Umsatzsteuer in der Buchhal... / 3.1.1 Deutsche Vorsteuer: Erst nach Kontrolle als Vorsteuer buchen

Ist in der Eingangsrechnung deutsche Umsatzsteuer ausgewiesen, sind die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug in der Kreditorenbuchhaltung vor der Buchung der Steuer auf dem Vorsteuerkonto zu prüfen. Hier kann anhand folgender Checkliste vorgegangen werden, wobei die genannten Voraussetzungen insgesamt erfüllt sein müssen:

 
Vorsteuerprüfung  
Die Rechnung ist vollständig und richtig und enthält alle Angaben der §§ 14 Abs. 4 und 5, 14a UStG.
Die Lieferung oder sonstige Leistung wurde tatsächlich ausgeführt oder es handelt sich um eine Anzahlungsrechnung, bei der die Vorsteuer bereits in dem Monat abziehbar ist, in dem die Rechnung vorliegt und die Bezahlung erfolgt ist.
Die Lieferung oder sonstige Leistung wird von einem Unternehmer erbracht und ist im Inland umsatzsteuerbar und steuerpflichtig, sodass die berechnete Umsatzsteuer auch gesetzlich geschuldet wird.
Die Lieferung oder sonstige Leistung wird für den Unternehmensbereich des Leistungsempfängers erbracht.
Die Verwendung der Lieferungen oder sonstigen Leistungen führt nicht zu einem Vorsteuerausschluss gem. § 15 Abs. 2 UStG (ggf. Vorsteueraufteilung beachten).

Checkliste 2: Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug aus Eingangsrechnungen

Stellt sich später, z. B. im Rahmen einer Betriebsprüfung. heraus, dass die Rechnung unrichtig oder unvollständig ist, sollte eine berichtigte Rechnung angefordert werden.

 
Achtung

Kein Vorsteuerabzug bei unrichtigem oder unberechtigtem Ausweis auf der Rechnung

Nur die gesetzlich geschuldete Steuer für Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer für das Unternehmen des Leistungsempfängers ausgeführt worden sind, ist als Vorsteuer abziehbar.[1] Ein Vorsteuerabzug aus der Rechnung ist deshalb nicht zulässig, soweit der die Rechnung ausstellende Unternehmer diese unrichtig oder unberechtigt ausweist und die Umsatzsteuer lediglich gem. § 14c UStG schuldet. In diesem Fall sollte vom Leistungsempfänger eine Berichtigung der Rechnung und bei einer Nettopreisvereinbarung eine Rückzahlung der Umsatzsteuer eingefordert werden.

Für die Berichtigung einer Rechnung mit einem unrichtigen Steuerausweis nach § 14c Abs. 1 UStG ist dabei Folgendes zu beachten. Wurde ein zu hoch ausgewiesener Rechnungsbetrag bereits vereinnahmt und steht dem Leistungsempfänger aus der Rechnungsberichtigung ein Rückforderungsanspruch zu, ist die Berichtigung des geschuldeten Steuermehrbetrags erst nach einer entsprechenden Rückzahlung der fälschlich ausgewiesenen Umsatzsteuer an den Leistungsempfänger zulässig.[2] In den Fällen des unberechtigten Steuerausweises nach § 14c Abs. 2 UStG kommt es für die Berichtigung der Rechnung weiterhin auf die Beseitigung der Gefährdung des Steueraufkommens an. Eine Berichtigung der Rechnung kann erst nach Zustimmung durch das Finanzamt des leistenden Unternehmers erfolgen.

Die o. g. Rechtsprechung zur Möglichkeit der rückwirkenden Rechnungsberichtigung gilt ausdrücklich nicht für die Berichtigung von Rechnungen nach § 14c Abs. 1 und 2 UStG. In diesen Fällen ist die Rechnungsberichtigung nach den erwähnten Grundsätzen erst mit Wirkung für die Zukunft möglich. Dadurch können sich beim Leistungsempfänger trotz erfolgter Rechnungsberichtigung erhebliche Zinsnachforderungen gem. § 233a AO aus dem rückwirkend versagten Vorsteuerabzug ergeben.

 
Hinweis

Umsatzsteuerabsenkung

In der Zeit vom 1.7.2020-31.12.2020 werden in Deutschland der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Steuersatz von 7 % auf 5 % abgesenkt. Für die Anwendung des zutreffenden Steuersatzes ist auf den Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung abzustellen. Bei der Bearbeitung entsprechender Eingangsrechnungen ist darauf zu achten, dass die Rechnung den zutreffenden Steuersatz enthält, da grundsätzlich nur die gesetzlich geschuldete Umsatzsteuer als Vorsteuer abzugsfähig ist.

Für den Monat Juli 2020 gewährt die Finanzverwaltung eine Vereinfachung bei Leistungen zwischen Unternehmern. Bei Leistungserbringung im Juli 2020 kann der leistende Unternehmer in seiner Rechnung über Umsätze an einen anderen Unternehmer noch den bisherigen Steuersatz von 19 % bzw 7 % ausweisen und der Leistungsempfänger auch diese zu hoch ausgewiesene Steuer als Vorsteuer abziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass der leistende Unternehmer die zu hoch ausgewiesene Steuer auch komplett abführt. Nähere Einzelheiten regelt das BMF-Schreiben vom 30.6.2020[3]

Eingangsrechnung über nicht steuerbare Vorgänge

Wird Umsatzsteuer

  • für nicht steuerbare Vorgänge, z. B. Leistungen im Ausland, echte Zuschüsse, Schadensersatz, durchlaufende Posten oder
  • für steuerfreie Umsätze, z. B. Ausfuhrlieferungen, innergemeinschaftliche Lieferungen,

berechnet, ist diese beim Leistungsempfänger nicht als Vorsteuer abziehbar.

In diesen Fällen sollte eine berichtigte Rechnung ohne Ausweis von Umsatzsteuer angefordert werden.

Rechnung über Anschaffung eines gemischt genutzten Wirtschaftsguts

Wird ein sog. einheitliches Wirtschaftsgut gekauft, das sowohl unternehmeri...

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