Software, Anschaffung und A... / 4.3 Vereinfachungsregeln für Software

Abschreibungen gem. § 6 Abs. 2 und 2a EStG sind bei immateriellen Wirtschaftsgütern grundsätzlich nicht möglich. Allerdings sieht R 5.5 EStR eine Vereinfachungsregelung vor, wonach Anwendungssoftware bis zum Grenzwert von 800 EUR netto (bei vor dem 1.1.2018 angeschaffter Software bis 410 EUR) als Trivialprogramme gelten, die wiederum wie abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter zu behandeln sind. Für Anschaffungen ab dem 1.1.2018 soll der Grenzwert, bis zu dem von einem materiellen Wirtschaftsgut auszugehen ist, auf 800 EUR erhöht werden.[1] Bis zu diesem Betrag kann die Software also auch als geringwertiges Wirtschaftsgut behandelt werden. Dabei sind folgende Unterscheidungen zu treffen:

  1. Variante: Die Netto-Anschaffungskosten betragen nicht mehr als 250 EUR

    Die Kosten können sofort als Aufwand gebucht werden. Dabei ist unmittelbar das Konto "Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter" (SKR 03: 4855; SKR 04: 6260) zu verwenden.

  2. Variante: Die Netto-Anschaffungskosten betragen mehr als 250 EUR und nicht mehr als 800 EUR

    Bei Anwendung des § 6 Abs. 2 EStG werden die Kosten zunächst auf das Anlagenkonto "Geringwertige Wirtschaftsgüter" (SKR 03: 0480; SKR 04: 0670) gebucht. Erst im Anschluss (spätestens beim Jahresabschluss) erfolgt dann die Abschreibung über das Konto "Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter" (SKR 03: 4855; SKR 04: 6260).

  3. Variante: Der Unternehmer wählt die Anwendung des § 6 Abs. 2a EStG (Sammelposten)

    Der Unternehmer kann die Anwendung des § 6 Abs. 2a EStG wählen, wonach Wirtschaftsgüter bis 250 EUR netto sofort abgeschrieben werden und Wirtschaftsgüter zwischen 250 EUR bis 1.000 EUR in einen Sammelposten eingestellt werden. Da Software nur dann als materielles Wirtschaftsgut behandelt wird, wenn die Anschaffungskosten 800 EUR netto nicht übersteigen, können auch nur diese in den Sammelposten eingestellt werden. D. h., Software mit Anschaffungskosten von mehr als 250 EUR bis 800 EUR müssen bei dieser Variante in den Sammelposten eingestellt werden. Programme, deren Anschaffungskosten mehr als 800 EUR netto betragen, müssen zwingend als immaterielle Wirtschaftsgüter über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

 
Praxis-Beispiel

Abschreibungsvarianten bei Software

Herr Huber erwirbt das Programm "Adobe Acrobat Standard" für 595 EUR (500 EUR zuzüglich 19 % = 95 EUR USt). Er hat gem. § 6 Abs. 2 bzw. § 6 Abs. 2a EStG folgende Möglichkeiten:

2. Variante: Geringwertiges Wirtschaftsgut (bis 800 EUR) ohne Sammelposten

Der Unternehmer hat sich entschieden, die Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 EUR ohne Umsatzsteuer in Anspruch zu nehmen (bei dieser Variante darf kein Sammelposten gebildet werden). Da die Software mehr als 250 EUR netto kostet, bucht er den Vorgang wie folgt:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
0480/0670 Geringwertige Wirtschaftsgüter 500      
1576/1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 95 1200/1800 Bank 595
 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4855/6260 Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter 500 0480/0670 Geringwertige Wirtschaftsgüter 500

3. Variante: Geringwertiges Wirtschaftsgut (bis 250 EUR) + Sammelposten

Aufgrund anderer Investitionen hat sich der Unternehmer entschieden, die Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 250 EUR in Kombination mit dem Sammelposten zu wählen. Konsequenz ist, dass er das Programm "Adobe Acrobat Standard" dann in den Sammelposten einstellen muss:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
0485/0675 Wirtschaftsgüter größer 250 bis 1.000 EUR (Sammelposten) 500      
1576/1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 95 1200/1800 Bank 595
 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4862/6264 Abschreibungen auf den Sammelposten Wirtschaftsgüter 100 0485/0675 Wirtschaftsgüter größer 250 bis 1.000 EUR (Sammelposten) 100

Alternative: Abschreibung über die Nutzungsdauer

Hat sich der Unternehmer bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern für die Variante der Anwendung des Grenzwerts von 800 EUR entschieden, kann er alternativ für einzelne Wirtschaftsgüter auch die Abschreibung über die Nutzungsdauer wählen. Macht der Unternehmer bei dem Programm "Adobe Acrobat Standard" von der individuellen Abschreibung Gebrauch, bucht er die Anschaffung wie bei der 2. Variante.

Das geringwertige Wirtschaftsgut "EDV-Software" wird dann über seine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 3 Jahren mit (500 EUR : 3 =) 166,67 EUR abgeschrieben:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
0480/0670 Geringwertige Wirtschaftsgüter 500      
1576/1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 95 1200/1800 Bank 595
 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4860/6262 Abschreibung auf aktivierte, geringwertige Wirtschaftsgüter 166,67 0480/0670 Geringwertige...

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