Steuerung der Innovationsaktivitäten durch ein systematisches Innovationsportfoliomanagement und -controlling

Zusammenfassung

 
Überblick

Das Innovationsportfoliomanagement fungiert als wichtige und bereits in vielen Unternehmen anerkannte Schnittstelle zwischen der Innovationssystem- und der Innovationsprojektebene.

Auch das Controlling des Innovationsportfolios erfährt immer mehr Zuspruch in der Praxis und trägt insbesondere durch die Schaffung von Transparenz maßgeblich zum Innovationserfolg bei.

Klassische Aufgabenbereiche des Innovationsportfoliomanagements und -controllings umfassen dabei die Bewertung, Auswahl und Priorisierung von Innovationsaktivitäten.

Mit diesem Artikel wollen wir der steigenden Bedeutung des Innovationsportfoliomanagements und -controllings gerecht werden und einen Überblick über verschiedene bestehende Ansätze geben.

Im 2. Kapitel zeigen wir auf, wie strategieorientierte Portfolioansätze genutzt werden können, um den Innovationsbedarf zu ermitteln.

Im 3. Kapitel werden innovationsbezogene Portfolioansätze vorgestellt, die zur Bewertung und Auswahl von unterschiedlichen Objekten, wie Innovationsprojekten, Innovationsfeldern oder auch Technologien, herangezogen werden können.

1 Portfolioansätze in der Praxis

Definition und historische Entwicklung von Portfolios

Generell kann ein Portfolio als Ansammlung von Objekten beschrieben werden. Im Rahmen der Portfolioanalyse werden die unterschiedlichen Objekte des Portfolios anhand zuvor definierter Kriterien zueinander in Bezug gesetzt, sodass eine Bewertung der einzelnen Objekte vorgenommen werden kann. Im Unternehmenskontext hat das Portfoliomanagement seinen Ursprung im Bankenwesen. In diesem Umfeld bezeichnet ein Portfolio die Gesamtheit aller Anlageformen, die ein Investor besitzt. Demzufolge besteht im Bankenwesen die Hauptaufgabe des Portfoliomanagements in der Ausbalancierung unterschiedlicher Investmentformen, wobei das Ziel verfolgt wird, die Rendite unter Berücksichtigung eines gegebenen Risiko-Levels zu maximieren.[1]

Portfolios im Bankwesen vs. Portfolios der Unternehmensplanung

Das Portfoliomanagement im Bankwesen unterscheidet sich wesentlich vom Portfoliomanagement im Rahmen der Unternehmensplanung. Während im Bankwesen die Objekte des Portfolios kurzfristig austauschbar sind, basieren Portfolios in der strategischen Planung meist auf Geschäftsfeldern, Produkten oder Marken, sodass eine Veränderung des Portfolios nur langfristig vorgenommen werden kann. Die geringere Flexibilität von Portfolios, die im Rahmen des strategischen Managements angewendet werden, beeinflusst auch die Praktiken des Portfoliomanagements in diesem Bereich. Beispielsweise basiert die Entscheidungsfindung bezüglich des Produkt- oder Markenportfolios im Rahmen der Unternehmensplanung nicht nur auf den unterschiedlichen Produkten und Marken, sondern bezieht darüber hinaus die Historie des Unternehmens samt seiner Ressourcen und strategischen Positionierung ein.[2]

Arten von Portfolios in Unternehmen

Im Umfeld von Unternehmen können Portfolios auf unterschiedlichen Ebenen verwendet werden. Dabei findet eine Unterteilung der Portfolios auf der Unternehmens-, Geschäftsbereichs- und operativen Ebene statt. Jeder Ebene werden wiederum unterschiedliche Arten von Portfolios zugeordnet. Zusätzlich können Portfolios in bestimmten Funktionsbereichen von Unternehmen, beispielsweise in Form eines Patent- oder Innovationsportfolios, angewendet werden.[3] Unter einem Innovationsportfolio wird in diesem Zusammenhang "die Gesamtheit der Innovationsprojekte in einem Unternehmen verstanden, die sich in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden, zwischen denen verschiedene Abhängigkeiten (Interdependenzen) bestehen (können) und die um die gleichen Ressourcen konkurrieren."[4]

[1] Vgl. Reilly/Brown, 2012, S. 181.
[2] Vgl. Gälweiler, 2005, S. 76.
[3] In Anlehnung Harland, 2009, S. 105.
[4] Heesen, 2009, S. 42.

1.1 Strategieorientiertes Portfoliomanagement

Grundlagen des strategieorientierten Portfoliomanagements

Aus einem strategischen Gesichtspunkt dient das Portfoliomanagement in erster Linie dazu, die bestehenden und zukünftigen Aktivitäten eines Unternehmens in Bezug auf unterschiedliche Produkte und Märkte miteinander abzustimmen. Im Rahmen dessen soll der langfristige Unternehmenserfolg durch eine Minimierung des unternehmerischen Risikos sichergestellt werden, indem die verschiedenen Produkt-Markt-Aktivitäten eines Unternehmens ausbalanciert werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen im strategischen Portfoliomanagement sowohl übergeordnete Unternehmensziele als auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen Berücksichtigung finden.[1]

Wichtige Aspekte, die auf strategischer Ebene im Rahmen der Portfolioanalyse zu berücksichtigen sind, stellen u. a. die

  • Strategie,
  • Strukturen und Organisationsformen,
  • Bekanntheit und das Image sowie
  • Eigenschaften der Absatzmärkte des Unternehmens dar.[2]

Nutzen des strategieorientierten Portfoliomanagements

Mit der Beschaffung und Aufbereitung der für die Portfoliobetrachtung notwendigen Daten – je nachdem, wie viele der o. g. Aspekte berücksichtigt werden – geht ein mehr oder weniger großer Aufwand einher. Dieser muss durch den Nutzen der Portfo...

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