Bei privaten Immobilienveräußerungen, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt, ist der Veräußerungsgewinn nach § 23 EStG grundsätzlich einkommensteuerpflichtig. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Immobilie im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3, Alt. 1 EStG) oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3, 2. Alt. EStG).

In der Praxis war u. a. streitig, ob die Voraussetzungen der Alt. 2 erfüllt sind, wenn der Steuerpflichtige die bisher selbstbewohnte Immobilie im Veräußerungsjahr zwischen dem Ende der Eigennutzung und dem Verkauf kurzzeitig vermietet. Dies sah der BFH in seinem nachträglich zur Veröffentlichung zugelassenen Urteil v. 3.9.2019 (IX R 10/19, BStBl 2020 II S. 310) grundsätzlich als unschädlich an.

Dem folgt auch das BMF mit Schreiben v. 17.6.2020 (BStBl 2020 I S. 576). Danach ist eine kurzzeitige Vermietung im Veräußerungsjahr für die Steuerfreiheit unschädlich, wenn das Objekt im Veräußerungsjahr zumindest am 1. Januar, im Vorjahr der Veräußerung durchgehend sowie im zweiten Jahr vor der Veräußerung mindestens am 31. Dezember zu eigenen Wohnzecken genutzt war. Wie bisher bleibt jedoch ein Leerstand oder eine fremde Nutzung im Vorjahr der Veräußerung schädlich.

 
Hinweis

Soweit das BMF-Schreiben v. 5.10.2000 (BStBl 2000 I S. 1383) im 2. Tiret zu Rz. 25 insoweit noch von anderen Grundsätzen ausgeht, wird daran nun nicht mehr festgehalten. Die neue Sichtweise greift für alle offenen Fälle.

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