Sonderabschreibung: Vorauss... / 5.2 Die ersten beiden Jahre sind entscheidend

Die (fast) ausschließliche betriebliche Nutzung muss – anders als beim Investitionsabzugsbetrag – unbedingt in jedem der ersten beiden Jahre vorliegen, also

  • im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und
  • im darauffolgenden Wirtschaftsjahr.

Die beiden ersten Jahre sind entscheidend. Es nutzt nichts, wenn

  • die private Nutzung im 1. Jahr über 10 % liegt und diese erst im 2. Jahr auf 10 % oder weniger reduziert wird oder
  • die private Nutzung im 1. Jahr nicht mehr als 10 % beträgt, aber im 2. Jahr die 10-%-Grenze überschreitet.
 
Praxis-Tipp

Das Jahr der Anschaffung und das folgende Jahr sind für die private Nutzung entscheidend

Zur Beurteilung werden ausschließlich die beiden ersten Jahre herangezogen, sodass es keine Rolle spielt, ob die Privatnutzung im 3. bis 5. Jahr über 10 % liegt. Die beiden ersten Jahre sind getrennt zu betrachten. Es ist nicht möglich, die Daten der beiden ersten Jahre zusammenzurechnen um festzustellen, ob die private Nutzung nicht mehr als 10 % beträgt.

 
Praxis-Beispiel

Sonderabschreibung neben der linearen Abschreibung für einen Firmenwagen

Herr Huber erwirbt im Oktober einen neuen Firmenwagen für 30.000 EUR zuzüglich 5.700 EUR Umsatzsteuer. Mithilfe eines Fahrtenbuches weist er nach, dass er das Fahrzeug nur zu 5 % privat (also fast ausschließlich betrieblich) genutzt hat.

Er macht im Anschaffungsjahr die lineare Abschreibung und die Sonderabschreibung von 20 % geltend. Er darf die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 und 6 EStG beanspruchen. Er kann auch, wenn jetzt noch nicht feststeht, welchen Umfang die Privatnutzung im Folgejahr haben wird, die Sonderabschreibung geltend machen.

Er berechnet die Abschreibung wie folgt:

 
lineare Abschreibung  
(30.000 EUR : 6 = 5.000 EUR : 12 × 3 Monate = 1.250 EUR
Sonderabschreibung (30.000 EUR × 20 % =) 6.000 EUR
insgesamt 7.250 EUR

Buchungsvorschlag: Lineare Abschreibung, zeitanteilig

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4832 Abschreibungen auf Kfz 1.250 0320 Pkw 1.250
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
6222 Abschreibungen auf Kfz 1.250 0520 Pkw 1.250

Buchungsvorschlag: Sonderabschreibung (handelsrechtlich unzulässig)

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4852 Sonderabschreibungen nach § 7g Abs. 5 EStG (für Kfz) 6.000 0320 Pkw 6.000
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
6242 Sonderabschreibungen nach § 7g Abs. 5 EStG (für Kfz) 6.000 0520 Pkw 6.000

Die steuerliche Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr bleibt aber nur dann erhalten, wenn auch die private Nutzung im Folgejahr nicht mehr als 10 % beträgt. Nach Ablauf des Jahres (spätestens bei der Erstellung des Jahresabschlusses) muss der Umfang der Privatnutzung dargelegt werden können.

 
Hinweis

Was beim Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft hinsichtlich der Firmenwagennutzung gilt

Nutzt bei einer Kapitalgesellschaft, z. B. bei einer GmbH, der Gesellschafter einen Firmenwagen, dann wird er dies regelmäßig im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses mit seiner GmbH tun. Überlässt die GmbH ihrem Arbeitnehmer-Gesellschafter ein Fahrzeug auch zur privaten Nutzung, handelt es sich insoweit um einen geldwerten Vorteil, der als Arbeitslohn zu erfassen ist. Konsequenz ist, dass dann die betriebliche Nutzung immer bei 100 % liegt. Ohne Arbeitsverhältnis ist die kostenlose Überlassung für Privatfahrten an einen Gesellschafter eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Auswirkungen auf die Handelsbilanz: Die Sonderabschreibung darf handelsrechtlich nicht übernommen werden, sodass der Bilanzansatz in der Handelsbilanz höher ist als in der Steuerbilanz. Dadurch sind passive latente Steuern abzugrenzen (bei einer GmbH entsprechend dem vorstehenden Beispiel: 6.000 EUR × 30 % = 1.800 EUR).

Die Problematik, dass die Sonderabschreibung wegen einer mehr als 10 %igen Privatnutzung wieder rückgängig gemacht wird, tritt bei Kapitalgesellschaften regelmäßig nicht auf, sondern nur bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Latente Steuern können bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften hinsichtlich der Gewerbesteuer ausgewiesen werden. Folglich hat die Rückgängigmachung der Sonderabschreibung dann auch handelsrechtliche Konsequenzen.

 
Praxis-Beispiel

Im 1. Jahr liegt die private Nutzung des Firmenwagens unter 10 %, im 2. Jahr über 10 %

Liegt die private Nutzung im 2. Jahr über 10 %, muss die Sonderabschreibung rückgängig gemacht werden. Das sieht dann so aus, dass das Finanzamt den Steuerbescheid für das Anschaffungsjahr berichtigt, indem es (ohne Vorlage einer berichtigten Steuerbilanz) den Gewinn um 6.000 EUR erhöht.

Aber: In der Steuerbilanz stimmt der Buchwert des Firmenwagens zum 1.1. des Folgejahres nicht mehr. Der Buchwert ist wegen des Wegfalles der Sonderabschreibung um 6.000 EUR zu niedrig ausgewiesen. Spätestens beim Jahresabschluss für das Folgejahr muss der Anfangswert des Firmenwagens um 6.000 EUR erhöht werden. Dazu muss der U...

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