Zusammenfassung

 
Überblick

Das 2014 veröffentlichte Diskussionspapier DP/2014/1 "Accounting for Dynamic Risk Management: a Portfolio Revaluation Approach to Macro Hedging" markiert den ersten Schritt der finalen Phase der Ablösung des IAS 39. Ziel der Vorschläge zur Neuregelung des Macro Hedging ist eine verbesserte Abbildung des dynamischen Risikomanagements. Dabei hebt der IASB Beschränkungen der bestehenden Regelungen explizit auf und sieht für den Portfolio-Revaluation-Ansatz eine branchen- und risikounabhängie Anwendung vor. Folglich ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem DP/2014/1 grundsätzlich auch außerhalb des Bankensektors notwendig. Im nachfolgenden Beitrag werden die Vorschläge insbesondere im Hinblick auf den erweiterten Anwendungsbereich, die Berücksichtigung von Erwartungen und speziellen Komponenten des dynamischen Risikomanagements sowie den Ausweis dargestellt und gewürdigt.

I. Problemstellung

Mit der Veröffentlichung des IFRS 9 "Financial Instruments" führte der IASB eine Neuregelung der Bilanzierung von Finanzinstrumenten ein, die spätestens für Geschäftsjahre, die ab dem 1.1.2018 beginnen, zwingend anzuwenden ist und letztlich die Regelungen des IAS 39 ersetzen wird. Eine Übernahme des IFRS 9 in EU-Recht (Endorsement) ist für das zweite Halbjahr 2015 geplant.[1]

Das in drei Phasen gegliederte Gesamtprojekt zur Ablösung des IAS 39 ist jedoch erst dann vollständig abgeschlossen, wenn auch das seit Mai 2012 aus der dritten Phase "Hedge Accounting" ausgegliederte Teilprojekt zur Behandlung dynamischer Macrohedges vollendet wurde. Zu diesem Zweck veröffentlichte der Standardsetzer bislang lediglich das Diskussionspapier DP/2014/1, dessen Kommentierungszeitraum am 17.10.2014 auslief. Darin bekräftigt der IASB in Einklang mit der übergeordneten Zielsetzung der Neuregelung des Hedge Accounting seine Bestrebungen einer Annäherung der Bilanzierung an das interne Risikomanagement.[2]

So erfolgt – im Gegensatz zum Portfolio Fair Value Hedge des IAS 39 – im Rahmen des vorgeschlagenen Portfolio-Revaluation-Ansatzes explizit eine Ausweitung des Anwendungsbereichs. Mithin besitzt der Ansatz nicht nur für Banken Relevanz, sondern grundsätzlich branchenunabhängig für alle Unternehmen, die Risiken dynamisch auf Nettobasis steuern.

Dabei bewegt sich der Standardsetzer im Spannungsfeld zwischen dem übergeordneten Normzweck einerseits und Objektivierungserfordernissen sowie Konsistenzbestrebungen zu bestehenden Bilanzierungsgrundsätzen andererseits.

In diesem Beitrag wird der neue Ansatz zunächst in den Konflikt der Abbildung eines dynamischen Risikomanagements im statischen Modell der Sicherungsbilanzierung gemäß IAS 39 und IFRS 9 eingeordnet und in seiner Grundkonzeption dargestellt (Abschn. II.). Anschließend werden die Bilanzierung gemäß DP/2014/1 insbesondere im Hinblick auf den erweiterten Anwendungsbereich, die Berücksichtigung von Erwartungen und speziellen Komponenten des dynamischen Risikomanagements (Abschn. III.) sowie der Ausweis gemäß DP/2014/1 dargestellt und gewürdigt (Abschn. IV.).

[1] Vgl. EFRAG: The EU endorsement status report, Position as at 19 December 2014, abrufbar unter www.efrag.org/WebSites/UploadFolder/1/CMS/Files/Endorsement%20status%20report/EFRAG_Endorsement_Status_Report__19_December_2014.pdf (Abruf: 7.1.2014).
[2] Vgl. IFRS 9.6.1.1; DP/2014/1.IN2 i.V. m. 1.29.

II. Zentraler Konflikt der Abbildung eines dynamischen Risikomanagements und Konzeption des neuen Ansatzes

1. Stark eingeschränkte Abbildung der dynamischen Steuerung offener Portfolios im bestehenden statischen Modell der Sicherungsbilanzierung

Die Regelungen zum Hedge Accounting sowohl des IAS 39 als auch des IFRS 9 betreffen überwiegend die Abbildung von im Sicherungszeitraum unveränderten Absicherungen einzelner Grundgeschäfte oder geschlossener Gruppen (statische Sicherungsbeziehungen). Dabei stellen sowohl der sehr eingeschränkt anwendbare[3] Gruppenhedge nach IAS 39 als auch seine weniger restriktive[4] sowie um die Designation von Nettopositionen erweiterte Variante nach IFRS 9 (statischer Makrohedge) nur in begrenztem Umfang eine Alternative zum im Folgenden behandelten dynamischen Makrohedge dar.[5] Denn der Praxis der kontinuierlich angepassten Steuerung offener, also in ihrer Zusammensetzung nicht beständiger Portfolios unter Ausnutzung natürlicher Kompensationswirkungen verschiedener Risikopositionen kann gemäß dieser Regelungen bestenfalls unter Inkaufnahme erheblichen operationellen Aufwands[6] Rechnung getragen werden.[7] Die einzige Abbildungsmöglichkeit solcher Steuerungen bietet der bis zum Abschluss des vorliegenden Projekts weiterhin in seinem stark eingeschränkten[8] Anwendungsbereich gültige Portfolio Fair Value Hedge von Zinsänderungsrisiken gemäß IAS 39.81A. Allerdings erzeugt dieser durch die Notwendigkeit der Designation von Stellvertretergeschäften bilanzielle Unschärfen.[9] Zudem eröffnen sich angesichts der Kriterien zur Abgrenzung des bzw. der relevanten Portfolios weitreichende Ermessensspielräume,[10] wodurch die Gefahr der willkürlichen Vermeidung von Ergebnisvolatilitäten entsteht.[11] Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht des Standardsetzers[12] ebenso wie aus Sicht einer Vielzahl der Kommentierenden[13] Bedarf an einem neuen Modell zur Abbildung des dynamisch...

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