Vorsteuerabzug, Durchschnittssätze gemäß § 23 UStG

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Vorsteuer-Durchschnittssätze
  • Keine Auswirkung trotz Steuersatzänderungen
  • Begünstigter Personenkreis
  • Grenzwert beim Umsatz
 
Hinweis

Durch das Corona-Steuerhilfegesetz II wurde vorübergehend der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % auf 5 % reduziert. Da die Senkung der Steuersätze nur befristet vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 galt, wurde sie in diesem Beitrag nicht berücksichtigt. Informationen zu den Auswirkungen der Steuersatzänderung finden Sie im Beitrag "Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020: Herausforderungen für die Praxis".

1 So kontieren Sie richtig!

 
Praxis-Wegweiser: Das richtige Konto
Kontenbezeichnung SKR 03 SKR 04 Eigener Kontenplan Bilanz/GuV-Position
Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen UStVA KZ 63 1587 1484   Sonstige Vermögensgegenstände
Gegenkonto für Vorsteuer nach Durchschnittssätzen bei § 4 Abs. 3 EStG 1583 1483   Sonstige Vermögensgegenstände
Gegenkonto für Vorsteuer nach Durchschnittssätzen bei § 4 Abs. 3 EStG, nicht ergebniswirksam --- 1486   Sonstige Vermögensgegenstände
Privateinlagen 1890 2180   Sonstige Verbindlichkeiten

Bestimmte Berufsgruppen dürfen aus Vereinfachungsgründen die Vorsteuer mit einem pauschalen Betrag geltend machen. Bei den letzten Änderungen der Umsatzsteuersätze sind die pauschalen Vorsteuerbeträge nicht angepasst worden.

Wer die pauschalen Vorsteuerbeträge geltend macht, bucht diese auf das Konto "Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen UStVA Kz. 63" 1587 (SKR 03) bzw. 1484 (SKR 04). Als Gegenkonto kann das Konto "Privateinlagen" 1890 (SKR 03) bzw. 2180 (SKR 04) verwendet werden; bei einer Einnahmen-Überschussrechnung sollte das Konto "Gegenkonto für Vorsteuer nach Durchschnittssätzen bei § 4 Abs. 3 EStG" 1583 (SKR 03) bzw. 1486 (SKR 04) verwendet werden.

 

Buchungssatz:

Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen UStVA Kz. 63

an Gegenkonto für Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen bei § 4 Abs. 3 EStG

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Ermittlung und Buchung pauschalierter Vorsteuer

Herr Huber ist Elektroinstallateur und ermittelt seinen Gewinn mithilfe einer Einnahmen-Überschussrechnung. Bei einem Umsatz von 55.000 EUR erzielt er in 01 einen Gewinn von 30.000 EUR. Der Vorsteuerabzug, den Herr Huber gebucht hat, beträgt in 01 lediglich 2.920 EUR. Bei Anwendung des Durchschnittssatzes gem. § 23 UStG in Verbindung mit den §§ 69 und 70 UStDV kann Herr Huber 55.000 EUR × 9,1 % = 5.005 EUR als Vorsteuer nach Durchschnittssätzen geltend machen. Beim pauschalen Abzug kann Herr Huber somit (5.005 EUR -2 920 EUR =) 2.085 EUR mehr Vorsteuer geltend machen.

Er entscheidet sich deshalb, statt der tatsächlichen Vorsteuer die pauschale Vorsteuer geltend zu machen.

Buchungsvorschlag: Umbuchung der tatsächlichen Vorsteuer

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1587/1484 Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen UStVA Kz. 63 2.920 1576/1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 2.920

Zusätzlich ist die Differenz von 2 085 EUR zu erfassen. Hierbei handelt es sich um einen pauschalen Betrag, dem keine Zahlung gegenübersteht. Daher stellt sich die Frage, welches Konto als Gegenkonto verwendet werden kann. Bei einer Einnahmen-Überschussrechnung wirkt sich die Vorsteuer gewinnmindernd aus, was allerdings nicht sein darf, soweit dem Unternehmer kein Aufwand entstanden ist. Der DATEV-Kontenrahmen sieht für diese Situation ein besonderes Gegenkonto vor, mit dem die Gewinnauswirkung vermieden wird. (Falls Herr Huber bilanzieren würde, könnte er die Vorsteuer, der kein Geldfluss gegenübersteht als Privateinlage buchen).

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1587/1484 Vorsteuer nach allgemeinen Durchschnittssätzen UStVA Kz. 63 2.085 1553/1483 Gegenkonto für Vorsteuer nach Durchschnittssätzen bei § 4 Abs. 3 EStG 2.085

3 Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen im UStG und der UStDV geregelt

Die Durchschnittssätze für den pauschalen Vorsteuerabzug gem. § 23 UStG in Verbindung mit den §§ 69, 70 UStDV sind bei der letzten Steuersatzänderungen nicht angepasst worden. Die jeweiligen Sätze sind in der Anlage zu den §§ 69, 70 UStDV enthalten. Die Liste mit den aktuell anzuwendenden Sätzen ist  im Kapitel "Wie der pauschale Vorsteuerabzug beantragt werden muss und welche Vorsteuerpauschalen es gibt" wiedergegeben.

4 Vorteile des pauschalen Vorsteuerabzugs

Sinn und Zweck ist die Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens. Es muss nicht darauf geachtet werden, ob Rechnungen und Quittungen die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug erfüllen. Es spielt also keine Rolle, ob die Rechnung eine fortlaufende Rechnungsnummer enthält oder ob der Steuersatz oder der Umsatzsteuerbetrag nicht oder nicht zutreffend ausgewiesen sind. Die Pauschalierung der Vorsteuer kann für Unternehmer mit geringerem Umsatz interessant sein, insbesondere für unternehmerische und freiberufliche Nebentätigkeiten. Es ist sinnvoll, die Vorsteuer nach Durchschnittssätzen geltend zu machen, wenn jemand z. B. eine schriftstellerische oder gutachterliche Tätigkeit oder eine Lehr- und Vortragstätigkeit ausübt und ihm nur geringe Kosten entstehen, aus denen er Vorsteuer gelt...

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