Zu verzinsen ist gem. § 233a Abs. 3 Satz 1 AO der Unterschiedsbetrag zwischen der festgesetzten Steuer und den Steuerabzugsbeträgen (Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer), der ggf. anzurechnenden Körperschaftsteuer und den bis zum Beginn des Zinslaufs festgesetzten Vorauszahlungen (sog. Sollverzinsung). Unerheblich ist, ob die Vorauszahlungen entrichtet worden sind oder nicht.

 
Praxis-Beispiel

Zinsberechnung

Der Einkommensteuerbescheid für 01 wird am 6.5.03 wirksam. Die Steuer ist auf 7.818 EUR, die Vorauszahlungen waren auf 2.000 EUR festgesetzt, der Lohnsteuerabzug beträgt 3.000 EUR. Es sind somit 2.818 EUR nachzuzahlen. Der Zinslauf beginnt am 1.4.03 und endet am 6.5.03. Zu verzinsen ist ein voller Monat mit 0,5 % von (abgerundet auf) 2.800 EUR = 14 EUR. Unerheblich ist, ob die Vorauszahlungen geleistet worden sind oder nicht.

Würde der Nachzahlungsbetrag weniger als 2.000 EUR betragen, ergäben sich Zinsen von weniger als 10 EUR. Eine Zinsfestsetzung würde nach § 239 Abs. 2 AO unterbleiben. Würde der Einkommensteuerbescheid bereits im April – bis 29. – wirksam werden, könnten keine Zinsen entstehen, da kein voller Zinsmonat abgelaufen wäre.

 
Wichtig

Vermeidung von Zinsen durch freiwillige Vorauszahlungen

Zeichnet sich ab, dass eine Einkommensteuerfestsetzung mit zu erwartender Steuernachzahlung erst nach Ablauf der Karenzzeit mit der Folge von Nachzahlungszinsen erfolgen wird, besteht die Möglichkeit, die Festsetzung von Zinsen zu vermeiden, indem der Steuerpflichtige eine entsprechende freiwillige Einkommensteuervorauszahlung leistet. Zwar bleiben auch freiwillig geleistete Vorauszahlungen unberücksichtigt, jedoch sind die Finanzämter angewiesen, hierauf die Vorauszahlungsfestsetzung anzupassen.[1] Leistet der Steuerpflichtige vor Ablauf der Karenzzeit eine freiwillige Vorauszahlung, ist dies als Antrag auf Anpassung der bisher festgesetzten Vorauszahlungen i. S. d. § 37 Abs. 3 Satz 3 EStG anzusehen. Diesem Antrag soll das Finanzamt regelmäßig entsprechen. Eine nachträgliche Erhöhung der Vorauszahlungen zur Einkommensteuer erfolgt nach § 37 Abs. 5 EStG jedoch nur dann, wenn der Erhöhungsbetrag mindestens 5.000 EUR beträgt. Wichtig ist dabei, dass der Vorauszahlungsbescheid noch vor Beginn der Zinslaufzeit ergeht.

Darüber hinaus kann der Steuerpflichtige die Zahlung von Nachzahlungszinsen durch die freiwillige Zahlung auf die durch die Steuerfestsetzung zu erwartende Zahlungsschuld vermeiden. Zwar bleiben auch vor der Steuerfestsetzung freiwillig geleistete Zahlungen auf die künftige Zahlungsschuld bei der Berechnung der Zinsen unberücksichtigt.[2] Jedoch besteht die Möglichkeit, dass ihm die Nachzahlungszinsen auf Antrag erlassen werden.[3] Im Übrigen sollen die Finanzämter, wenn der Steuerpflichtige nach Ablauf der Karenzzeit eine freiwillige Zahlung leistet, bei Vorliegen der Steuererklärung unverzüglich eine Steuerfestsetzung durchführen. Diese Steuerfestsetzung kann zur Beschleunigung auch durch eine Festsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung erfolgen. In diesem Fall kann sich die Steuerfestsetzung auf die bisher festgesetzten Vorauszahlungen zuzüglich der freiwillig geleisteten Zahlungen beschränken. Auf die Angabe der Besteuerungsgrundlagen kann dabei verzichtet werden.[4]

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge