Mit Schreiben v. 26.2.2021 (BStBl 2021 I S. 298) hatte das BMF die Möglichkeit zur Anwendung einer sog. Digital-AfA für bestimmte Computerhardware (einschließlich der dazugehörenden Peripheriegeräte) und die für die Dateneingabe und -verarbeitung erforderliche Betriebs- und Anwendersoftware eingeräumt. Für die begünstigten Wirtschaftsgüter sollte eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr zugrunde gelegt werden "können".

Hinsichtlich der zu Unsicherheiten führenden Lesart des Wortes "kann" führt das BMF in der durch BMF-Schreiben v. 22.2.2022 (BStBl 2022 I S. 187) angepassten Fassung u. a. aus, dass die Annahme einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von genau einem Jahr weder eine Sofortabschreibung noch eine besondere Form der Abschreibung, noch eine neue Abschreibungsmethode, noch ein steuerliches Wahlrecht i. S. des § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG darstellt.

Die Finanzverwaltung will es nicht beanstanden, wenn abweichend zur pro rata temporis Zwölftelverteilung aus § 7 Abs. 1 Satz 4 EStG die Abschreibung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe vorgenommen wird. Die Abschreibungsvorschriften sollen einschlägig sein, weil das BMF-Schreiben erklärt, dass die betroffenen Wirtschaftsgüter auch bei einer Nutzungsdauer von genau einem Jahr dem § 7 Abs. 1 EStG unterliegen und in das nach R 5.4 EStR 2012 zu führende Bestandsverzeichnis aufzunehmen sind. Folge einer Anwendung der Abschreibungsregeln des § 7 EStG in Digital-AfA-Fällen müsste eine Berücksichtigung im Zinsschranken-EBITDA nach § 4h Abs. 1 Satz 2 EStG sein. Die Regelung ist auch auf Überschusseinkünfte anzuwenden.

 
Hinweis

Aus einem Antwortschreiben des BMF an die Verbände v. 26.4.2022 geht u. a. hervor, dass der Steuerpflichtige ohne weitere Verständigung mit der Finanzverwaltung Computerhard- und Software statt bisher über drei bzw. fünf Jahre nunmehr über ein Jahr abschreiben können soll. Dabei klingt an, dass die Finanzverwaltung es auch ohne steuerliches Wahlrecht bisher in der Praxis nicht beanstandet hat, wenn die betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern in Handels- und Steuerbilanz voneinander abwichen. Als Beispiel nennt die Finanzverwaltung ERP-Software (handelsbilanzielle Abschreibung meist über 8 und steuerbilanzielle Abschreibung (bisher) über 5 Jahre Nutzungsdauer).

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