Umsatzsteuer, grenzüberschr... / 2 Wann die deutsche Umsatzsteuer berechnet werden muss

Eine sonstige Leistung unterliegt nur dann der Umsatzsteuer, wenn sie im Inland ausgeführt wird. Liegt der Leistungsort in einem anderen Land, handelt es sich um einen Vorgang, der nicht im Inland steuerbar ist. Bei sonstigen Leistungen und Werkleistungen richtet sich der Leistungsort nach § 3a UStG. Unternehmer müssen den Ort der sonstigen Leistungen und Werkleistungen insbesondere dann ermitteln, wenn sie ihre Leistungen

  • für ein ausländisches Unternehmen ausführen oder
  • von einem ausländischen Unternehmer in Anspruch nehmen.

Liegt der Ort der sonstigen Leistung im Inland, spielt es keine Rolle, wo sie im Inland erbracht wird. Eine Differenzierung im Inland nach Orten und Städten, wie z. B. Berlin, Hamburg, Köln oder München, ist nicht erforderlich. Wesentlich ist nur, dass ein steuerbarer Umsatz vorliegt, für den der leistende Unternehmer die deutsche Umsatzsteuer zahlt, wenn keine Steuerbefreiung greift.

Die Grundsätze, nach denen der Unternehmer den Ort der sonstigen Leistung oder Werkleistung zu bestimmen hat, ergibt sich aus § 3a Abs. 1 und 2 UStG. Danach gilt Folgendes:

 
Empfänger ist Sonstige Leistung wird erbracht am gesetzliche Grundlage

Privatperson

(kein Unternehmer)
Ort, an dem der leistende Unternehmer seinen Wohnsitz, Sitz oder seine Betriebsstätte hat § 3a Abs. 1 UStG
Unternehmer Ort, an dem der Empfänger sein Unternehmen betreibt § 3a Abs. 2 UStG

Tab. 1: Bestimmung des Ortes der sonstigen Leistung oder Werkleistung

Dieses Prinzip, wonach sich gemäß § 3a Abs. 2 UStG der Ort der sonstigen Leistung oder Werkleistung beim Leistungsempfänger befindet, wird innerhalb der EU durch das Reverse-Charge-Verfahren (= Wechsel der Steuerschuld) ergänzt. Damit das Reverse-Charge-Verfahren innerhalb der EU funktioniert und nicht unterlaufen werden kann, müssen bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen im Sinne des § 3a Abs. 2 UStG zusammenfassende Meldungen abgeben werden.

Bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen muss der Unternehmer zunächst danach unterscheiden, ob er seine sonstige Leistung

  • an einen Privatkunden erbringt (der Ort der sonstigen Leistung befindet sich dann am Betriebssitz des Unternehmers, auch wenn die Privatperson im Ausland wohnt) oder
  • an einen Unternehmer erbringt (die sonstigen Leistungen an Unternehmer werden grundsätzlich am Sitz des Leistungsempfängers bzw. an einer seiner Betriebsstätten ausgeführt).
 

Praxis-Beispiel: Ein deutscher Unternehmer erhält einen Auftrag von einem österreichischen Unternehmer

Ein selbstständiger Unternehmensberater aus Passau (Deutschland) erhält von einem Unternehmer aus Salzburg (Österreich) den Auftrag, für ihn einen Businessplan zu erstellen (pauschales Honorar: 2.500 EUR). Da der Leistungsempfänger Unternehmer ist und seinen Sitz in Salzburg hat, liegt der Leistungsort gemäß § 3a Abs. 2 UStG in Salzburg (Österreich). Der deutsche Unternehmensberater stellt dem österreichischen Unternehmer seine Leistungen ohne Umsatzsteuer in Rechnung.

Nach § 19 des österreichischen UStG findet ein Wechsel der Steuerschuld statt (vergleichbar dem deutschen § 13b UStG). Somit schuldet der österreichische Unternehmer wegen des Reverse-Charge-Verfahrens die österreichische Umsatzsteuer, die er in Österreich auch wieder als Vorsteuer abziehen darf.

Buchungsvorschlag:

SKR 03

 
1200 Bank 2.500 an 8336 Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet 2.500

SKR 04

 
1800 Bank 2.500 an 4336 Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet 2.500
 

Praxis-Beispiel: Eine Privatperson ist Auftraggeber

Ein Unternehmer betreibt eine Kfz-Reparaturwerkstatt in Bad Reichenhall. Ein Privatkunde aus Salzburg (Österreich) beauftragt ihn, seinen Pkw zu reparieren und eine Inspektion durchzuführen. Da es sich um einen ausländischen Privatkunden handelt, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung am Betriebssitz der Reparaturwerkstatt in Bad Reichenhall. Der Inhaber der Reparaturwerkstatt muss der österreichischen Privatperson die deutsche Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

Ausnahmen vom Grundsatz des § 3 a Abs. 2 UStG:

In den folgenden Fällen kommt es bei Unternehmern in der EU nicht auf den Ort an, an dem der Empfänger sein Unternehmen betreibt.

 
Beschreibung der sonstigen Leistung Ort der sonstigen Leistung Gesetzliche Grundlage
Sonstige Leistungen im Zusammenhang mit Grundstücken, z. B. Architektenleistung, Vermittlung durch Makler da, wo das Grundstück liegt § 3a Abs. 3 Nr. 1 UStG
kurzfristige Vermietung eines Beförderungsmittels (bis zu 90 Tagen bei Wasserfahrzeugen, ansonsten bis zu 30 Tagen) Ort, an dem das Beförderungsmittel dem Empfänger zur Verfügung gestellt wird § 3a Abs. 3 Nr. 2 UStG

Restaurationsleistungen (Abgabe von Speisen und Getränken)

Ausnahme: Abgabe von Speisen und Getränken bei einer Beförderung innerhalb der EU, auf einem Schiff, in einem Flugzeug oder einer Eisenbahn
Ort, wo die Leistung vom Unternehmer tatsächlich erbrach...

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