Zusammenfassung

 
Überblick

Seit der Ankündigung des Libra-Coins aus dem Hause Facebook ist mehr und mehr die Rede von einer bestimmten Art von Kryptowährungen, die unter der Sammelbezeichnung Stablecoins zusammengefasst werden. Die zunehmende Bedeutung dieser Coins bietet einen Anlass, die steuerlichen Aspekte in den Blick zu nehmen. Insbesondere erhebt sich die Frage, ob sich die noch jungen steuerlichen Grundsätze, die sich für "ältere" virtuelle Währungen wie Bitcoin herausgebildet haben, auch auf Stablecoins übertragen lassen.

I. Einführung

Stablecoins lassen sich als Unterkategorie von Kryptowährungen, also bidirektionalen virtuellen Währungen, die auf Kryptographie basieren, wie z. B. Bitcoin, Ethereum, Ripple, verstehen.[1] Sie können, soweit Händler sie akzeptieren, zur Bezahlung für Güter und Dienstleistungen verwendet werden, haben allerdings derzeit längst nicht denselben Verbreitungsgrad wie Bitcoin oder Ethereum.[2] Anders als die sog. Utilty-Token, die neben ihrer Wertaufbewahrungs- und Zahlungsfunktion ähnlich einem Gutschein mit bestimmten zukünftigen Produkten oder Dienstleistungen verbunden sind, beschränken sich Stablecoins auf die Währungsfunktion. So beabsichtigt der Facebook-Libra, Ländern in strukturschwachen Regionen einen Zugang zum Währungsmarkt zu verschaffen. Dies war ein regelrechter Paukenschlag, durch den sich alteingesessene Remittance-Dienstleister wie MoneyGram in ihrer Existenz bedroht fühlen.[3] Dass diesen Coins dabei eine enorm disruptive Wirkung beigemessen wird, zeigt insbesondere die erst kürzlich veröffentlichte Blockchain-Strategie der Bundesregierung, in der explizit Stablecoins der Kampf angesagt wird.[4]

Ihre Existenz hängt mit der Volatilität von "normalen" Kryptowährungen zusammen. Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum zeichnen sich dadurch aus, dass mangels irgendeiner Deckung ihr Wert allein durch Angebot und Nachfrage determiniert wird.[5] Bitcoin wird in diesem Zusammenhang teilweise auch als "digitales Gold" bezeichnet.[6] Da sich allerdings das Geldangebot nur aufgrund von Algorithmen in regelmäßigen Zeitabständen verändert, dabei nur eine festgelegte Menge herausgegeben wird und gleichzeitig die gesamte Geldmenge limitiert ist – bei Bitcoin bspw. wird durchschnittlich alle 10 Minuten ein vom Algorithmus festgelegter Betrag herausgegeben, bis die Grenze von 21 Millionen Coins erreicht ist – bedeutet dies, dass sich der Preis dieser Coins hauptsächlich nach der Nachfrage richtet, mit der Folge, dass selbst kleinere Veränderungen der Nachfrage massive Veränderungen des Preises mit sich bringen können.[7] Das führt zu Schwankungen, wie sie bei anderen Anlagegütern kaum anzutreffen sein dürften. Ein gutes Beispiel ist der Bitcoin-Kurs, der Ende 2017 innerhalb weniger Wochen eine Wertsteigerung von knapp 190 % erfuhr, teilweise innerhalb von 24 Stunden (21.12. zum 22.12. 2017) eine Wertsenkung von ca. 41 %.[8]

Diese hohe Volatilität erschwert die Verkehrsfähigkeit derartiger Währungen enorm: Einerseits muss jeder, der Kryptowährungen als alternatives Zahlungsmittel benutzen will, stets befürchten, dass die Coins am Ende des Tages an Wert verlieren und dadurch auch ihre Kaufkraft verschwindet oder umgekehrt, dass eine so starke Wertsteigerung eintritt, dass es ökonomisch besser gewesen wäre, die Coins zu behalten, anstatt sie für Waren oder Dienstleistungen auszugeben. Aus der Perspektive eines Krypto-Investors führt die hohe Volatilität zu einem entsprechend hohen Investitionsrisiko mit korrespondierenden Chancen. Ein ideales Umfeld also für Daytrading Aktivitäten. Um Kursgewinne zu realisieren, erscheint es naheliegend, die entsprechenden Bestände an Kryptowährungen zur Wertsicherung in Fiat-Währungen, also konventionelle Währungen wie Euro, USD etc., wieder umzutauschen. Derartige Umtauschvorgänge werden allerdings von den Krypto-Tauschbörsen (Krypto-Exchanges)[9] – anders als etwa der Umtausch einer Kryptowährung in eine andere Kryptowährung – teuer in Rechnung gestellt und sind oftmals mit umständlichen Regularien verbunden. Nicht nur für kurzfristiges Daytrading, sondern auch für längerfristige Anlagen im Kryptobereich stellt sich daher für Verbraucher und Investoren häufig die Frage, ob die Coins weiter gehalten werden in der Hoffnung, dass keine allzu großen Werteinbußen eintreten, oder stattdessen ein "Exit" angestrebt werden soll, der aber mit den beschriebenen erheblichen Kosten verbunden ist.

Durch Stablecoins könnte dieses Problem weitestgehend behoben werden. Ziel ist es, eine Kryptowährung zu schaffen, die gerade nicht volatil ist, sondern sich direkt nach einem bestimmten Referenzwert

richtet (z. B. USD oder Euro). Aus diesem Grunde werden sie überhaupt "Stablecoins", also "(preis-)stabile Münzen" genannt. Da es sich dabei um Kryptowährungen im weiteren Sinne handelt, können Personen, die den Wert z. B. ihrer Bitcoins vor zukünftigen Kursschwankungen sichern möchten, dies alternativ zum kostspieligen Umtausch in eine Fiat-Währung durch einen deutlich kostengünstigeren Umtausc...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge