15.07.2014 | Top-Thema Berufsrecht - Österreich hat es besser

Modell freier Mitarbeiter beim Steuerberater ist im Trend

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Als freie Mitarbeiter von Steuerberatern sind (Bilanz-)Buchhalter durchaus gefragt – mit steigender Tendenz. Steuerberater, die zunehmend mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben, stützen sich immer öfter auf die Zuarbeit von selbstständigen (Bilanz-)Buchhaltern, die dafür sorgen, dass die Mandanten kompetent und zeitnah bedient werden können.

Achtung: Nachdem Buchhalter gewerblich tätig sind und Steuerberater nicht mit Gewerbetreibenden kooperieren dürfen, müssen beide Seiten aufpassen, dass im Außenverhältnis das Über-Unterordnungsprinzip klar zum Vorschein kommt. Wichtig ist hier, dass der freie Mitarbeiter weisungsgebunden unter der fachlichen Aufsicht und beruflichen Verantwortung des Steuerberaters tätig wird. Nur dieser allein haftet gegenüber dem Mandanten und rechnet das Honorar ab. Geregelt ist die Zusammenarbeit im § 17 der Berufsordnung der Steuerberater.

Hinweis auf „Kooperation“ mit Steuerberater ist verboten

Wer hier Fehler macht, was in der Praxis leider all zu oft vorkommt, riskiert eine Abmahnung. Ein marketingtechnischer Hinweis auf eine „Kooperation“, „Bürogemeinschaft“ oder sogar „Sozietät“ – etwa auf der Homepage – wäre ein solcher. Bekannt ist, dass es Steuerberaterkammern gibt, die besonders häufig Bilanzbuchhalter oder Steuerberater abmahnen – dazu gehört die Düsseldorfer. Üblicherweise sollten Steuerberater und Buchhalter einen Dienstvertrag vereinbaren. Hierdurch ist gewährleistet, dass der Steuerberater in fachlichen Fragen Weisungen erteilen kann. Gewährleistungsrechte sind hier ausgeschlossen. Allein die Tätigkeit, aber kein bestimmter Erfolg, ist zu leisten.

Arbeitet der freie Mitarbeiter ausschließlich für einen Steuerberater besteht die Gefahr, dass dies als Scheinselbstständigkeit gewertet wird. Selbstverständlich können Steuerberater Buchhalter in ihrer Kanzlei fest anstellen. Dann sind diese fest integriert, allerdings sind diese dann sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen, haben Anspruch auf Urlaub und Fortzahlung im Krankheitsfall.

Der freie Mitarbeiter unterscheidet sich vom Arbeitnehmer dadurch, dass er seine Tätigkeit selbstständig und nicht in persönlicher Abhängigkeit und fremdbestimmt erbringt.

Aufpassen bei Honorarverteilung

In aller Regel funktioniert heute die freie Mitarbeit zwischen Steuerberater und Buchhalter reibungslos. In der Praxis hat sich dieses Modell etabliert. Hinsichtlich der Honoraraufteilung gibt Rechtsanwalt Matthias Pruns von Schiffer & Partner in Bonn den Tipp, dass diese „frei ausgehandelt sein muss und außerdem dem jeweils geleisteten Arbeitsaufwand entsprechen muss. Der selbstständige Bilanzbuchhalter darf nicht das vollständige Honorar vom Mandanten vereinnahmen und dann dem Steuerberater seinen Anteil überweisen."

Schlagworte zum Thema:  Berufsrecht, Steuerberater, Bilanzbuchhalter

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