscheidungen (national und international) auch immer wieder vertreten. Inwiefern es durch die Ergebnisse in der dann nachfolgenden Überprüfung durch den IASB zu einer Wende in der Bilanzierung von Goodwill kommen wird bleibt abzuwarten. Zu viel Hoffnung für eine Überarbeitung der Bilanzierungsvorgaben besteht allerdings nicht.

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Schlagworte zum Thema:  Bilanzierung, Goodwill, EFRAG

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