Unternehmensfinanzierung strategisch steuern: Grundsätze der Gestaltung und Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie

Zusammenfassung

  • Vor dem Hintergrund der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat sich die Bedeutung einer soliden und nachhaltigen Unternehmensfinanzierung zuletzt deutlich gezeigt. Um Unternehmensziele erfolgreich umsetzen und Marktchancen vollumfänglich nutzen zu können, ist eine aktive, strategische Steuerung der Unternehmensfinanzierung notwendig.
  • Der Beitrag verfolgt das Ziel, Grundsätze der Gestaltung und Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie darzustellen. Dazu werden die wesentlichen Kerninhalte einer Finanz- und Liquiditätsstrategie erläutert, der finanzwirtschaftliche Planungs- und Steuerungsprozess vorgestellt, die Regelung der organisatorischen Verantwortlichkeiten erklärt sowie die Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie im Rahmen des operativen Liquiditätsmanagements beschrieben.
  • Am Beispiel der Deutschen Telekom AG wird aufgezeigt, wie die wesentlichen Inhalte einer Finanz- und Liquiditätsstrategie in der Unternehmenspraxis konkret ausgestaltet sein können.

1 Relevanz und Nutzen für die Praxis

Eine der Kernaufgaben der Betriebswirtschaftslehre ist die Lösung finanzwirtschaftlicher Problemstellungen. Nicht nur die wachsende Internationalisierung sowie die ständigen Veränderungen der Finanzmärkte, sondern auch die Schaffung immer neuer Finanzinstrumente führen dazu, dass finanzwirtschaftlichen Aufgabenstellungen eine zunehmend größere Bedeutung zukommt. Zudem ist das Vorhandensein finanzieller Ressourcen infolge sich verkürzender Produktlebenszyklen, der fortschreitenden Technologieentwicklung und des stetig wachsenden Wettbewerbsdrucks entscheidend für die Wettbewerbsposition und nicht zuletzt für die Überlebensfähigkeit einer Unternehmung.

Ein Unternehmen kann nur dann seinen unternehmenspolitischen Gestaltungsspielraum ausschöpfen und unternehmensstrategische Maßnahmen realisieren, wenn die dafür erforderlichen finanziellen Ressourcen vorhanden sind. Eine Finanz- und Liquiditätsstrategie, als eine aus der Unternehmensstrategie abgeleitete funktionale Teilstrategie, schafft die notwendigen finanziellen Voraussetzungen, um die Unternehmensziele erfolgreich umsetzen zu können.

Insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat das Bewusstsein des Managements für die zentrale Bedeutung der Unternehmensfinanzierung sowie des Risikomanagements noch einmal erheblich zugenommen. Aktuell gilt es allerdings, aus diesem Bewusstsein heraus auch konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Der vorliegende Beitrag hat daher zum Ziel, die Grundsätze der Gestaltung und Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie zu erläutern. Dazu werden zunächst die festzulegenden Inhalte thematisiert sowie der finanzwirtschaftliche Planungs- und Steuerungsprozess vorgestellt. Weiterhin werden die Regelung der Verantwortlichkeiten innerhalb eines Unternehmens und die spezifische Rolle des Controllers erläutert sowie die Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie im Rahmen des operativen Liquiditätsmanagements beschrieben.

2 Gestaltung und Umsetzung einer Finanz- und Liquiditätsstrategie

2.1 Beschreibung der wesentlichen Kerninhalte

Zwischen der Unternehmensstrategie und den daraus abgeleiteten Finanzierungsentscheidungen im Rahmen einer Finanz- und Liquiditätsstrategie gibt es einen untrennbaren Zusammenhang. Für viele große Finanzierungsthemen sind strategische Entscheidungen eines Unternehmens ursächlich, die i. d. R. darauf abzielen, Ressourcen zu erweitern, zu reduzieren, zu konzentrieren oder neu auszurichten. Diese Maßnahmen entfalten damit direkte Auswirkungen auf den Kapitalbedarf. Als Beispiele lassen sich die strategische Akquisition eines anderen Unternehmens, große Investitionsprojekte, die Erschließung neuer Märkte im Rahmen einer Internationalisierung oder die Entwicklung neuer Produkte nennen. Strategische Maßnahmen führen allerdings nicht zwangsläufig zu einem erhöhten Finanzierungsbedarf. Im Zuge der Tendenz einer Konzentrierung auf die Kernkompetenzen von Unternehmen werden beispielsweise einzelne Geschäftsfelder oder Teilbereiche abgespalten (Desinvestition) oder ausgelagert (Outsourcing). Daher lassen sich kapitalbindende strategische Maßnahmen und kapitalfreisetzende strategische Maßnahmen unterscheiden. Diese Kategorisierung trifft auch auf das operative Tagesgeschäft zu (s. Abb. 1).[1]

Im Rahmen einer Finanz- und Liquiditätsstrategie gilt es, unter Berücksichtigung der unternehmensindividuellen Zielsetzungen und der geplanten Kapital bindenden und Kapital freisetzenden Maßnahmen der Unternehmensstrategie, Vorgaben in den folgenden finanziellen Teilbereichen zu entwickeln.

Abb. 1: Übersicht Kapital bindender und Kapital freisetzender Maßnahmen[2]

[1] Vgl. Zantow, 2004, S. 15 f; Gugglberger/König/Mayer, 2004, S. 34 ff.
[2] Vgl. Gugglberger/König/Mayer, 2004, S. 35.

2.1.1 Finanzstruktur

Ein wesentliches Element einer Finanz- und Liquiditätsstrategie ist die Entscheidung über die bilanzielle Finanzstruktur, die sich sowohl in der Vermögens- als auch in der Kapitalstruktur widerspiegelt.[1] Die Gestaltung der Vermögensstruktur, d. h. das anzustrebende Verhältnis zwischen Anlage- und Umlaufvermögen, hängt primär von der Art ...

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