14.08.2012 | De-Mail-Gesetz

De-Mail kommt zögerlich ins Rollen

De-Mail für Geschäftskorrespondenz attraktiv
Bild: Haufe Online Redaktion

Seit Mai 2011 gilt das De-Mail-Gesetz. Es soll die Einführung einer sicheren, vertraulichen und nachweisbaren E-Mail-Kommunikation ermöglichen. Doch für Endanwender und den Mittelstand gibt es bislang erst ein nutzbares Angebot.

Die IT-Messe Cebit im März dieses Jahres sollte eigentlich der Startschuss sein für die breitenwirksame Einführung der De-Mail-Technik. Diese erlaubt unter anderem den Nachweis, dass eine bestimmte Nachricht auf elektronischem Wege tatsächlich dem Empfänger zugestellt wurde. De-Mail ist damit für Geschäftskorrespondenz und insbesondere für den Rechnungsversand attraktiv. Am 6. März 2012 erhielten auf der Cebit in Hannover die ersten drei Anbieter die notwendige De-Mail-Zulassung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

Telekom konzentriert sich zunächst auf Großkunden, United Internet und Post ohne Zulassung

Zwei der drei De-Mail-Zulassungen gingen an die Deutsche Telekom AG und deren Tochterunternehmen T-Systems. Diese haben sich seither nach Auskunft der Telekom-Pressestelle bei der Vermarktung erst einmal ausschließlich auf Großkunden beschränkt. Für den September sei geplant, auch Privatkunden und den Mittelstand zu bedienen.

Das andere Branchenschwergewicht, die United-Internet-Gruppe mit den Marken 1&1, GMX und Web.de, hat sich immer nachdrücklich für De-Mail eingesetzt und lässt die eigenen Kunden ebenfalls schon seit dem Jahr 2010 De-Mail-Adressen reservieren. Allerdings war die United-Internet-Gruppe auf der Cebit nicht unter den Zulassungspionieren und hat auch zwischenzeitlich noch keine Genehmigung erhalten. Doch bis Jahresende, so heißt es, soll es auch bei United Internet mit De-Mail wirklich losgehen. Den Start hatte das Unternehmen einst allerdings auch schon für den Herbst 2011 angekündigt.

Die Deutsche Post AG wiederum ist mit dem Produkt E-Postbrief vorgeprescht und war mit diesem Service schon im Juli 2010, lange vor Inkrafttreten des De-Mail-Gesetzes, am Markt. Der E-Postbrief ähnelt in mehrerer Hinsicht deutlich der De-Mail - ist aber nicht kompatibel, weil er nicht den De-Mail-Spezifikationen entspricht. Laut dem Unternehmen nutzen aktuell eine Million Privatkunden, 4.000 Mittelständler und über 100 Großunternehmen den E-Postbrief. Dennoch hat die Post auf der Cebit mitgeteilt, nun zusätzlich einen eigenen, vom E-Postbrief getrennten De-Mail-Dienst aufbauen zu wollen. Eine entsprechende Zulassung hat die Post bisher nicht.

Mentana-Claimsoft: Portal und Gateway-Lösung für alle Kundengruppen

Der einzige De-Mail-Anbieter, der schon jetzt auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Endverbraucher bedient ist die Mentana-Claimsoft GmbH. Das Unternehmen zählt 35 Mitarbeiter, besteht seit 1996 und gehört seit vorigem Jahr zur Francotyp-Postalia-Gruppe, die auf Frankier- und Kuvertiermaschinen sowie ergänzende Dienstleistungen spezialisiert ist.

“Bei uns war es den Kunden ab dem Tag, als wir auf der Cebit die Zulassung erhielten, möglich, unser De-Mail-Angebot zu nutzen. Wir haben im Vorfeld der Akkreditierung alle notwendigen Entwicklungen fertiggestellt und die im Zulassungsprozess vorgesehenen Prüfverfahren durchlaufen”, sagt Mentana-Claimsoft-Sprecher Ulrich Willms.

Die Angebot richtet sich an alle Zielgruppen - von Privatperson, die sich auf dem Portal www.fp-demail.de anmelden können, über kleine und mittlere Unternehmen bis hin zu Großkonzernen. Für Dienstleister, die bereits jetzt E-Mail-Anwendungen für Drittanwender betreiben, könne zudem auch ein mandantenfähiges Gateway bereitgestellt werden.

Das Empfangen von De-Mails sei dabei stets kostenlos wie beim physischen Brief. Die Preise für das Versenden von De-Mails beginnen laut Mentana-Claimsoft bei 28 Cent netto. Für die Registrierung und das anfangs durchzuführende Identverfahren falle eine einmalige Gebühr von 9,90 Euro an. Wollen Behörden und Unternehmen De-Mail bequem im eigenen Netzwerk nutzen, sei der kostenpflichtige Betrieb eines De-Mail-Gateways notwendig. Hier betragen demnach die Lizenzkosten für zehn User 99 Euro netto monatlich.

Für die Korrespondenz per De-Mail wird bei Mentana-Claimsoft dabei gegebenenfalls eine neue De-Mail-Domäne parallel zu einer bereits verwendeten E-Mail-Domäne registriert. E-Mails und De-Mails landen bei Gateway-Kunden in einem Postfach. Sowohl für das E-Mail-Programm Outlook als auch für Lotus Notes stünden Add-Ons für das Handling von De-Mails bereit.

Die Masse soll’s machen

Wie geht es mit De-Mail weiter? Zunächst stehen bei allen Anbietern Groß- und Massenversender weit oben auf der Wunschliste in Sachen Kundschaft. Die Telekom etwa teilt mit, man habe die Versicherung HUK 24, die Targobank, TNT Post, die Deutsche Rente, den privaten Krankenversicherer Barmenia und die Stuttgarter Lebensversicherung als De-Mail-Kunden gewonnen. Auch die öffentliche Verwaltung ist im Visier des De-Mail-Marketings, wie etwa die Post erklärt.

Für den Privatkunden- und KMU-Sektor gibt es derweil abgesehen von Mentana-Claimsoft erst mal nur gut eine Million Adressreservierungen (Telekom und United Internet zusammen) und etliche Ankündigungen. 1&1 will laut schon veröffentlichen Tariftabellen - zunächst für Geschäftskunden - künftig ein De-Mail-Paket für monatlich 9,99 Euro netto anbieten, das den Versand von 50 De-Mails einschließt (rund 20 Cent pro De-Mail). Jede weitere De-Mail kostet 33 Cent netto.

Die Deutsche Telekom hat mitgeteilt, ihr kommendes De-Mail-Angebot sehe einen Bruttopreis von 39 Cent pro verschickter De-Mail vor. Die Post nennt für ihren geplanten De-Mail-Service noch keine Preisdetails. Ein E-Postbrief kostet in der elektronischen Zustellung 55 Cent, wie sein Pendant auf Papier.

Harte Bandagen und Kritik

Das De-Mail-Geschäft gilt als Milliardenmarkt. “Bis 2018 werden De-Mails an vielen Stellen E-Mails, Briefe und Faxe ersetzen”, prognostiziert beispielsweise Telekom-Sprecher Ralf Sauerzapf. “Jährlich werden 1.800 Milliarden E-Mails versendet. Wenn nur ein Prozent davon aus Gründen der Sicherheit künftig über De-Mail laufen, wären dies bereits 18 Milliarden. Hinzu kommen jährlich 17,5 Milliarden Briefe. Rund die Hälfte davon ließen sich wohl durch De-Mails ersetzen. Von den jährlich 5,4 Milliarden versandten Faxen könnten ebenfalls rund 40 Prozent durch De-Mails ersetzt werden, was weitere 2,1 Milliarden De-Mail-Nachrichten entspricht”, rechnet Sauerzapf vor. Auch United Internet sieht in De-Mail ein wichtiges strategisches Wachstumsfeld, wie Matthias Ehrlich, Geschäftsführer United Internet Dialog, erklärt.

Entsprechend hart geht es im De-Mail-Wettbewerb zur Sache - vor allem zwischen den einstigen Staatsbetrieben Telekom und Post. So setzte die Post gerichtlich durch, dass sie ihr Identifikationsverfahren nicht für die De-Mail-Angebote von Telekom, United Internet und anderen E-Postbrief-Konkurrenten zur Verfügung stellen muss. Die Telekom will die Identifikation ihrer De-Mail-Kunden nun über TNT-Post und andere Anbieter abwickeln. Die Post ihrerseits hat zwischenzeitlich den Telefonanbieter gewechselt und telefoniert nun über Vodafone statt über die Telekom. Das soll laut einem Postsprecher nichts mit dem De-Mail-Zwist zu tun haben.

Immer wieder wird auch Kritik an De-Mail laut. So hält etwa der Chaos Computer Club an seinem Einwand fest, dass die fehlende Verpflichtung zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei De-Mail ein Sicherheitsproblem darstelle. Ausspähung und Manipulation sei damit auf dem Übertragungswege möglich.

Schlagworte zum Thema:  De-Mail, Rechnung, Kommunikation

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