15.07.2014 | Top-Thema Berufsrecht - Österreich hat es besser

Vorbehaltsaufgaben und Rahmenbedingungen für Buchhalter

Kapitel
Bild: Michael Bamberger

Die IHK-Prüfung zum Geprüften Bilanzbuchhalter gilt in Deutschland als hoch angesehene Qualifikation, die die Absolventen auf Führungsaufgaben im Rechnungswesen gut vorbereitet. Sie bereiten sich u. a. darauf vor, Jahresabschlüsse zu erstellen – in Grundzügen auch in IFRS –, steuerliche Grundlagen, wobei insbesondere die Lohn- und Umsatzsteuer gewichtige Rollen einnehmen, die Finanzbuchhaltung und Bilanzierung sowie die Kosten- und Leistungsrechnung.

In Betrieben unterschreibt der Geschäftsführer oder Prokurist die entsprechenden Erklärungen und so gibt es faktisch keine Befugnisprobleme für angestellte Buchhalter.

Angestellte dürfen alles, weil der Prokurist unterschreibt – Selbstständige hingegen nur sehr wenig

Anders die Situation für selbstständige Bilanzbuchhalter. Obwohl die oben genannten Bereiche in der Aufstiegsfortbildung allesamt abgeprüft werden, dürfen sie aufgrund des Steuerberatungsgesetzes (StBerG) eine Reihe dieser Aufgaben nicht ausführen. So schreibt § 5 Abs. 1 StBerG vor, dass (Bilanz-)Buchhalter keinen geschäftsmäßigen Rat in Steuersachen erteilen dürfen. Hierzu befugt sind ausschließlich Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und mit starken Einschränkungen Lohnsteuerhilfevereine.

Striktes Regime der Vorbehaltsaufgaben

Zu den Vorbehaltsaufgaben gehören u. a.:

  • die Einrichtung der Buchhaltung,
  • die Bilanzierung und
  • die Erstellung von Umsatzsteuer-Voranmeldungen.

Selbstständige Buchhalter haben also erhebliche berufsrechtliche Beschränkungen. Ein Verstoß kann als wettbewerbswidriges Handeln mit einer Abmahnung oder Unterlassungsklage von Steuerberatern und Steuerberaterkammern geahndet werden. Zudem kann für eine Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro für jeden Fall des Verstoßes verhängt werden.

Erlaubt ist den Buchhaltern als Ausnahmen vom Verbot der unbefugten Hilfeleistung in Steuersachen allein:

  • mechanische Arbeitsgänge bei der Führung von Büchern und Aufzeichnungen, die für die Besteuerung von Bedeutung sind,
  • die Verbuchung und das Kontieren laufender Geschäftsvorfälle,
  • die Anfertigung laufender Lohnabrechnung inklusive
  • der Lohnsteuermeldungen.

Unproblematisch ist der Bereich der betriebswirtschaftlichen Beratung wie die Rechtsformwahl oder die Existenzgründungsberatung.

Verstoß gegen das UWG führt zur Abmahnung

Achtung: In der Werbung sollten umfassende Begrifflichkeiten wie „Buchhaltung“ oder „Buchführung“ unbedingt vermieden werden. Grund: Ohne Einschränkung würde hierdurch ein irreführender Eindruck einer umfassenden Hilfeleistung in Steuersachen erweckt werden, was als Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gewertet werden könnte. In der Praxis erfolgen die meisten Abmahnungen wegen UWG-Verstößen und nicht aufgrund des Steuerberatungsgesetzes.

Praxis-Tipp:

Im Internet oder auf der Visitenkarte sollte eine Formulierung im folgenden Stil verwendet werden: „Im Bereich der Hilfe in Steuersachen biete ich das Buchen laufender Geschäftsvorfälle, die laufende Lohnabrechnung und das Fertigen der Lohnsteueranmeldung an.“

Schlagworte zum Thema:  Berufsrecht, Steuerberater, Bilanzbuchhalter

Aktuell

Meistgelesen