V Laufender Geschäftsbetrie... / 2.2.1 Grundsätzliches zur Besteuerung der Komplementär-GmbH und ihrer Gesellschafter
 

Rz. 525

Im Bereich der Körperschaftsteuer wird das 1976 eingeführte Anrechnungssystem – Anrechnung der gezahlten Körperschaftsteuer auf die individuelle Einkommensteuer der Gesellschafter – seit 2001 durch das System einer definitiven Körperschaftsteuerbelastung ersetzt. Mit dieser Reform der Besteuerung von Kapitalgesellschaften entfällt der gespaltene Körperschaftsteuersatz für ausgeschüttete und thesaurierte Gewinne; es findet ein einheitlicher Steuersatz Anwendung. Der Körperschaftsteuersatz beträgt (ab 2008) einheitlich und definitiv für Thesaurierung und Ausschüttung 15. Hinzu tritt der Solidaritätszuschlag (5,5 % von 15 %) sowie die Gewerbesteuer (Gewerbesteuermesszahl 3,5 %, durchschnittlicher Hebesatz 400 %), die als Betriebsausgabe nicht den steuerlichen Gewinn mindert. Damit ergibt sich (ab 2008) folgende steuerliche Gesamtbelastung einer GmbH:

 
Gewinn vor Steuern 100
Gewerbesteuer: 100 x 3,5 % × 400 % = 14
Körperschaftsteuer: 100 × 15 % = 15
Solidaritätszuschlag: 15 × 5,5 % = 0,83
steuerliche Gesamtbelastung in Prozent des Gewinns vor Steuern: 29,83 %

Beim Übergang vom Anrechnungssystem zum System der Definitivsteuerbelastung wurden die verwendbaren Eigenkapitalanteile festgeschrieben. Die verwendbaren Eigenkapitalanteile EK 40 wurden auf den 31.12.2006 ermittelt und festgestellt. Das KSt-Guthaben wird dann auf Antrag innerhalb eines zehnjährigen Abrechnungszeitraums von 2008 bis 2017 an die GmbH ratierlich in zehn gleichen Jahresraten ausgezahlt. Bilanziell ist dieses Guthaben zum 31.12.2006 (abgezinst) zu erfassen. Der am 31.12.2006 vorhandene Bestand unbelasteter Einkommensteile (EK 02) wird mit 3 % versteuert (damit abschließende Feststellung und Auflösung der EK 02 Bestände). Der Körperschaftsteuer-Erhöhungsbetrag entsteht am 1.1.2007 und ist erstmals in einem Jahresabschluss auf einen Bilanzstichtag im Jahr 2007 bilanziell zu berücksichtigen; er ist unverzinslich. Die Steuerschuld ist von 2008 bis 2017 in zehn gleichen Jahresbeträgen jeweils zum 30.9. zu entrichten. Die GmbH kann zu allen Stichtagen bis 2015 beantragen, den gesamten Körperschaftsteuer-Erhöhungsbetrag in einer Summe zu begleichen; in diesem Fall werden die noch nicht fälligen Jahresbeträge mit 5,5 % abgezinst.

 

Rz. 526

Die Besteuerung der Ausschüttungen ist zu differenzieren:

Gesellschafter ist eine andere Kapitalgesellschaft

Dividenden einer anderen GmbH, die die GmbH vereinnahmt, sind derzeit grundsätzlich nach § 8b Abs. 1 KStG in voller Höhe steuerfrei. Dabei gelten 5 % der Dividende als nicht abzugsfähige Betriebsausgabe (§ 8b Abs. 5 KStG), d. h., Dividenden von Kapitalgesellschaften sind bei der GmbH zu 95 % von der Körperschaftsteuer befreit.

Gesellschafter ist eine Personengesellschaft

Dividenden, die im Betriebsvermögen eines Personenunternehmens erzielt werden – die GmbH-Anteile gehören also zum Betriebsvermögen, wie z. B. die GmbH-Anteile bei personengleicher GmbH & Co. KG – unterliegen derzeit nach dem Teileinkünfteverfahren dem persönlichen Einkommensteuersatz des Gesellschafters (§ 3 Nr. 40a EStG). Der steuerfreie Anteil von Dividenden im Betriebsvermögen von Personenunternehmen beträgt 40 %. Das heißt, Dividenden sind zu 60 % steuerpflichtig. Damit sind die im wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Betriebsausgaben in Höhe von 60 % steuermindernd abzugsfähig.

Gesellschafter ist eine natürliche (Privat)Person

Ab dem Veranlagungszeitraum 2009 findet für Privatanleger die Abgeltungsteuer Anwendung, d. h., Dividenden unterliegen dem 25 %igen Abgeltungsteuersatz zuzüglich Solidaritätszuschlag. Liegt der persönliche Einkommensteuersatz unter 25 %, kann der Steuerpflichtige nach § 32d Abs. 6 EStG eine Veranlagung mit dem niedrigeren Steuersatz beantragen. Das Halbeinkünfteverfahren für Dividenden kommt nicht mehr zur Anwendung, Dividenden unterliegen also in voller Höhe dem Abgeltungsteuersatz. Die Abzugsfähigkeit von mit Kapitaleinkünften im Zusammenhang stehenden Werbungskosten, wie z. B. Depotgebühren oder Finanzierungszinsen, ist nicht mehr gegeben.

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