15.02.2012 | IFRS

DPR: Ein Viertel aller geprüften Rechnungslegungen fehlerhaft

Die deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung hat jüngst ihren Tätigkeitsbericht 2011 veröffentlicht. Er ergibt, dass in einem Viertel aller vorgenommenen Prüfungen Fehler festgestellt wurden, wie z. B. eine unzureichende Berichterstattung oder Anwendungsschwierigkeiten bei einzelnen IFRS.

Die privatrechtlich organisierte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) prüft unter Beteiligung der BaFin seit einigen Jahren die Rechnungslegung von Unternehmen, die am regulierten Markt in Deutschland vertreten sind (sog. Enforcement). Ziel ist es, eine wahrhafte und transparente Rechnungslegung der kapitalmarktorientierten Unternehmen sicherzustellen.

Komplexe und aufwändige Prüfungen

Im Jahr 2011 hat die DPR 90 Stichprobenprüfungen und 20 anlassbezogene Prüfungen bzw. Verlangensprüfungen abgeschlossen. Viele wurden bei großen Finanzinstituten durchgeführt, die in erheblichem Umfang externe Prüfungskapazitäten zugekauft oder gutachterliche Stellungnahmen in Auftrag gegeben hatten. Die Prüfungen waren deshalb überwiegend sehr komplex und aufwändig.

Fehlerquote bei 25 %

Ein Viertel aller geprüften Rechnungslegungen waren ähnlich wie im Vorjahr fehlerhaft. Die normalisierte Fehlerquote, die um Mehrfachzählungen derselben Fehler und Prüfungen mit offenkundig fehlerhaftem Prüfungsergebnis bereinigt wurde, beträgt 19 %, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. In den 27 fehlerhaften Rechnungslegungen wurden im Durchschnitt 2-3 Einzelfehler gemacht. Teilweise handelt es sich dabei jedoch nur um unwesentliche Verstöße.

Fehlerquelle 1: Unzureichende Berichterstattung und fehlerhafte allgemeine Anhang-Angaben

Die meisten Fehler wurden bei der Berichterstattung im Lagebericht und im Anhang sowie bei den allgemeinen Anhang-Angaben gemacht:

  • Die Risiko- und Prognoseberichterstattung als Teil des Konzernlageberichts war in vier Fällen unzureichend. Teilweise wurde auch gar nicht auf objektiv vorhandene Chancen und Risiken eingegangen. Ebenso dürftig waren die Angaben zur Unternehmensentwicklung.
  • Die Angaben zu den etwaigen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Unternehmenssituation waren häufig unzureichend.
  • Es gab Unzulänglichkeiten in der Zwischenlageberichterstattung, in der Eigenkapitalveränderungsrechnung sowie in der Segmentberichterstattung.

Fehlerquelle 2: Schwierigkeiten bei einzelnen IFRS

Die zweithäufigste Fehlerurquelle lag in der fehlerhaften Anwendung bzw. Auslegung von einzelnen IFRS oder Problemen mit dem Umfang. Dies zeigte sich insbesondere bei der bilanziellen Behandlung von Unternehmenserwerben, wie im Bereich des Goodwill Impairment Tests und der Kaufpreisallokation. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich an dieser Stelle jedoch die Fehler auf die Hälfte reduziert. 

Fehlerquelle 3: Schwierigkeiten bei der Ertragsrealisierung

Eine regelmäßige Fehlerquelle liegt in der Bilanzierung von Erträgen. Die fünf identifizierten Einzelfehler betrafen den Bereich der Ertragsrealisierung (sowohl dem Grund als auch der Höhe nach). So wurden z. B. Eventualforderungen unzulässigerweise angesetzt, oder es wurden falsche Berechnungsmethoden für abzugrenzende Umsätze zugrunde gelegt. Auch kam es vor, dass Transaktionen unter Anteilseignern erfolgswirksam behandelt wurden.

Fehlerquelle 4: Fehlerhafter Ausweis sowie Anhang-Angaben bei Finanzinstrumenten

Bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten wurden ebenfalls (vgl. Fehlerquelle 2) Anwendungsschwierigkeiten festgestellt. Hier wurden bei den Angabepflichten im (Konzern-)Anhang und bei Bewertungsfragen vier Einzelfehler gemacht.

Fehlerquelle 5: Schwierigkeiten mit der Kapitalflussrechnung

Vier Fehler wurden bei der Erstellung der Kapitalflussrechnung festgestellt. So wurden zum Beispiel bestimmte Zahlungsströme einer falschen Cash Flow-Kategorie zugeordnet.

Präventive Maßnahmen zur Fehlerreduzierung in der Zukunft

Im Rahmen der „IASB Agenda Consultation 2011“ hat die DPR basierend auf Erfahrungen aus mehr als 700 Prüfungen Verbesserungsvorschläge erarbeitet, um die IFRS-Anwendung für die Ersteller zu erleichtern. Darüber hinaus setzt sich die DPR seit Ende 2011 mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften darüber auseinander, wie die in der Vergangenheit festgestellten Fehler in der Zukunft vermieden werden können.

Der Prüfungsschwerpunkt der DPR wird laut des DPR-Berichtes im Jahr 2012 auf Bewertungs- und Berichterstattungsthemen im Zusammenhang mit der Staatschuldenkrise liegen, aber auch die üblichen fehlerhaften bilanzielle Sachverhalte werden wieder im Fokus der DPR- Prüfungen stehen.

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