15.11.2012 | Diskussion um Bilanzierungsstandards

IASB-Chef hält an Leasingprojekt fest

Bild: Michael Bamberger

Hans Hoogervorst, Vorsitzender des IASB, hat auf zwei Vorlesungen in der jüngeren Vergangenheit bekräftigt, an den Reformvorschlägen des IASB zur Bilanzierung von Leasingfinanzierungen festzuhalten.

Hoogervorst nutzte verschiedenen Veranstaltungen, so bei der London School of Economics am 6. November 2012 sowie bei einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments (ECON) am 5. November 2012, um die Position des IASB zu einzelnen aktuellen Fragestellungen der IFRS zu verdeutlichen. Neben dem Projekt „Leasing“ sprach er dabei die globale Übernahme der IFRS insbesondere in den USA, aber auch das Thema Bilanzierung von Goodwill an.

Die Fortführung des Leasingprojekts rechtfertigte er mit der Mehrheit der Nichterfassung von Leasingverhältnissen - trotz eindeutiger Finanzierungselemente - in der Bilanz der Leasingnehmer (On-Balance). In diesem Zusammenhang hielt er fest: „Companies tend to love off-balance sheet financing, as it masks the true extent of their leverage and many of those that make extensive use of leasing for this purpose are not happy“.

Insbesondere die lobbyistischen Bemühungen einiger Interessenvertreter, die sich weiterhin gegen die Reformvorschläge stemmten, wären zu erwarten gewesen. Dies sei gleichwohl notwendiger Bestandteil des mühseligen Kampfes für fortschreitende Bilanzierungsreformen. Ähnliches wäre man schon seit der Überarbeitung anderer Bereiche (z.B. IAS 19 zu Änderung der Pensionsbilanzierung) gewohnt gewesen. Auch jüngsten Versuchen, den Standardentwurf durch weitere Kritik zu entschärfen, begegnet er mit Entschlossenheit und hofft auf Unterstützung, um die Vorschläge zur Leasingbilanzierung durchzusetzen.

Hängepartie in den USA

Auch das allgegenwärtige Thema „Globalisierung der IFRS“ sprach er an. Die Kommuniqués der G-20 forderten das IASB zu einer raschen Bewegung hin zu globalen Rechnungslegungsstandards auf. Einen Schritt rückwärts könne es nicht geben, da bereits viele Länder die IFRS übernommen hätten. Zu einer Übernahme der IFRS in den USA meinte der Vorsitzende nur, dass es wichtig sei, kurzfristig voranzukommen. Weitere Nachrichten hierzu werden für 2013 erwartet. Allerdings sprach er auch von einem nicht verständlichen und enttäuschenden Zögern. Indes bestehe auch die Hoffnung auf eine Fortentwicklung nach den Präsidentschaftswahlen.

Schließlich sprach er auch Thema der Bilanzierung von Goodwill an und dabei insbesondere die Frage, ob eine Überarbeitung der Wertminderungsregelungen sinnvoll sei. Nach Ansicht des IASB-Vorsitzenden wird Geschäfts- oder Firmenwert in zu hohem Umfang bilanziert. Er sprach sich aber ausdrücklich gegen eine nicht durchdachte sofortige Abschreibung sowie willkürliche Amortisierung von Geschäfts- Goodwill aus. Allerdings gab er zu bedenken, ob die gegenwärtigen Regelungen nicht streng genug seien.

Fazit: Den Äußerungen des IASB-Vorsitzenden lässt sich der Wille zum Festhalten an strittigen Punkten entnehmen. Beim Thema Leasing soll sich an den Grundreformbestrebungen des IASB aller Voraussicht nach nichts ändern. Weiterhin lassen sich seine Äußerungen zur Wertminderung von Goodwill dahingehend interpretieren, dass die Regelungen nach gegenwärtigem Stand noch zu viel Spielraum in der Anwendung lassen. Eine Überarbeitung ist somit nicht unwahrscheinlich. Das Thema Übernahme der IFRS in den USA bleibt hingegen weiterhin ein Politikum ohne genauen Zeitrahmen.

Quelle:

http://www.ifrs.org/Alerts/Conference/Documents/HH-LSE-November-2012.pdf

http://www.ifrs.org/Alerts/Conference/Pages/HH-speech-LSE-November-2012.aspx

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