31.01.2012 | Jahresabschluss & Bilanzierung

Außerplanmäßige Abschreibung oder Drohverlustrückstellung?

Bilanz Check-up, Teil 2: Sind drohende Verluste aus der Verwertung der Leasinggegenstände nach Beendigung des Leasingvertrags in der Bilanz des Leasinggebers als außerplanmäßige Abschreibung oder durch eine Drohverlustrückstellung zu berücksichtigen? Das OLG Düsseldorf und der Hauptfachausschuss des IDW sind da unterschiedlicher Ansicht.

Das OLG Düsseldorf hatte zu entscheiden, ob drohende Verluste aus der Verwertung der Leasinggegenstände nach Beendigung des Leasingvertrags (Restwertrisiken) in der Bilanz des Leasinggebers als außerplanmäßige Abschreibung nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB oder durch eine Drohverlustrückstellung nach § 249 Abs. 1 Satz 1 2. Alt. HGB zu berücksichtigen sind. Mit Beschluss des OLG Düsseldorf vom 19.5.2010 (Az. 26 W 4/08 (AktE) rkr., DB 2010 S. 1454) ist der Bildung einer Drohverlustrückstellung für Restwertrisiken Vorrang vor einer außerplanmäßigen Abschreibung zu geben. Das OLG Düsseldorf begründet seine Entscheidung damit, dass eine Verpflichtung des Leasinggebers bestünde, den Werteverzehr des Leasingobjekts gegenüber dem Leasingnehmer zu tragen. Nach Ansicht des Gerichts würde der Charakter des schwebenden Geschäfts besser durch den Ausweis der Restwertrisiken als Drohverlustrückstellung abgebildet werden.

Praxishinweis

Die Entscheidung des OLG Düsseldorf steht im Widerspruch zu IDW HFA 4 „Zweifelsfragen zum Ansatz und zur Bewertung von Drohverlustrückstellungen nach dem der Vermögensgegenstand zuerst außerplanmäßig anzuschreiben ist; nur ein überschießender, aktivisch nicht berücksichtigungsfähiger Verlust ist durch eine Drohverlustrückstellung zu erfassen (FN-IDW 2010 S. 298). Der HFA hält an dieser Auffassung auch nach der Entscheidung des OLG Düsseldorf fest. Indes wird es nicht zu beanstanden sein, wenn Unternehmen unter Verweis auf den rechtskräftigen Beschluss des OLG Düsseldorf Restwertrisiken ausschließlich über eine Drohverlustrückstellung berücksichtigen.

 

Dieser Bilanz Check-up ist Teil einer Serie, die die Entwicklungen der Rechnungslegung des Jahres 2011 in den Blick nimmt. Sie ist entnommen aus dem von WP/StB Prof. Dr. Peter Wollmert und WP/StB Prof. Dr. Peter Oser und einem Expertenteam von Ernst & Young verfassten Bilanz Check-up 2012, der am 20.1.2012 bei Haufe erschienen ist.

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