Zeitwert nach HGB, EStG und... / 4.3.1 Abschreibung auf den Zeitwert
 

Rz. 92

Für das Anlagevermögen in der Handelsbilanz gilt, dass bei einem unter die fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten gesunkenen Zeitwert

  • bei voraussichtlich dauernder Wertminderung eine Abschreibung vorgenommen werden muss (Abschreibungszwang gem. § 253 Abs. 3 Satz 5 HGB; strenges Niederstwertprinzip),
  • bei voraussichtlich nicht dauernder Wertminderung an Vermögensgegenständen keine Abschreibung vorgenommen werden darf,
  • bei voraussichtlich nicht dauernder Wertminderung an Finanzanlagen eine Abschreibung vorgenommen werden darf (auf Finanzanlagen eingeschränktes Abschreibungswahlrecht gem. § 253 Abs. 3 Satz 6 HGB, gemildertes Niederstwertprinzip).

Es handelt sich dabei jeweils um eine außerplanmäßige Abschreibung.

 

Rz. 93

Eine dauernde Wertminderung liegt immer vor, wenn die Wertminderung endgültig ist. Eine nur vorübergehende und damit nicht dauernde Wertminderung ist gegeben, wenn eine Wertsteigerung nach dem Bilanzstichtag eintritt und bis zur Bilanzaufstellung den Buchwert erreicht.[1]

 

Rz. 94

Zweifel hinsichtlich der Dauer der Wertminderung können bei jenen Wertminderungen bestehen, deren Dauerhaftigkeit sich auch innerhalb des Bilanzaufstellungszeitraums nicht beurteilen lässt. Nach dem Grundsatz der Vorsicht sollte in Zweifelsfällen eher von einer dauernden Wertminderung ausgegangen werden. Eine nur vorübergehende Wertminderung kann nur dann angenommen werden, wenn innerhalb des Bilanzaufstellungszeitraums zumindest eine Wertaufholung begonnen hat und Anhaltspunkte für eine Trendfortsetzung gegeben sind. Hat eine Wertsteigerung innerhalb des Bilanzaufstellungszeitraums noch nicht begonnen, so kann eine vorübergehende Wertminderung nur noch angenommen werden, wenn sichere Erkenntnisse über eine Wertsteigerung innerhalb des laufenden Geschäftsjahrs vorliegen, was in der Praxis wegen der Zukunftsrisiken jedoch kaum zutreffend sein wird. Eine weitere Wertminderung nach dem Bilanzstichtag ist stets ein Indiz für eine dauernde Wertminderung.

 

Rz. 95

Die Bewertung ist jeweils zum Bilanzstichtag vorzunehmen. In der GuV sind (jahresanteilige) planmäßige Abschreibungen und außerplanmäßige Abschreibung im selben Posten ohne Aufteilung auszuweisen.

 
Praxis-Beispiel

Ein zu Beginn des Jahres 01 mit AK von 1.000.000 EUR beschaffter Vermögensgegenstand hat eine Nutzungsdauer von 5 Jahren. Er wird linear abgeschrieben.

In der Mitte des Jahres 02 wird der Vermögensgegenstand stark zerstört. Sein Wert sinkt auf 70.000 EUR, die Restnutzungsdauer bleibt unverändert.

Es ergeben sich folgende Abschreibungsbeträge:

 
Restbuchwert am 1.1.02 800.000 EUR  
Restbuchwert vor Schadenfall – 700.000 EUR  
planmäßige Abschreibung 100.000 EUR (1. Halbjahr 02)
Restbuchwert vor Schadenfall 700.000 EUR  
Restbuchwert nach Schadenfall 70.000 EUR  
außerplanmäßige Abschreibung 630.000 EUR  
Restbuchwert nach Schadenfall 70.000 EUR  
Restbuchwert am 31.12.02 60.000 EUR  
planmäßige Abschreibung 10.000 EUR (2. Halbjahr 02)
 

Rz. 96

Sinkt aufgrund eines eingetretenen Schadens der beizulegende Wert eines Wirtschaftsguts, so ist auf eine außerplanmäßige Abschreibung zu verzichten, wenn der Schaden durch entsprechende Instandsetzungsmaßnahmen beseitigt wird. Da es sich wegen der Instandsetzung um eine nur vorübergehende Wertminderung mit daraus folgendem Abschreibungsverbot handelt, ist diese Vorgehensweise korrekt; ggf. ist jedoch die Notwendigkeit einer Rückstellung zu prüfen. Keinen Einfluss auf die AfaA hat jedoch eine monetäre Schadenersatzleistung durch eine Versicherung, welche Betriebseinnahmen sein können.[2]

 

Rz. 97

Für das Umlaufvermögen gilt in der Handelsbilanz ausschließlich das strenge Niederstwertprinzip.[3] Danach muss der Wert, der sich aus einem Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag ergibt, angesetzt werden, sofern dieser Wert unter dem Buchwert liegt. Dieser als Vergleichswert heranzuziehende Buchwert wird i. d. R. mit den (historischen) Anschaffungs- oder Herstellungskosten identisch sein; jedoch ist auch möglich, dass diese Anschaffungs- oder Herstellungskosten bereits in einer früheren Periode abgeschrieben wurden.

 

Rz. 98

Sofern ein Börsen- oder Marktpreis nicht feststellbar ist, muss auf den beizulegenden Wert abgeschrieben werden, wenn dieser unter dem Buchwert[4] liegt. Die Wertermittlung mittels Feststellung eines Börsen- oder Marktpreises hat daher Vorrang vor der Ermittlung eines beizulegenden Werts.

 

Rz. 99

In der Steuerbilanz besteht für das Anlagevermögen ein Abschreibungswahlrecht für außerplanmäßige Abschreibungen. Zunächst darf der Steuerpflichtige ein Wirtschaftsgut des beweglichen Anlagevermögens auf einen Wert abschreiben, der nach außergewöhnlicher technischer oder wirtschaftlicher Abnutzung verbleibt.[5] Eine solche AfaA ist jedoch nur zulässig, wenn die planmäßige Abschreibung linear oder nach Leistungseinheiten vorgenommen wird, bei degressiver Abschreibung[6] ist eine AfaA unzulässig.[7] Soll eine AfaA trotz vorheriger degressiver Abschreibung vorgenommen werden, so muss zuerst ein Wechsel zur line...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge