15.07.2014 | Top-Thema Berufsrecht - Österreich hat es besser

Kommentar: Mit Zähnen und Klauen

Kapitel
Bild: Michael Bamberger

Nirgendwo sonst sind die Vorbehaltsaufgaben so ausgeprägt wie in Deutschland. Innerhalb Europas gibt es entweder keine oder deutlich liberalere Regelungen im Steuer- und Rechnungswesen. Steuerberater genießen hierzulande Welpenschutz etwa für die Finanzbuchhaltung, die Jahresabschlusserstellung und Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Dass Bilanzbuchhalter bei ihren Prüfungen umfassend zu solchen Themen Wissen parat  haben müssen, aber als Selbstständige nicht praktizieren dürfen, ist nur eine von vielen Widersprüchen im deutschen System, das doch in erster Linie der Marktabschottung dient. Aus Sicht der Bundessteuerberaterkammer wird dann gerne von Verbraucherschutz gesprochen, doch das klingt nicht sehr überzeugend. Wurden denn Unternehmen hierzu befragt?

Mit Argusaugen wachen die Gralshüter der „Steuerrechtspflege“ über ihre Pfründe, die es mit Zähnen und Klauen gegen Buchhalter zu verteidigen gilt. Und so verstecken sich – mal wieder auf wundersamer Weise - in den Verästelungen des aktuellen „Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ – einem Omnibusgesetz im Stil eines Jahressteuergesetzes – zwei berufsrechtliche Änderungen, die (Bilanz-)Buchhaltern gar nicht schmecken dürften: So sollen Finanzämter als Ermittlungsbeamte für die Steuerberaterkammern fungieren, um „Wiederholungstäter“, die unbefugte Hilfeleistung in Steuersachen leisten – und das kann schon die Erstellung einer Umsatzsteuer-Voranmeldung sein! – zu denunzieren. Die Kammern wiederum können dann mit der Keule der wettbewerbsrechtlichen Verfolgung einschreiten. Am 11. Juli soll der Bundesrat das abnicken – so der Plan.

Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller hat erst spät von diesen Vorhaben erfahren, doch dann schnell und zielgerichtet reagiert. Mit seiner Stellungnahme wurde er immerhin zu einer Anhörung des Finanzausschusses des Bundestags am 23. Juni geladen. Ob der BVBC diese Änderung verhindern kann, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Doch wehren muss man sich, um lobbyträchtige und fragwürdige Gesetzesänderungen zu vermeiden.

Berufsfreiheit, Gleichberechtigung und europarechtlich einwandfreie Regelungen sind Werte, um die es sich zu kämpfen lohnt.

Schlagworte zum Thema:  Berufsrecht, Steuerberater, Bilanzbuchhalter

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